Krieg, Corona, Hungersnot

LandsAid aus Kaufering startet Hilfe für die Camps um Idlib

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Ein Bild des Elends und trotzdem noch ein Lächeln für den Fotografen: Flüchtlingskinder und ein Mann mit Krücken im Camp vor der Stadt Idlib.

Kaufering – Die Corona-Pande­mie überschattet derzeit alles – auch die Tragödie, die sich vor der Stadt Idlib in Syrien abspielt. Über eine Million Menschen, geflüchtet vor den anhaltenden Kampfhandlungen, leben hier in wilden Camps – ohne Betreuung, ohne ausreichende Unterstützung. Die Kauferinger Hilfsorganisation LandsAid plant in Kooperation mit „Drei Musketiere Reutlingen“, 1.000 Familien in den Camps schnell zu helfen: Fast 6.000 Menschen, überwiegend Kinder, sollen für einen Monat mit Nahrung und Hygieneartikeln versorgt werden.

„Die Menschen sitzen dort fest. Eine Einreise in die Türkei ist nahezu unmöglich. Es gibt kaum Essen, Wasser und über die Hygienebedingungen will ich erst gar nicht reden. Die Weltgemeinschaft schaut einfach weg! Wir können das nicht mehr mit ansehen und werden vor Ort trotz gering vorhandener Spendenmittel, die wir haben, helfen“, sagt LandsAid-Geschäftsführer Sven Weber.

Nicht selten teilen sich zehn Personen ein paar wenige Quadratmeter in einem Zelt. Schlafen, essen, leben – dicht an dicht. „Social Distancing“ als Prävention vor dem Corona-Virus und damit einhergehende Hygiene sind damit fast unmöglich. „Eine Ausbreitung des Virus wäre verheerend für die Menschen hier, deren Gesundheitszustand schon jetzt durch Nahrungs- und Wassermangel sowie die Kälte geschwächt ist“, ergänzt Weber. Ziel des Projektes sei auch, die Verbreitung des Virus in der Region zu vermindern.

Jedes der zu verteilenden Lebensmittelpakete ist ausreichend für eine sechsköpfige Familie für einen Monat. Außerdem erhält jede Familie ein Hygienepaket mit Seife, Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Duschgel und Feuchttüchern. Erreicht werden damit vor allem Menschen, welche die Hilfe am Nötigsten brauchen. Also Familien mit unterernährten Familienmitgliedern, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und Familien mit einer großen Anzahl an Kindern.

Nach dem Jemen soll Idlib in Syrien für LandsAid nun zweiter, großer Schwerpunkt im Bereich der Versorgung von Kriegsflüchtlingen werden, da hier nur wenige Hilfsorganisationen vor Ort seien und auch die UNO kaum Hilfe leiste, so Sven Weber. „Trotz Corona müssen wir auch an die Tragödien denken, die sich zeitgleich in der Welt abspielen“, meint der LandsAid-Geschäftsführer. „Die Camps um Idlib steuern auf eine humanitäre Katastrophe zu. Hier dürfen wir nicht wegschauen. Gemeinsam können wir vielen Familien helfen.“

Das Projekt wird gefördert von Aktion Deutschland Hilft (ADH). LandsAid ist seit 2012 Mitglied in dem Bündnis der Hilfsorgani­sationen.

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