Enge als Ausrede für Zudringlichkeit

Landsberg: 27-Jähriger wegen sexueller Belästigung zu Geldstrafe verurteilt

PantherMedia 3742345
+
Vor der Amtsgericht Landsberg wurde ein 27-jähriger Filialleiter eines Landsberger Geschäfts wegen sexueller Belästigung verurteilt.

Landsberg – Sexuelle Belästigung und Nötigung lauteten die Vorwürfe, mit denen sich ein 27-Jähriger vor dem Amtsgericht konfrontiert sah. Der Mann hatte laut Anklageschrift als Filialleiter eines Geschäfts in Landsberg zwei Kolleginnen wiederholt begrapscht.

Für eine 24-jährige Verkäuferin begannen die sexuellen Belästigungen direkt an ihrem ersten Arbeitstag in dem Landsberger Geschäft im März dieses Jahres. „Er hat viel körperliche Nähe gesucht und mich immer mal wieder angefasst“, berichtete die Verkäuferin im Zeugenstand. Da sie zum Start im neuen Job einen guten Eindruck machten wollte, wehrte sie die Annäherungen zunächst nur „mit einem Lachen“ ab.

Der folgende Tag war der Beginn des Corona-Lockdowns, der Laden war geschlossen und die Verkäuferin mit dem Angeklagten allein. Als beide im Büro Bestellungen machten, habe der 27-jährige Filialleiter ihren Stuhl zu sich herangezogen und in ihren Haaren „herumgefummelt“, so die Geschädigte. Weitere Belästigungen folgten. „Ich habe ihn angeschrien, dass er das lassen soll, aber er hat mich überhaupt nicht ernst genommen. Ich bin mir vorgekommen wie ein Spielzeug.“

Im engen Lagerraum des Geschäfts spitzte die Situation sich endgültig zu. Dort soll der Angeklagte sich auf eine Heizung gesetzt und die 24-Jährige zu sich herangezogen haben. Erst als er merkte, dass sie zitterte und Tränen in den Augen hatte, ließ er sie los und folgte auch ihrem Wunsch, die Tür aufzuschließen und sie aus dem Geschäft zu lassen. Draußen rief die Frau weinend den nächsthöheren Vorgesetzten an.

Eine 20-Jährige hatte in den Monaten zuvor Ähnliches erlebt. Der Angeklagte habe jede Gelegenheit zu Berührungen genutzt. Sie habe sich nicht getraut, etwas zu ihm zu sagen, habe aber „körperlich signalisiert, dass ich das nicht wollte“. Zuletzt bat sie sogar einen Freund, in den Laden zu kommen und dort stundenlang auf sie zu warten.

Der Angeklagte bestritt jegliche sexuellen Absichten. Zu den Berührungen sei es immer nur zufällig gekommen, da das Geschäft klein und vor allem das Lager sehr eng sei. Dies bestätigte zwar der ermittelnde Polizeibeamte – er hatte den Lagerraum vermessen und festgestellt, dass der Durchgang an der schmalsten Stelle weniger als 50 Zentimeter betrug. Doch der Beamte berichtete auch, dass die 24-jährige Geschädigte beim Ortstermin Beklemmungen bekommen habe. „Sie fing an zu weinen und musste hinausgehen.“

Weder die Anklagevertreterin Julia Ehlert noch die Richterin Beate Kreller zweifelten an der Glaubwürdigkeit der Zeuginnen. Die bereits per Strafbefehl verhängte Geldstrafe von 130 Tagessätzen werde „sicher nicht besser“, so Kreller an die Adresse des Angeklagten. Die Staatsanwältin dachte sogar laut darüber nach, „ob es nicht eher in Richtung Bewährungsstrafe gehen sollte“.

Verteidiger Peter Amend überzeugte daraufhin seinen Mandanten, den Einspruch gegen den Strafbefehl auf die Höhe der Tagessätze zu beschränken. Diese wurde denn auch auf 15 Euro reduziert, da der 27-Jährige fristlos entlassen wurde, derzeit arbeitslos ist und von 450 Euro im Monat lebt.

Künftig wird das Budget noch enger. Seine Geldstrafe beträgt 1950 Euro – er darf sie in Raten abstottern.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona im Landkreis Landsberg: Kontaktverfolgung im Griff
Corona im Landkreis Landsberg: Kontaktverfolgung im Griff
Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Landsberg: Wie die Schule bei der Wahl des Ausbildungsplatzes hilft
Landsberg: Wie die Schule bei der Wahl des Ausbildungsplatzes hilft
Kauferinger Arzt Kron mit Kind auf Berlin-Demo
Kauferinger Arzt Kron mit Kind auf Berlin-Demo

Kommentare