Spatenstich bei Veit

Veit investiert – und beseitigt erstmal Blei

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Symbolische Grundsteinlegung: Die Führungsmannschaft und die Verantwortlichen für den Neubau von Veit.

Landsberg – Das hatten sich Günter und Christopher Veit anders vorgestellt. 1986 kaufte ihr Unternehmen, ohne einen Hinweis auf Altlasten zu erhalten, von der Stadt ein 14.000 Quadratmeter großes Erweiterungsgrundstück hinter ihrem Firmengebäude an der Justus-von-Liebig-Straße. Erst viel später konnte man aus dem BayernAtlas ersehen, dass dort einmal ein Schießstand der Wehrmacht stand. Aktuelle Bodenproben machten das Ausmaß der Verunreinigung deutlich. Die Beseitigung der Bleirückstände kostet den Maschinenbauer aus dem Bereich Bekleidung rund eine dreiviertel Million Euro. Das erzwingt eine Reduzierung des Bauvolumens.

Es hätte eine wegweisende Erweiterung sein können: Vater und Sohn Veit wollten die Blechverarbeitung ausdehnen, das Ausbildungszentrum großzügiger gestalten und Teile des Lagers in das neue Gebäude umsiedeln, um die Qualität der Arbeitsplätze zu steigern. Letzteres ist nun aus finanziellen Gründen bis auf Weiteres nicht mehr möglich. Ob über die jetzige Bauphase hinaus weiter gebaut wird, ist unklar. Das hängt zum einen vom Wachstum und der Ertragslage ab. Außerdem: „Die Anforderungen an die Entsorgung werden immer höher. Vielleicht können wir in fünf Jahren da gar nicht mehr bauen“, sagte Christopher Veit bei einer symbolischen Grundsteinlegung.

„Wer in der Wirtschaft etwas verkauft, muss das normalerweise mangelfrei tun“, merkte Günter Veit an. Aber das Unternehmen habe gar nicht erst versucht, von der Stadt Schadenersatz zu verlangen: „Die Sache ist verjährt. Und außerdem arbeiten wir gut mit Stadtrat und Verwaltung zusammen“. Es bleibe daher dabei: „Wir bekennen uns mit dem Anbau zum Standort Landsberg und zum Standort Deutschland, wenn uns diese Entscheidung auch nicht immer leicht gemacht wird.“ Beispielsweise sei offenbar nicht vorgesehen, dass der Bund zur Beseitigung der militärischen Altlasten beiträgt. Der Staat habe sie verursacht, die mittelständische Wirtschaft müsse sie entsorgen – „das ist ungerecht“.

Alternative China

Eine Alternative hätte es durchaus gegeben: Veit hat auch ein Werk in China; das hätte man aufstocken können. Schon die Baukosten wären viel niedriger. Außerdem könne man dort preiswerter produzieren. Allerdings entstehe in Landsberg bessere und stetige Qualität. „Das liegt vor allem an der Ausbildung der Arbeitnehmer“. Als es darum ging, ein übernommenes Werk in Aschaffenburg sozialverträglich zu schließen und 30 Arbeitsplätze zu transferieren, habe man sich daher für Landsberg entschieden. Das Gesamtvolumen der Investitionen betrage 6,5 Millionen Euro.

Ein weiterer Standortvorteil: Von Landsberg aus kann Veit mit dem Knowhow seiner Mitarbeiter permanent an Inno­vationen arbeiten. Das Unternehmen stelle beispielsweise Maschinen als „Service“ zur Verfügung; bezahlt wird nach der Menge der damit gebügel­ten Kleidungsstücke. Auch sehe man im Aufbereiten gebrauchter Kleidung eine große Chance – „nicht nur wegen der vielen Retouren, sondern auch weil Menschen inzwischen gebrauchte Sachen weitergeben möchten“, so Christopher Veit. Großes Ziel des Unternehmens sei es, in dem „verschwenderischen“ Sektor der Textilien mehr Nachhaltigkeit zu schaffen – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Dafür bekommt Veit viel Anerkennung. Auch in Landsberg gab es neulich Lob. Als auf dem Neubau-Grundstück Eidechsen entdeckt wurden, baute Veit, weit über das Erforderliche hinaus, ein Eidechsen-Habitat am Grundstücksrand. Das gefiel dem Landratsamt. Die zuständige Mitarbeiterin bescheinigte: „Ihre Habitate sind so schön, dass wir sie mit Schulklassen besichtigen werden“.

Werner Lauff

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