Landesausstellung am Lech?

Räuber und Banditen in Landsberg

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Auch die geschichtsträchtige Justizvollzugsanstalt Landsberg dürfte eine Rolle in der Bayerischen Landesausstellung 2024 „Räuber und Banditen“ eine Rolle spielen, sofern die Stadt Landsberg den Zuschlag bekommt.

Landsberg – Die Stadt Landsberg will sich um die Ausrichtung der Bayerischen Landes­ausstellung 2024 bewerben. „Räuber und Banditen in Bayern“ lautet der Arbeitstitel für das Thema, das Museumsleiterin Sonia Fischer dem feder­führenden Haus der Bayerischen Geschichte vorgeschlagen hat. Es soll um historische Persönlichkeiten gehen, die als Gesetzesbrecher und Volkshelden bekannt wurden.

Davon hat Bayern einige zu bieten – zum Beispiel den Räuberhauptmann Matthias Klostermayr, der bekanntlich aus dem Lechtal stammte und als „Bayerischer Hiasl“ in die Annalen einging. Das Schicksal von Mathias Kneissl liefert noch über hundert Jahre nach seiner Hinrichtung Stoff für Filme und Bücher. Michael Heigl, der Räuber von Kaitersberg im Bayerischen Wald, wurde zum Volkshelden, nachdem er den Gendarmen mehrfach durch die Hilfe der Bevölkerung entwischt war.

Auch Frauen, die dem weiblichen Rollenbild ihrer Zeit nicht entsprachen, sollen Thema der Ausstellung sein – etwa die Künstlerin Anna Stainer-Knittel, die als „Geier-Wally“ bekannt wurde, und Agnes Bernauer aus Augsburg, die wegen einer unstandesgemäßen Verbindung mit dem bayerischen Herzog Albrecht III. von dessen Vater ertränkt wurde.

Kein Zweifel, das könnte spannend werden und auf breites Publikumsinteresse stoßen. „Geschichte anhand von Biografien zu erzählen, bietet die vielversprechende Chance, Besucher zu gewinnen – gerade bei einem Thema, das seinen Reiz aus der Ambivalenz von Verbrechen und Faszination, von historischer Authentizität und Legendenbildung bezieht“, heißt es in der Bewerbung der Stadt Landsberg.

Werbung für Landsberg

Man verspricht sich von der Ausstellung nicht nur einen kurzfristigen Effekt, sondern eine langfristige Stärkung des Kulturtourismus‘ und eine Steigerung von Landsbergs Bekanntheitsgrad. Dafür müsste man allerdings einiges an Geld in die Hand nehmen. Die Stadt müsste als regionaler Vertragspartner des Hauses der Bayerischen Geschichte die Ausstellungsräume im dann sanierten Neuen Stadtmuseum zur Verfügung stellen, für Werbemaßnahmen, Parkflächen, Personal, Sicherheitsdienst, Bewirtschaftungsflächen sowie ein Rahmenprogramm sorgen und zur Eröffnung einen Staatsakt mit rund 1.000 Gästen organisieren. Die Gesamtkosten werden mit 707.000 Euro veranschlagt.

175.000 Besucher?

Von den Eintrittsgeldern würden 30 Prozent an die Stadt und 70 Prozent an das Haus der Bayerischen Geschichte gehen. Bei angenommenen 175.000 Besuchern und Eintrittspreisen von etwa 6,50 bis 7 Euro würde die Stadt 350.000 Euro einnehmen. Allerdings hofft nicht nur Oberbürgermeister Mathias Neuner auf deutlich mehr Besucher als in der – eher konservativen – Schätzung. Zum Vergleich: Zur Landesausstellung 2011 auf Schloss Herrenchiemsee (Thema: Götterdämmerung, König Ludwig II und seine Zeit) kamen rund 570.000 Besucher.

Gleichwohl gibt es auch Negativbeispiele. Die letzte Ausstellung 2018 im Kloster Ettal (Thema: Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern) blieb mit 130.000 Besuchern deutlich hinter den Erwartungen zurück. Sie hatte allerdings laut Kreisrat Albert Thurner (SPD) eine schlechte Presse. Er habe keine Zweifel, dass Landsberg die angesetzten Besucherzahlen deutlich übertreffen werde.

Finanzielle Stütze

Das Thema beschäftigte den Kreisausschuss in seiner jüngsten Sitzung, weil die Stadt sich eine Beteiligung des Landkreises wünscht, sollte man am Ende auf einem Defizit sitzen bleiben. Schließlich wäre die Landesausstellung „für den gesamten Landkreis eine Bereicherung“, argumentierte OB Neuner. Er musste keine große Überzeugungsarbeit leisten – der Kreis­ausschuss votierte einstimmig für eine 50-prozentige Übernahme der Kosten, die nicht durch Einnahmen oder Zuwendungen gedeckt sind. Der Betrag wurde allerdings auf 150.000 Euro gedeckelt.

Rotts Bürgermeister Quirin Krötz (CSU) sah in der Landesausstellung „ein herausragendes Ereignis, das uns bekannter macht“. Bis dato falle vielen Menschen beim Stichwort Landsberg wenig mehr ein als die Festungshaft Adolf Hitlers, merkte Wilhelm Böhm an. Auch dieser Aspekt der Stadtgeschichte soll in der Ausstellung Thema sein.

Ulrike Osman

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