Maßnahmenkatalog des Landkreises Landsberg

Landratsamt Landsberg: "Modus Vivendi" in der Pandemie finden

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Pressekonferenz mit Sicherheitsabstand: Leiterin der Führungsgruppe Katastrophenschutz Maria Matheis, Landrat Thomas Eichinger (Mitte) und Versorgungsarzt des Landkreises Dr. Markus Hüttl im Sitzungssaal des Landratsamtes Landsberg.

Landkreis – Noch herrscht im Landkreis Landsberg eine relativ entspannte Lage, was den Umgang mit dem Coronavirus SARS CoV-2 angeht. Momentan sind 271 Personen positiv auf das Virus getestet – das ergibt eine Fallzahl von 225,7 pro 100.000 Einwohnern. Zum Vergleich: Im Landkreis Rosenheim liegt die Fallzahl bei über 500. „Die Steigerung ist bisher nicht so hoch wie erwartet“, räumt auch Landrat Thomas Eichinger ein. „Aber die Zahlen werden steigen.“ Dennoch: Momentan sei die Versorgungslage im Klinikum sehr gut. 13 Patienten werden dort behandelt, fünf davon auf der Intensivstation. Und nur zwei dieser fünf müssen beatmet werden.

Jeden Donnerstag treffe sich der Krisenstab, bei dem auch Maria Matheis als Leiterin der Führungsgruppe Katastrophenschutz, Versorgungsarzt Dr. Markus Hüttl sowie Mitarbeiter des Klinikums, des BRKs oder auch der Polizei dabei sind. Das Hauptaugenmerk liege auf der Erhöhung der Intensivkapazitäten, betont Eichinger. „Es ist schwierig, da momentan weltweit zu wenig Beatmungsgeräte vorhanden sind.“ Man habe einiges bestellt, aber nur wenig sei geliefert worden. Für die kreiseigenen Einrichtungen könne man Dank Dr. Hüttl noch andere Quellen anzapfen.

Im Klinikum verfüge man momentan über zehn Geräte, habe aber erfolgreich fünf weitere bestellen können, um die erwartete ‚Spitze‘ der Infektionszahlen im Landkreis abfangen zu können. „Eine sehr gute Rate, verglichen zu anderen Kliniken dieser Größe“, betont Eichinger.

Die zehn vorhandenen Geräte seien allerdings nicht alle Intensivbeatmungsgeräte, konkretisiert Hüttl. Darunter gebe es auch Narkosebeatmungsgeräte. „Diese können nicht ganz so fein auf den jeweiligen Fall justiert werden.“ Zudem seien sie nicht unbedingt für eine Beatmungszeit von mehr als 20 Stunden gemacht – Operationen dauern selten so lange an. „Wir verwenden diese Geräte erst in Stufe 2, wenn keine Intensivgeräte mehr vorrätig sein sollten“, sagt Hüttl.

Was der Kapazität im Klinikum zugute komme, sei eine hohe Anzahl an freien Betten – wohl auch deshalb, weil sich viele Patienten nicht mehr in die Klinik trauten (siehe Artikel Seite 2). „Momentan sind über 70 Betten nicht belegt“, bestätigt Eichinger, „die können wir als Kapazitäten einsetzen, wenn der Höhepunkt der Kurve erreicht ist.“

Späte Testergebnisse

Die Hauptarbeit liege momentan beim Gesundheitsamt, das die Testtermine vereinbart, die Bescheide ausgibt oder auch ausgiebige Beratungen durchführt. Da könne es schon mal ein bisschen länger dauern, bis man sein Testergebnis bekomme, bittet der Landrat um Verständnis. „Wir telefonieren zuerst immer alle positiv Getesteten ab. Vielleicht fällt im Nachhinein dann mal ein negativ Getesteter über den Rand.“ Erhalte man keinen Rückruf, sei das vorerst eher ein gutes Zeichen. Positive Testergebnisse vermittle man innerhalb weniger Tage. „Aber natürlich bekommt normalerweise jeder sein Testergebnis mitgeteilt.“

Die Fallzahlen müsse man kritisch betrachten, warnt Eichinger: „Sie geben nicht die Realität wieder und liegen vermutlich weitaus höher.“ Nicht jeder Infizierte werde durch einen Test erfasst. Eichinger erwartet eine „Dynamik, die wir so noch nicht wahrnehmen können“. Man bewahre Ruhe, rüste sich dennoch für den „Worst Case“. So habe der Freistaat auch Beamte aufgefordert, sich als Helfer zu melden – momentan nur als Reserve. Intern suche man nach Personen, die eine medizinische Ausbildung hätten, aber nicht mehr in ihrem Beruf arbeiteten, berichtet Eichinger. Demnächst wolle man auch öffentlich Medizinstudenten zur Mithilfe aufrufen.

Der Maßnahmenkatalog

Der bisher eingeleitete „Strauß an Maßnahmen“ greife jedoch gut, betont Eichinger. „Wir können die Wünsche nach Proben, Beratung und Therapie erfüllen.“ Die Prüfstelle am Sportzentrum laufe. In der erst vor Kurzem eröffneten Infekt­ambulanz (der KREISBOTE berichtete) habe man täglich dank ausreichend Personal bis zu 30 Patienten, was die niedergelassenen Ärzte entlaste und aufgrund der Zentrierung Schutzausrüstung spare. Auch für Zahnärzte sei eine ähnliche Struktur im Gespräch

Insgesamt seien bereits über 1.000 Menschen im Landkreis unter Quarantäne gestellt worden. „Vielleicht kommt es ja auch nicht zu diesem Tsunami der Fallzahlen“, hofft Eichinger. Ansonsten könne man mittlerweile auch bei Bedarf Patienten in Krankenhäuser anderer Landkreise auslagern.

An der Lösung des Problems, dass Seniorenheime und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung niemanden mehr aufnehmen dürfen – somit auch keine Rückkehrer aus Kliniken –, arbeite man. Reha-Kliniken kämen hier als Zwischenunterkünfte infrage, eventuell auch eine zentrale Einrichtung, die diese Menschen vorübergehend aufnehmen könne.

Demnächst starte auch das Infektmobil, stellt Hüttl in Aussicht: ein Krankenwagen speziell zur Behandlung von Patienten, die eventuell mit dem Coronavirus infiziert sein könnten. Eine weitere Entlastung für Hausärzte, da man ihnen die Hausbesuche abnehme. Angefordert werde der Wagen über den Hausarzt oder die Infektambulanz.

Da die meisten Infizierten nicht in eine Klinik müssen, sei die Isolation zuhause am geeignetsten, betont Hüttl. „Im Krankenhaus könnte der Patent jemanden anstecken – oder selbst durch andere Keime infiziert werden.“ Dem Infektmobil sei auch ein Physiotherapeut nachgeschaltet. Denn bei COVID-19-Patienten gebe es im Krankheitsverlauf eine bestimmten „Breakpoint“, an dem mit Physiotherapie und einer damit einhergehenden Belüftung der Lunge eine Beatmung zumindest hinausgezögert, wenn nicht gar ganz abgewendet werden könne, sagt Hüttl.

Informationspolitik

Man werde auch weiterhin keine Einzelstatistiken der Gemeinden geben, ebensowenig werde man Infektionen in Heimen oder Asylunterkünften bestätigen oder Details über Infizierte wie deren Alter bekanntgeben, erläutert Eichinger die im Vergleich zu anderen Landkreisen strikte Informationspolitik des Landratsamtes Landsberg. „Unserer Ansicht nach hat das keinen Nutzen für die Bevölkerung. Es sind nur Momentaufnahmen.“

Man sei sich der Gefahren in Heimen und Sammelunterkünften bewusst und werde weiterhin strikt nach den Anweisungen des Robert-Koch-Instituts handeln. „Die Bevölkerung als Mittel der sozialen Kontrolle wollen wir nicht. Jeder muss auf sich selbst achten.“

Das leben mit dem Coronavirus werde nicht im Sommer „vorbei sein“. Es gelte, einen „Modus Vivendi“ in der Pandemie zu finden: „Letztendlich geht es auch um eine politische Diskussion über Freiheit.“
Susanne Greiner

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