Kommunikation fehlgeschlagen

Landsberg: Beim Stammtisch der Bürgergruppe ULP gibt‘s Kritik

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Erster Vorsitzender Thomas-Andreas Frank (stehend) beim Stammtisch der Bürgergruppe ULP. Mit dabei auch ULP-Projektleiter Benjamin Johansson (2. v. l.), Pressesprecher von ehret + klein Stfan Kunzinger (2. v. r.) oder auch Stadtrat Leo lischka (1. v. l.)

Landsberg – Kulturbau, Verkehr, Namensgebung: Worte, die den Wut- oder Begeisterungspegel vieler Landsberger bei „Urbanes Leben am Papierbach“ (ULP) steigen lassen. Die Projekte scheinen sich ständig zu wandeln. Gebäude wachsen, schrumpfen, es wird teurer, Ideen werden verworfen. Ein einheitlicher Wissenstand bei allen Beteiligten tut Not. Um den zu erreichen, hat die „Bürgergruppe ULP“ vom Verein Bürgerbeteiligung Landsberg gemeinsam mit Investor ehret + klein einen Stammtisch einberufen. Um „aus erster Hand über Optionen, Alternativen und Lösungsansätze“ informiert zu werden, ist in der Einladung zu lesen. Der Abend am vergangenen Mittwoch mit 15 Teilnehmern zeigte vor allem eines: Es mangelt an Kommunikation.

Die Stadt habe die Bürgergruppe „von der Information abgenabelt“, sagt Vereinsvorsitzender Thomas-Andreas Frank. Und meint damit die frühere Position als Vermittler zwischen Investor und Bürgern, in die die Gruppe von der Stadt eingesetzt worden war. Die damalige Funktion habe die Gruppe „engagiert und sehr gut“ ausgeübt, teilt Mitarbeiterin der Stadtpresse Simone Sedl­mair auf Anfrage des KREISBOTEN per E-Mail mit. Dass jedoch momentan das Verhältnis Bürgergruppe – Stadt nicht rosig ist, zeigt die weitere Antwort: „Aktuell besteht weder eine Lenkungsgruppe noch die Bürgergruppe ULP.“ Dass die Lenkungsgruppe aufgelöst sei, wisse man, so Frank. Über die Auflösung der Bürgergruppe sei man aber nicht informiert worden.

Was denn die Bürgergruppe legitimiere, für die Allgemeinheit zu sprechen, wollte Stadtrat Axel Flörke (Landsberger Mitte) wissen. „Die Gruppe ist ja wie Phönix aus der Asche auferstanden.“ Die Legitimation sah Frank in der früheren Position der Gruppe. Er werde das Gespräch mit Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl suchen.

Der erste Punkt des Abends, die Namensgebung der Gebäude im ULP, erntete Kritik: Es habe keinen Sinn, alte Bezeichnungen von nicht mehr existenten Gebäuden auf die neuen Bauten aufzudrücken. Ein Zitat hätte man architektonisch umsetzen müssen, so Kulturschaffender Wolfgang Hauck. „Ein Schild am Haus reicht nicht.“ Grünen-Stadtrat Leo Lischka: „Ich würde mir die Arbeit sparen.“

Beim Thema Kulturbau zeigte sich das Problem fehlende Kommunikation – auch seitens ehret + klein: Investor Michael Ehret fragte nach dem bestehenden Bedarf. Baulich könne man das umsetzen, was gewollt sei. „Aber am Ende muss den Bau die Kulturszene von Landsberg betreiben. Was kann vom 1. Januar bis zum 31. Dezember stattfinden?“ In der Bauplanung sei man viel weiter: „Die 21 Meter gibt es schon lang nicht mehr.“ Man halte sich an die vertraglichen Verpflichtungen. Aber „ein Mehrwert für die Stadt muss auch ein Mehrwert für ehret + klein sein“.

Beim Thema Mobilität sieht sich Ehret ebenfalls missverstanden. Man wolle nicht Parkplätze einsparen, wie das allgemein gesehen werde. Sondern den in Landsberg 2035 geforderten Zielen entsprechen – und nicht zwei Drittel der überirdischen Baufläche unterirdisch nachbauen, „für Blech“.

Warum diese Ideen nicht von ehret + klein kommuniziert wurde, fragten mehrere Stammtischbesucher. Man habe das bei Start des Wahlkampfs gestoppt, so Ehret. Auch, weil nicht klar war, wo die Reise politisch hingehe. Ehret räumte auch eigenes Versäumnis ein: „Aber wir haben eine steile Lernkurve.“ Ein weiteres Problem sehe er in der Weitergabe der Informationen von Stadtverwaltung an Stadtrat. „Wenn wir der Verwaltung das Mobilitätskonzept vorstellen, wer stellt es dem Stadtrat vor?“ Ehrets Ansicht nach sollte das die Verwaltung tun, wobei man gerne assistiere.

Jetzt wolle man das Bürgerforum reaktivieren. Der Workshop zum Kulturviertel sei ein gutes Mittel, um weiterzukommen. Allerdings halte er es für sinnvoll, dass die Teilnehmer vorab über die aktuelle Sachlage informiert würden: „Ich stehe für jedes Gespräch zur Verfügung.“
Susanne Greiner

Auch die Kommunikation am Stammtisch war wegen des Lärmpegels schwierig. Beim nächsten Mal (geplant ist in vier Wochen) werde man einen anderen Wochentag aussuchen und einen ruhigeren Treffpunkt wählen, so Frank. Er hoffe, dann auch die Stadtverwaltung an den Tisch zu bekommen – die an jenem Mittwoch zeitgleich im Finanzausschuss saß.

Ob das Format Bürgergruppe ULP in ihrer jetzigen Position gegenüber der Stadtverwaltung der richtige Initiator ist, bleibt allerdings fraglich.

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