Von der Überfahrt abhalten

LandsAid: Sven Weber und Seenotretter Claus-Peter Reisch in Izmir

LandsAid-Geschäftsführer Sven Weber mit den Kindern im Flüchtlingslager.
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LandsAid-Geschäftsführer Sven Weber mit den Kindern im Flüchtlingslager.

Kaufering – Die Hilfe geht weiter: In der vergangenen Woche flog Sven Weber, Geschäftsführer der Kauferinger Hilfsorganisation LandsAid, gemeinsam mit dem Landsberger Claus-Peter Reisch nach Izmir, um den syrischen Geflüchteten in den Lagern rund um die Millionenstadt zu helfen. Reisch, der seit gut drei Jahren Seenotrettungs-Missio­nen auf dem Mittelmeer fährt, unterstützt dabei das LandsAid-Projekt.

„Wir müssen dringend vor Ort helfen. Nur wenn es ihnen dort einigermaßen gut geht, sie mit dem Nötigsten versorgt sind und eine Perspektive haben, riskieren sie nicht die lebensgefährliche Überfahrt auf die griechischen Inseln,“ sagt Claus-Peter Reisch. Die Hilfe von LandsAid basiert auf verschiedenen Säulen, die alle den gleichen Tenor haben: die Weiterflucht verhindern.

Die Bedingungen in den inoffiziellen Flüchtlingscamps sind katastrophal: notdürftig errichtete Unterkünfte aus Planen und Decken, schwierige hygienische Verhältnisse, keine funktionierende Müllentsorgung, kaum fließend Wasser – und vor allem nicht genug zu essen.

Um die Menschen hier mit Nahrung zu versorgen, verteilen Weber und Reisch, gemeinsam mit Mitarbeitern der Partnerorganisation „Drei Musketiere“, Lebensmittelmittelpakete – bestehend etwa aus Öl, Mehl, Reis, Linsen und Zucker – in den Camps. Auch Hygiene­pakete mit Seife, Spülmittel, Shampoo sowie Waschpulver werden den Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. „Ein solches Paket versorgt eine sechs-köpfige Familie für etwa zwei Wochen,“ erklärt Weber. Ebenso in der Verteilung: Babypflegepakete, spezielle Hygieneartikel für Frauen und Mädchen sowie Masken und Handdesinfektionsmittel. Geplant ist die Verteilungsaktion für etwa 700 Familien noch in diesem Frühjahr und 1.500 Familien in der kommenden Sommersaison.

Vor der Seenotrettung

Die große Mehrheit der Menschen in den Camps ist auf der Durchreise. „Die Geflüchteten wurden von Schleppern nach Izmir gebracht, um von den Stränden um Cesme herum auf einem Schlauchboot nach Europa, ins griechische Chios oder Lesbos, überzusetzen,“ berichtet Weber. Es erwarte sie jedoch der Tod auf See, ein Flüchtlingslager in Moria oder die erneute Abschiebung. „Das sind keine Perspektiven.“

Wichtig seien Gespräche und aufklärende Argumente, um die Menschen davon abzuhalten, sich auf den Weg zu den Inseln machen. Nicht zuletzt dafür ist Claus-Peter Reisch mit an Bord: um das Leid auf See zu verringern – oder besser gar nicht erst entstehen zu lassen. „Eine solche Flucht ist hochgradig gefährlich und endet oft tödlich, wie die über 1.400 Toten im letzten Jahr leider belegen“, sagt der Seenotretter. „Und wenn die Menschen auf den Inseln aufschlagen, geht es ihnen meist eher schlechter als besser.“ Auch in den griechischen Lagern herrschten unmenschliche Bedingungen und fehlende Pers­pektiven. „Dort angekommen, sind die Menschen in die Falle getappt“, sagt er. Sie befinden sich in einer Sackgasse, kommen weder vor noch zurück.“

Um langfristige Perspektiven aufzuzeigen, möchte LandsAid den Menschen mit einem Weiterbildungsprojekt helfen, sich im Textilbereich selbstständig zu machen. Weber: „Sie lernen das Handwerk und andere wichtige Fähigkeiten, etwa in der Buchhaltung oder dem Marketing.“ So entkämen sie der Dauerhilfe durch andere und können sich und ihren Familien ein neues Leben geben“. Dabei werden sie mit Mikro­krediten unterstützt. Zudem ist ein Verkauf der Produkte in Deutschland durch verschiedene Partner möglich.

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