Entstanden im Lockdown

Landsberg: Ausstellung »Flowers« zeigt Werke von 32 Künstlern

Installation „Auf Tauchgang“ von Nue Ammann,  hinten, an der Wand,  Bert Praxenthalers „Blume“, eine Drahtgitterplastik.
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Installation „Auf Tauchgang“ von Nue Ammann, kombiniert mit Bert Praxenthalers „Blume“, einer Drahtgitterplastik.

Landsberg – „Blumen sprechen lassen“ oder „etwas durch die Blume sagen“ – so heißt es oft. Genau das macht der Galerie­verein Landsberg in seiner Ausstellung „Flowers“, die seit Samstag in der Zederpassage zu sehen ist. Und möchte damit, gemeinsam mit 32 beteiligten Künstlern, den schwierigen Zeiten symbolhaft etwas entgegensetzen. 

„Es war eine spontane Idee, die Ausstellung gerade jetzt umzusetzen,“ sagt Silvia Großkopf, Vorsitzende des Galerievereins Landsberg. Viele Menschen seien ausgehungert nach Kunst und Kultur. „Daher möchten wir, als gemeinnütziger Verein, sowohl Kunstschaffenden als auch Kunstinteressierten etwas bieten.“ Den regionalen und überregionalen Künstlern die Möglichkeit, ein „Lebenszeichen von sich zu geben“. Gleichzeitig dem Publikum eine corona­konforme Maßnahme, Kunst erleben zu können. Das Thema, wie der Titel der Ausstellung: „Flowers“ – Blumen. „Gerade zum Jahresbeginn möchten wir ein gutes Zeichen setzen,“ sagt Großkopf. Blumen verbinde man meist mit Frühling, mit Erwachen, mit Optimismus.

32 Künstler haben die Möglichkeit genutzt und beteiligen sich an der Ausstellung. Dem voraus gingen Einladungen an den Regionalverband Bildender Künstler, die Künstlergilde, den Kunstverein sowie an zahlreiche nicht organisierte Künstler aus dem Raum Landsberg, München und Umgebung, sich in ein bis drei Arbeiten vom Thema inspi­rieren zu lassen. Zeit für ihren „blumigen Beitrag“ hatten sie nur drei Wochen. Dabei gab es gewisse Vorgaben zu erfüllen: die Themengebundenheit , ein Maß von 60 x 50 Zentimetern sowie die Aktualität der Werke. „Dieser Bezug auf die aktuelle Situation war uns wichtig“, so Großkopf. Gerade der Januar sei ein extrem schwieriger Monat gewesen – auch wegen all der Erwartungen, die ins neue Jahr gesetzt, aber nicht erfüllt worden seien. Unter dem Eindruck des Corona-Lockdowns sei es zu sehr persönlichen und emotionalen Arbeiten gekommen.

Knackig: Anfang Januar Versand der Einladungen, 1. Februar Abgabeschluss der Werke. 6. Februar Ausstellungsbeginn. Mit sämtlichen Werken der beteiligten Künstler. „Sogar wenn es mehr gewesen wären,“ hätten wir alle Arbeiten aufgenommen,“ erklärt Großkopf. „Wir hätten sie eben nach einer gewissen Zeit ausgetauscht.“

Silvia Großkopf mit Axel Wagners „Flower Power“: Eine Amaryllis durchbricht die Leinwand – und wächst täglich.

Blumen in allen Kunstrichtungen und -techniken sowie in verschiedensten Materialien gibt es zu sehen – ob Collage, Acryl auf Leinwand oder Karton, Aquarell, Sprühtechnik auf Stoffen, Assemblage, Fotocollage, Scannografie, Linoldruck, Wandobjekt oder Installation. Mit unterschiedlichsten Botschaften. Manchmal schon im Titel beinhaltet, manchmal den Bildern zu entnehmen. „Lebensblüte“ nennt etwa die Landsberger Künstlerin Katharina Schellenberger ihre Arbeiten. Zweifarbige Linoldrucke mit Zeichnungen, die bei genauer Betrachtung erkennen lassen: Die Blüten tragen Babies in sich. Entstehung von (neuem) Leben. Im Werk von Helmuth Hager aus Raisting ist das Florale auf das Kraftvolle bezogen: „Red Flower Red Power“. Lasierte Holzsegemente in knalligem Rot. Wie immer bei Hager eine reduzierte Kunst. Eine Knospe kommt kraftvoll aus dem Boden. Ein Zeichen der Hoffnung? Gleich zwei, völlig unterschiedliche, Arbeiten tragen den Titel ‚Kopf hoch‘. Es geht weiter, es wird auch wieder anders.

In ungewöhnlichen Zeiten unge­wöhnliche Wege einschlagen. Das war das Motto der Einladung. Manchmal sei gerade die Themengebundenheit eine Chance, hier neue Wege zu gehen, meint Großkopf. Und die könnten interessant sein. Wie bei der Landsberger Künstlerin Gislinde Schröter, die sich erstmalig dem Thema Pflanzen oder Blumen widmet. In ihren Assemblagen beraubt sie Alltagsgegenstände ihrem Zweck und führt sie gestalterisch zu einer neuen Ganzheit: Ein Teil des Kleiderbügels wird zur Blüte. Dennoch sei es nicht nur die Art es Materials, sondern vielmehr die entstehenden Formen und Farben das, was das Bild ausmache, meint Großkopf.

Wie immer bei den Ausstellungen des Galerievereins ist die Komposition ein wichtiges Thema: „Jedes Werk soll bestmöglich zur Geltung gebracht und die Intention des Künstlers transportiert werden,“ erklärt Großkopf. Bei so vielen Künstlern und in der Kürze der Zeit eine Herausforderung. Man müsse versuchen, die besten Bezugspunkte zu finden. Die seien je nach Raum unterschiedlich, entstehen würden sie erst durch die Hängung.

Die Ausstellung „Flowers“ läuft bis zum 9. April. In etwas anderer Form: Jeder, der die Zedernpassage passiert, kann die Werke, deren Emotionen und ganz besondere Energie durch die Ausstellungsfenster auf sich wirken lassen. Weitere Infos, auch zu den beteiligten Künstlern, unter www.galervieverein.de.
Andrea Schmelzle

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