Landsberg begeistert Christian Ude

Hatten sich auch nach dem Impulsvortrag „Ist Größe ein Ziel?“ im Rathausfestsaal viel zu erzählen (von links): Edith von Welser-Ude, OB Christian Ude, OB Ingo Lehmann und Stadtbaumeisterin Annegret Michler. Foto: StLL/Kurz

Wo soll es mit der Stadt Landsberg in den kommenden Jahren hingehen? Die kommunalen Verantwortungsträger wollen das nicht alleine entscheiden und wagen den ganz großen Wurf. An zwei Abenden in der vergangenen Woche organisierte man für die interessierten Bürger einen Vortrag, eine Podiumsdiskussion mit hochkompetenten Teilnehmern und mehrere moderierte Workshops, in denen Stärken, Schwächen und Ziele herausgearbeitet wurde.

Den Anfang machte ein Redner, der passender nicht hätte gewählt werden können: Christian Ude. Der Münchener Oberbürgermeister und stellvertretende Vorsitzender des Deut­- schen Städtetages, nahm sich viel Zeit für seinen Vortrag, in dem er geschickt die Entwicklung Münchens mit Lob und einer verdeckten Forderung an die Stadt Landsberg verband. „Ist Größe ein Ziel?“ lautete die Fragestellung des Abends. Nicht unberechtigt, wenn man das Wachstum in Landsberg in den vergangenen Jahren betrachtet. Die Antwort allerdings, das machte Ude klar, ist komplex. Unkontrolliertes Wachstum, wie „in einigen Megacitys in Südamerika und China“ mit allen bekannten negativen Begleiterscheinungen sei eine „Horror-Vorstellung“. Daraus aber den Wunsch zum Schrumpfen abzuleiten, sei ebenso falsch. „Das sogenannte Gesundschrumpfen ist so lustig nicht“, mahnte er. „Unsere oberbayerische Sicht auf dieses Thema ist für viele Kommunen in anderen Teilen der Republik nicht wirklich nachvollziehbar. Da werden Kindergärten, Bäder und Schulen geschlossen, Neubauten werden abgerissen, weil die jungen qualifizierten Einwohner gehen und ihre Chancen woanders suchen. Schrumpfung geht mit einer Negativspirale bei vielen Themen einher, an die man gar nicht denkt.“ Die Antwort auf die Frage nach dem Wachstum sei demnach „wie so oft: Es kommt darauf an. Wo fangen die Stress­- phänomene an, die Chancen durch das Wachstum zu überwiegen?“ Dass Landsberg wachsen wird, ist nach Udes Informationen aber ohnehin klar. „Es gibt nicht viele Städte, denen in Deutschland bis 2030 noch deutliches Wachstum vorhergesagt wird. München gehört mit neun Prozent dazu, aber für Landsberg sind es sogar 18 Prozent.“ Flächen umnutzen Dass das große Auswirkungen auf den großen und den kleinen Partner haben wird, ist angesichts der hohen Landsberger Auspendlerquote nach München und der räumlichen Nähe offensichtlich. „Wir konnten das bisherige Wachstum nur durch die massive Umnutzung von Flächen bewältigen. Wir waren Ende der 80er Jahre schon an der Grenze, wir haben 30 Jahre Aufschub erhalten, aber so ein Umnutzungswunder wird es nicht wieder geben.“ Übernahmeängste muss man dabei in Landsberg nach Udes Auskunft aber nicht haben. „Im Gegensatz zu Städten wie Köln, die ausufernd eingemeindet haben, ist die Stadt München nach dem zweiten Weltkrieg um keinen Quadratmeter mehr gewachsen. Ich persönlich habe auch lieber eine eigenständige Kommune, die ihre eigenen Entscheidungen trifft als eine Vorstadt, in der die Großstadt dann nach Belieben Entscheidungen durchsetzt.“ Mit dieser Bestandsgarantie für Landsberg war allerdings auch ein Aufruf verbunden. Christian Ude: „Wir brauchen ein Regionalbewusstsein. Die Großregion München muss weltweit wahrgenommen werden, da ist Zusammenarbeit gefragt und ich freue mich sehr über jeden eigenständigen Vorort, der Impulse in eine gemeinsame Strategie einbringt.“ Die Herausforderungen seien mannigfach. „Wir werden bunter, nicht nur was die Herkunft, sondern auch was die Lebensentwürfe angeht. Die soziale Spaltung wird größer, es wird immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse und gleichzeitig aberwitzige Gehälter und Globalisierungsgewinner und -verlierer geben.“ Zum Wachstum gab der Sozialdemokrat zum Schluss dennoch ein klares Bekenntnis ab. „Wir müssen sehen, dass wir nicht die Qualitäten opfern. Aber ohne Wachstum werden die Kommunen den sozialen Ausgleich garantiert nicht finanzieren können.“ Dass die Stadt Landsberg mit dem aktuellen Vorgehen immerhin einen guten Weg beschritten hat, betonte er ausdrücklich mit einem großen Lob. „Sie sollten zwar aufpassen, dass sie nicht zum Schluss 70 verschiedene Wünsche, bei denen jedem alles versprochen wird, als Ergebnis haben. Zielkonflikte müssen frühzeitig und klar benannt werden“, so Christian Ude.„Aber ich muss Ihnen sagen, ich war in vielen, auch größeren Städten in der Metropolregion unterwegs. So einen kooperativ und gründlich eingeleiteten Prozess habe ich noch nie gesehen.“ Er sei auch sehr froh, dass das nicht nur ökonomisch gesehen, sondern viel breiter gefasst werde. Der Wunsch des Oberbürgermeisters: „Das sollte Vorbild für andere Städte werden.“

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