Standort für Landratsamt-Neubau beschlossen

Penzinger Feld gewinnt das Tauziehen

+
So sieht der Entwurf für den Neubau am Penzinger Feld aus: Auf der blau gekennzeichneten Fläche ist der erste Bauabschnitt bis 2027 geplant, in dunkelblau ein möglicher Anbau. Im gestrichelten Bereich könnte es noch zur Erweiterung bis etwa 2047 kommen.

Landkreis – Zumindest der Standort ist nun geklärt: Um seine Außenstellen zusammenzufassen, plant der Kreistag einen Neubau des Landratsamtes am Penzinger Feld. Mit 38:18 Stimmen votierte der Kreistag für den Standort im Landsberger Osten, der sich damit gegen mögliche Alternativen am Schlüsselanger oder am Klinikum durchsetzt. Bevor es aber zur Abstimmung kam, wurden etliche Fürs und Widers abgewägt.

13 Außenstellen sind es inzwischen, die das Landratsamt im Landkreis betreibt – davon zwölf in Landsberg, eine in Kaufering. Rund ein Drittel der Mitarbeiter ist so beim Landkreis angestellt, hat seinen Arbeitsplatz aber nicht im Landrats­amt. Erst vor wenigen Wochen wurde mit dem Sachgebiet für Asylangelegenheiten die vorerst letzte Stelle außerhalb der Von-Kühlmann-Straße angesiedelt, das Ende der Fahnenstange sieht Landrat Thomas Eichinger (CSU) aber noch längst nicht erreicht: „Wir werden auch die 14. oder 15. Außenstelle noch erleben.“ Deshalb, fordert der Landrat, müsse jetzt gehandelt werden, um „eine komplette Zersplitterung des Landratsamtes zu vermeiden.“

Krankenhaus ist raus

Drei Standorte, an denen das Landratsamt neugebaut werden könnte, nahm deshalb der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München im Frühjahr unter die Lupe: den Schlüsselanger, das Penzinger Feld und eine Fläche beim Krankenhaus. Letztere wurde daraufhin nicht mehr ernsthaft in Betracht gezogen: zu wenig Parkplätze, zu dezentral und keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr fürs Klinikum.

Wesentlich schwerer war da schon die Entscheidung zwischen dem drei Hektar großen Penzinger Feld und dem Schlüsselanger am Sportzentrum (1,95 Hektar). Vorrangig entscheidend sei für Landrat ­Eichinger sowohl die Flächengröße als auch die Eignung für eine Erweiterung. Deshalb machte er keinen Hehl daraus, der Fläche am Penzinger Feld den Vorzug zu geben. Diese eigne sich ohnehin nicht als Wohnfläche, sondern vielmehr für eine gewerbliche Nutzung.

Peter Wittmaack (SPD) gab zu bedenken, die Bebauung neben dem Fachmarktzentrum sei mit einem „enormen planerischen Aufwand verbunden“. Auch deshalb, weil gemäß Machbarkeitsstudie aus dem Standortgutachten in drei Abschnitten geplant werde. Im ersten Bauabschnitt – Planungshorizont zehn Jahre – würde am Penzinger Feld ein 10.000 Quadratmeter großes Gebäude entstehen, wo lediglich die Außenstellen gesammelt einziehen würden. 250 Arbeitsplätze sollen in diesem Neubau zur Verfügung stehen.

Noch deutlich weiter in die Zukunft geht Bauabschnitt zwei: Mit diesem ginge ein Umzug sämtlicher Mitarbeiter aus der Von-Kühlmann-Straße ans Penzinger Feld einher. Insgesamt 500 Personen wären dann auf 20.000 Quadratmetern untergebracht. Und sogar an eine Erweiterung des bis etwa 2037 fertiggestellten Abschnittes zwei wird bereits gedacht: Bis 2047 könnte der Bau dann nochmal vergrößert werden – dann für bis zu 660 Mitarbeiter, die Landrat ­Eichinger aufgrund von Prognosen für realistisch hält.

Trotzdem: Der Kreistag müsste sich nicht gleich auf 30 Jahre festlegen, meint Quirin Krötz (CSU). Er plädierte dafür, erstmal Bauabschnitt 1 umzusetzen. Danach könne man noch nach Bedarf entscheiden, ob eine Gebäudeerweiterung vonnöten sei.

Dass aber fruchtbarer Ackerboden am Penzinger Feld überbaut würde, missfiel einigen Kreisräten. Neben einem „Flächenfraß“ (­Gabriele ­Triebel) kritisierte Peter Noll (beide GAL) die Bodenversiegelung, die großflächig stattfinden müsste. Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch (Freie Wähler) hielt dagegen: „Wir werden hier nichts versiegeln, was nicht auch sonst versiegelt worden wäre.“

Zuvor hatte Kirsch auch den Preis als Vorteil für das Penzinger Feld ausgelegt. Schließlich sei das Areal bereits Eigentum des Landkreises, der Schlüsselanger dagegen gehört der Stadt. Zu welchen Konditionen der Landkreis die Fläche womöglich erwerben könnte, ist nicht bekannt. „Ich habe die Stadt mehrfach nach einem Preis für den Schlüsselanger gefragt aber bisher kein Angebot bekommen“, erklärt Landrat Eichinger.

Für den Neubau im Osten Landsbergs monierten dagegen einige Kreisräte, dieser würde zu hohe Baukosten verschlingen – „dringlichere Projekte“ wie die Sanierung der Beruflichen Schulen müssten dadurch zurückstecken. Eichinger verwies jedoch darauf, man müsse Landrats­amt-Neubau und Schul-Investitionen getrennt voneinander betrachten.

In seiner Forderung, bei der Standortwahl müsse der „Erreichbarkeit höchste Priorität“ eingeräumt werden, fand der CSU-Landrat vornehmlich Unterstützer aus der eigenen Fraktion. Wilhelm Böhm etwa sah das Penzinger Feld als zentralen Punkt im Landkreis, der über die A96 gut erreichbar sei. Aber nicht nur Landkreis-Bürger, auch die Mitarbeiter des Landratsamtes suchen ihre Einrichtung meist mit dem Auto auf, wie eine Haus­umfrage ergab: Nur jeder fünfte Mitarbeiter kommt demnach nicht mit dem Auto zur Arbeit.

Verkehrsentlastung

Und der Verkehr in der Innenstadt sei zu Stoßzeiten ohnehin schon zäh, führte Axel Flörke (Landsberger Mitte) ein letztes Argument für das Penzinger Feld an. Er erinnerte auch ans „Urbane Leben am Papierbach“, wo künftig noch weitere 1.500 Bürger nicht nur das Stadtzentrum bereichern sondern auch den Verkehr weiter stocken ließen. „Zum Schutz für Landsberg“ solle deshalb eine Landratsamts-Erweiterung nicht auch noch in die Innenstadt gebaut werden, so der Dritte Bürgermeister.

Seiner Meinung folgten weitere 37 Kreisräte, die ihre Hand für das Penzinger Feld erhoben. Bei nur 18 Gegenmeinungen wurde deshalb besiegelt, dass die weiteren Planungen für einen Neubau sich nur noch auf den mehrheitlichen Wunschstandort im Osten beziehen. Dort wird – gemäß Beschlussvorlage – die Stadt Landsberg nun gebeten, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu erstellen, um so das Baurecht für das zusätzliche Verwaltungsgebäude zu schaffen. 

Marco Tobisch

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Wahrzeichen in neuem Glanz
Wahrzeichen in neuem Glanz
Inselbad bleibt, was es ist
Inselbad bleibt, was es ist
Neuer Radweg nach Ummendorf
Neuer Radweg nach Ummendorf

Kommentare