Wider dem Flächenfraß

Landsberger Landratsamt doch auf dem Penzinger Fliegerhorst?

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Standen zweieinhalb Stunden lang Rede und Antwort: Thomas Eichinger (CSU), Wolfgang Buttner (ÖDP), Tobias Linke (Bayernpartei) und Peter Friedl (Grüne) (von links).

Eresing – Flächenverbrauch und Artenvielfalt, die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft und der Klimaschutz. Es waren große Themen, die im Mittelpunkt der ersten Podiumsdiskussion der vier Landratskandidaten im Vorfeld der Kommunalwahl standen. Organisiert vom Bund Naturschutz (BN), dem Bayerischen Bauernverband (BBV) und dem Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf), fanden sich Landrat Thomas Eichinger (CSU) und seine Herausforderer Peter Friedl (Grüne), Wolfgang Buttner (ÖDP) und Tobias Linke (Bayernpartei) im vollbesetzten Saal des Alten Wirts in Eresing ein und lieferten sich eine ebenso inhaltsreiche wie faire Auseinan­dersetzung.

Mit eindrücklichen Zahlen zum Flächenfraß eröffnete Moderator Helmut Nebel die Diskussion. In den 35 Jahren bis 2014 sind demnach im Landkreis 4.000 Hektar oder fünf Prozent der Gesamtfläche verloren gegangen – das entspreche fast der Größe der Gemeinde Weil. Wie diese Entwicklung gebremst werden kann, dazu hatten die Kandidaten unterschiedliche Vorstellungen. Buttners Maxime heißt Sanieren vor Neubau, keine weiteren Supermärkte auf der grünen Wiese und kein weiterer Straßenbau. Linke möchte Baulücken schließen und kleine Orte durch mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze aufwerten.

Friedl wünscht sich interkommunale Gewerbegebiete, mehr Dialog mit den Gemeinden und eine Vorbildfunktion des Landkreises. Durch die Errichtung des neuen Landratsamts auf „wertvollstem Ackerboden“ passiere aber genau das Gegenteil, kritisierte der Grünen-Kandidat. Eichinger sieht ein Mittel gegen Flächenverbrauch in der Umwandlung leerstehender landwirtschaftlicher Gebäude in Wohnraum und in insgesamt höheren Gebäuden.

Eichingers Alternative

Verteidigen musste der Landrat sowohl seine Vorschläge zur Landsberger Südumgehung („Eine Straße ist ökologisch kein Problem, wenn die Fahrzeuge, die darauf fahren, ökologisch sind.“) als auch den Neubau des Landratsamts am Penzinger Feld, wenn quasi nebenan auf dem Fliegerhorst versiegelte Fläche und Gebäude zur Verfügung stehen würden. Er habe dort bereits vor Jahren ein Objekt anmieten wollen, so Eichinger. Es sei aber nichts vorwärts gegangen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass das neue Landratsamt auf dem Fliegerhorst „finanzierbar und genauso gut“ zu machen sei, ziehe er den Plan für das Penzinger Feld gerne nochmal zurück.

Um den Artenschutz voranzu­bringen, wünscht sich Friedl mehr Informationskampagnen des Landkreises, einen Runden Tisch mit Landwirten, Naturschützern und Gemeinden sowie größeres Augenmerk darauf, ob Ausgleichsflächen adäquat umgesetzt werden. Das soll ein Landschaftspflegeverband übernehmen – „den schaffen wir gerade“, so Eichinger. Und: Man wolle durch Flächenankauf Biotopverbünde schaffen und fördere Streuobstwiesen.

Einig waren sich alle vier Kandidaten, dass zum Erhalt der regionalen bäuerlichen Landwirtschaft der Verbraucher durch entsprechendes Einkaufsverhalten seinen Beitrag leisten muss – sowie Eltern, Kindergärten und Schulen durch entsprechende Erziehung. Friedl forderte aber auch hier eine Vorbildfunktion ein, indem zum Beispiel in allen Landkreiskantinen 30 Prozent regionale und 30 Prozent biologisch erzeugte Produkte vorgeschrieben würden.

Beim Thema Klimaschutz driftete die Diskussion zeitweise ins Globale ab, doch auch auf Landkreisebene wurden Handlungsmöglichkeiten gesehen. Buttner forderte die Wärmever­sorgung aller kommunalen Gebäude durch die im Landkreis vorhandenen Biogasanlagen sowie die Einrichtung eines kommunalen Energiemanagements mit hauptamtlichen Mitarbeiten. Linke wünscht sich die Beteiligung von Bürgern an Wind­energie-, PV- und Biogasanlagen vor Ort, wodurch mehr Akzeptanz geschaffen werde. „Hut ab“ vor dem, was in der Gemeinde Fuchstal in dieser Hinsicht realisiert worden sei, so der Bayernpartei-Kandidat.

Grünen-Kandidat Friedl möchte den ÖPNV „massiv ausbauen“ und im Landkreis-Haushalt mindestens zwei Millionen Euro für Klimaschutzmaßnahmen sehen. Amtsinhaber Thomas Eichinger entgegnete, an investiven Maßnahmen stecke der Landkreis bereits jetzt mehr als zwei Millionen in den Klimaschutz, etwa bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen. „Aber selbst wenn der Landkreis klimaneutral wird – Industrie, Handel, Gewerbe und Verbraucher müssen alle mitmachen.“
Ulrike Osman

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