Die Jugend gibt Landsberg gute Noten

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Jugendzentrumsleiter Matthias Faber stellte bei der Jugendzukunftskonferenz die Ergebnisse der Jugendbefragung vor.

Landsberg – 181 von 2.491 jungen Einwohnern aus der Kernstadt und ihren Ortsteilen haben sich an der Online-Jugendbefragung beteiligt, die das Team des Strategieprojekts „Landsberg 2035“ im Februar durchgeführt hat. Die Beteiligungsquote von 7,3 Prozent in der Zielgruppe der 14- bis 21-jährigen Landsberger liegt über den Erwartungen. Darüber hinaus meldeten sich 84 Jugendliche zu Wort, die nicht in der Lechstadt wohnen. Der Leiter des Jugendzentrums, Matthias Faber, stellte die Ergebnisse am Sonntag bei der „Jugend-Zukunftskonferenz“ vor.

Ähnlich wie bei der Befragung der Erwachsenen im Herbst vergangenen Jahres (an der nur wenige Jugendliche teilnahmen) sind junge Menschen mit ihrem Leben in Landsberg zu 90 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden. 83 Prozent können sich vorstellen, auch ihre Zukunft hier zu verbringen. 15 Prozent wünschen sich das ausdrücklich; weitere 11 Prozent wollen im Landkreis, weitere 34 Prozent in Bayern bleiben. Die Zahlen zeigen: Auch die 45 Prozent „Zugereisten“ sind hier angekommen. Das gilt ebenfalls für die 20 Prozent der Teilnehmer, die einen Migrationshintergrund haben, aber die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Jugendliche mit anderer Staatsangehörigkeit erreichte die Umfrage praktisch nicht.

Was halten die Jugendlichen von Landsberg? Die Stadt ist „sauber und gepflegt“ (89 Prozent), fußgängerfreundlich (82 %), umweltfreundlich (70 %), „modern und aufgeschlossen“ (59 %) sowie jugendfreundlich (55 %), aber etwas zu teuer (53 Prozent). Mit den Schulen sind 82 Prozent zufrieden. 78 Prozent halten die Einkaufsmöglichkeiten in der Gesamtstadt für gut, 64 Prozent bejahen das auch für die Altstadt, allerdings nur 51 Prozent für ihr Wohngebiet.

Wenn sie nicht zuhause sind, verbringen die Jugendlichen ihre Zeit bei Freunden (76 %), in der Innenstadt (50 %) oder am Lech (43 %). Jeder Dritte besucht Orte, die Eintritt kosten; jeder Fünfte geht ins Inselbad. 70 Prozent betätigen sich sportlich, 38 Prozent musisch (Musik, Tanz, Medien, Kunst), 23 Prozent religiös. Jeder Fünfte engagiert sich als Klassen- oder Schulsprecher. 22 Prozent sind als Betreuer, Trainer oder Jugendleiter aktiv.

Wie kommen die Jugendlichen zu diesen Aktivitäten? Nur ein Drittel nimmt häufig den Bus. Jeder Zweite vertraut auf „Taxi Mama/Papa“. 83 Prozent sind oft zu Fuß, 69 Prozent oft mit dem Fahrrad unterwegs. Interessant: Das Anrufsammeltaxi nimmt so gut wie niemand in Anspruch. Obwohl 59 Prozent angeben, die Stadt sei fahrradfreundlich, sind nur 49 Prozent mit den Radwegen zufrieden.

Viel Alkohol

Die Aussage „Hier fühle ich mich sicher“ unterstreichen 87 Prozent, 83 Prozent erkennen an: „Hier darf ich so sein und aussehen wie ich möchte“. Gewalt und Mobbing sind eher kein Problem (das bejahen nur 18 Prozent), aber: „Die Jugendlichen konsumieren viel Alkohol“ (sagen 62 Prozent) und Drogen (sagen 44 Prozent). Es gibt zu wenig öffentliches WLAN in der Stadt (meinen 68 Prozent); die Internetgeschwindigkeit halten 55 Prozent nicht für ausreichend.

Über Aktivitäten in der Stadt informieren sich 72 Prozent durch Freunde und Bekannte, 52 Prozent in der Schule, ebenso viele in ihrer Familie. Erstaunlich ist: Facebook, Instagram und Snapchat spielen mit 33 Prozent nur eine untergeordnete Rolle und liegen mit den Zeitungen gleichauf.

Besondere Läden

Die Umfrage enthielt auch mehrere Möglichkeiten, freie Texte einzugeben; davon machten die Teilnehmer intensiv Gebrauch. Die Jugendlichen wünschen sich mehr Geschäfte für „moderne und jugendgerechte Bekleidung“. Sie wollen „besondere Läden“ für den kleinen und mittleren Geldbeutel. Genannt werden forever21, Zara, Primark, pimkie, Hollister, Victoria Secret, Nike Store und NewYorker. Abgelehnt werden „Billig-Krimskrams“ und „Altbackenes“: „Vögele, C&A und sowas“. Auf jeden Fall gebe es in der Altstadt zu viele Banken, Versicherungen und Handy-Läden. Manche sind allerdings weniger anspruchsvoll: „In Erpfting wäre es schön, überhaupt einen Laden zu haben“.

Zweiter Wunsch: Die Jugendlichen hätten gerne „moderneres Essen“ und Fastfood. Starbucks, Subway, Japaner, Koreaner, Kentucky Fried Chicken, McDonalds in der Innenstadt, ein Internetcafé, BubbleTea, FrozenYogurt. Dritter Wunsch: Clubs für Jugendliche, „die verschiedene Musikgeschmäcker abdecken“ und eine Disco (ab 18 Jahren).

Das (durchaus erstaunliche) Fazit: Die Jugendlichen, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind mit Landsberg zufrieden, lieben ihre bayerische Heimat (sowie ihre Stadtjugendkapelle, was oft erwähnt wurde) und verbringen ihre Freizeit ziemlich sinnvoll. Sie bedanken sich sogar ausdrücklich für die Umfrage und loben die Organisatoren: „Ihr seid echt cool“. Beobachter wundern sich – aber es gibt keinen Anlass für Zweifel an der Validität der Ergebnisse. Vielen Jugendlichen scheint die Mitwirkung an der Befragung ein Bedürfnis gewesen zu sein; 45 Prozent verzichteten sogar auf die Teilnahme an der Verlosung von Kinogutscheinen.

Allerdings wird in den Antworten auch geschimpft. Wir lesen: Das Jugendzentrum in der Spöttinger Straße ist nicht attraktiv genug, die Bücher in der Stadtbücherei sind „seit Jahren die gleichen“, „das Kino“ müsste mo­derner sein, es gibt keinen vernünftigen Raum für den Abiball, die LED-Leuchtstreifen am Hauptplatz funktionieren nicht, die Polizei kontrolliert zu oft am Lech und „der Stadtrat ist ne Katastrophe“.

Werner Lauff

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