"Auftrag und Verpflichtung" für den OB

Landsberg 2035: Gesamtstrategie liegt als Broschüre vor

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Drei der Mitwirkenden am Projekt Landsberg 2035. Pia (links) und Laura, die den Spielplätzen der Stadt gute Noten gaben, mit Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU).

Landsberg – Stadtrat und Verwaltung haben das Projekt „Unser Landsberg 2035“ offiziell abgeschlossen. Bei einer Feierstunde im Historischen Rathaus bedankte sich Oberbürgermeister Mathias Neuner bei allen Mitwirkenden, insbesondere den Bürgern und Vertretern aus Unternehmen. Die Veranstaltung vermittelte noch einmal einen realistischen Rückblick auf die geleistete Arbeit. Beschönigt wurde nichts, aber die Begeisterung war unverändert spürbar.

Titelblatt der 105-seitigen „Kommunalen Gesamtstrategie der Stadt Landsberg am Lech“

Zum Schluss wurde es fast ein wenig indiskret. Neuner, der an diesem Abend als Moderator fungierte, befragte die Projektleiter Ulrike Degenhart (intern) und Ralf Stappen (extern) nach ihren Eindrücken. Während Stappen die Komplexität des Projekts betonte - „es wurde immer schwieriger“ - und eine gewisse „Unstrukturiertheit“ der Verwaltung hervorhob, plauderte Degenhart aus, dass ihr Pendant ganz oft Druck benötige - „ohne Strenge geht bei ihm nichts“.

Dieser eher amüsante Dialog unterstrich vor allem eines: Die Erleichterung aller Beteiligten, dass der Strategieprozess „Unser Landsberg 2035“ wirklich zu einer „Kommunalen Gesamtstrategie der Stadt Landsberg am Lech“ geführt hat. Und diese Strategie ist nicht nur ein unverbindliches Papier. Sie soll „die politische Diskussion nicht einschränken“ (Neuner), aber permanent „begleiten“. „Das Strategiepapier ist der Maßstab der Bürger an den Stadtrat“, definierte Neuner, „es ist Auftrag und Verpflichtung zugleich“. Der OB ist überzeugt: „Städte mit Strategie stehen besser da.“ Früher habe es in Landsberg sich widersprechende Beschlüsse gegeben. Das soll nicht wieder vorkommen.

Fast 100 Veranstaltungen, fünf Bürgerbefragungen, drei Stadtratsklausuren – tatsächlich war „Landsberg 2035“ ein Mammutprojekt, wie es sonst kaum stattfindet. Darauf wurden auch der Freistaat und die Regierung von Oberbayern aufmerksam, deren Vertreter an der Feierstunde teilnahmen. Dabei geht es nicht zuletzt um Mittel zur Städtebauförderung. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen: Landsberg hat mit einer derart sorgfältig erstellten Strategie bessere Karten, Fördermittel zu bekommen, als Städte und Gemeinden, die sie ad hoc beantragen.

Noch nicht beendet

Das Projekt „Landsberg 2035“ ist noch nicht beendet. Aus den Zielen sind nun die einzelnen Schritte abzuleiten. „Jetzt wird die Steuerung aktiviert“, formulierte Neuner plakativ, „dann bekommen Sie auch Ihr Honorar“, scherzte er in Richtung Stappen. Kämmerer Peter Jung vermittelt das Sicherheit; er weiß nun, was auf ihn und die Stadtfinanzen bei Haushaltsberatungen zukommt.

Auch Stadtbaumeisterin Birgit Weber, „noch relativ neu in Landsberg“ (meint Neuner), „gefühlt schon ziemlich lange hier“ (meint sie), gibt die Strategie Orientierung. Weber hob bei der Veranstaltung in einer verblüffend einfachen Rechnung hervor, was ein Quadratmeter Wohnung eigentlich kosten dürfte. Demnächst werde die Stadt erstmals die SoBoN-Ernte einfahren; auf einer Website der Verwaltung werde es Hinweise auf günstige Wohnungen geben, die entsprechend der Richtlinie zur „Sozialen Bodennutzung“ entstanden sind. Nächster Schritt in bauplanungsrechtlicher Hinsicht ist der Flächennutzungsplan, der auch einen Verkehrsentwicklungsplan umfasst.

Ähnlich wie Ulrike Degenhart nahm auch die Abteilungsleiterin Kultur der Stadtverwaltung, Claudia Flörke, kein Blatt vor den Mund. „Es war ein Geraufe“. Besonders im Bereich Kultur „wurde viel hinterfragt“. Auch die Sprache „wurde immer brachialer“. Mit dem Ergebnis sei sie aber sehr zufrieden. „Kultur ist kein Ornament, sondern Basis unserer Gesellschaft“, formulierte sie. Kultur sei, so habe auch der Deutsche Städtetag gerade konstatiert, „eine Investition in uns alle“.

Dr. Rainer Kolke, in Landsberg ansässiger Leiter „Test und Technik“ des ADAC, betonte, dass die Stadt die Chance habe, „Modellstadt für intelligente Mobilität“ zu werden, und zwar gerade deswegen, weil sie als Große Kreisstadt ein ländliches Umfeld habe. Man könne die neue Mobilität nicht nur in Großstädten testen. Die Richtung für Landsberg sieht er vorgezeichnet: „Kurze Wege müssen wir ohne Auto zurücklegen. Wir brauchen Wohnungen, wo auch der Arbeitsplatz ist.“ Landsberg 2035 ist für ihn ein erfreuliches Erlebnis: „Da haben ADAC (Auto) und ADFC (Fahrrad) einträchtig miteinander diskutiert“. Generell gelte: „Niemand hat den anderen niedergemacht“; „das war ein gutes Projekt“.

Selbstbewusste Dörfer

Mathias Neuner hatte neben der Kombination Stappen/Degenhart und den Vertretern der Handlungsfelder noch eine weitere Diskussionsrunde angesetzt; sie bestand aus den Repräsentanten der vier Dörfer, die zu Landsberg gehören. Für sie war das Projekt „Landsberg 2035“ ein Startschuss zu neuem Selbstbewusstsein.

Das Treffen von Vertretern der Ortsteile hat erkennbar nachhaltige Wirkung hervorgerufen. Sie haben nicht nur ein gemeinsames Konzept formuliert, sondern treffen sich nun regelmäßig und regen sogar eine jährliche „Spezialsitzung“ des Stadtrats in Sachen Dörfer an – ein ungeahnter Fortschritt.

Ob die Ortsteile ihre kostenintensiven „Wunschlisten“ denn schon reduziert hätten, wollte Neuner in der Diskussion von Tobias Schmid (ehemals Ellighofen) wissen. „Haben wir nicht“ ließ Schmid den Oberbürgermeister wissen und brachte erneut den Vorschlag eines durchgängigen Radwegs von Ellighofen über Pitzling und Reisch in die Kernstadt und weiter nach Erpfting ins Gespräch.

Das ist für „Landsberg 2035“ symptomatisch, oder besser typisch: Der Prozess hat Energien geweckt, die nicht wieder abschaltbar sind. Mag er auch zwischendurch gehakt haben, was die Stadtverwaltung durchaus bemerkte: Die Kraft, die in dem Projekt steckt, war unzerstörbar. Dass eine komplexe Stadt mit einer anspruchsvollen Bevölkerung das Verfahren fast ohne Verwerfungen zu Ende bringt, ist, so die Beteiligten, ein Glücksfall. Er hat Landsberg nach vorne gebracht. 

Werner Lauff

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