Winter- statt Biergarten

Denkmalschutz zieht den Kürzeren

Waitzinger Wiese Wintergarten
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Eigentlich ein denkmalgeschütztes Haus. Dennoch hat der Bauausschuss zugestimmt, dass der Biergarten zum Wintergarten umgebaut werden darf.
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Landsberg – Einerseits die Gastronomie in Pandemie-Zeiten unterstützen, andererseits die Optik der Altstadt schützen und dem Denkmalschutz Rechnung tragen – dieses Dilemma beschäftigte jüngst den Bauausschuss. Es ging um Markisen, Sonnenschirme und einen Wintergarten.

„Wuchtige Konstruktion“, „Beeinträchtigung“, „negative Stellungnahme vom Landesamt für Denkmalpflege“: Hörte man der Leiterin der technischen Bauaufsicht Katja Kaus bei ihrem Sachvortrag zu, wäre man nicht auf den Gedanken gekommen, dass der gewünschte Wintergarten für eine Gaststätte an der Waitzinger Wiese im Gremium auf Zustimmung stoßen würde.

Die Betreiber der Gaststätte – UBV-Stadtrat Claus Moritz und ein Partner – wollen den Wintergarten an der Südseite des Gebäudes auf der Fläche der bestehenden Terrasse errichten, um diese ganzjährig nutzbar zu machen. Die Terrasse überschreitet die Baugrenze bereits um 89 Quadratmeter, der Wintergarten wird dies sogar um 212 Quadratmeter tun. Dafür ist eine Befreiung von den Vorgaben des Bebauungsplans notwendig.

Städtebaulich könne das Vorhaben „hingenommen“ werden, hieß es im Sachvortrag. Bei der Gaststätte handelt es sich jedoch um ein denkmalgeschütztes Gebäude, und aus denkmalfachlicher Sicht würden sich – auch ohne Eingriffe in die Bausubstanz – erhebliche optische Beeinträchtigungen ergeben, so Kaus.

Die Konstruktion – ein sogenanntes Raum-Cabrio – werde mit dem Gebäude verbunden und auch dann sichtbar sein, wenn sie „eingefahren“ sei.

Die Mehrheit im Bauausschuss sah das anders. Franz Daschner und Christoph Jell (beide UBV) meinten, der Lärm für die Nachbarschaft würde sich durch den geschlossenen Wintergarten verringern. Dieter Völkel (SPD) forderte, dass dieser halt „zum Haus passen“ müsse.

Widerspruch kam allerdings von Denkmalschutzreferentin Petra Ruffing (CSU) und von Ulrike Gömmer (Grüne), die darauf hinwies, dass das Lärmproblem eher durch an- und abfahrenden Verkehr verursacht werde als durch die Gäste im Biergarten. Letztlich votierte jedoch eine 9:4-Mehrheit für den Wintergarten.

Positiv fiel auch das Votum aus, als es um zwei Markisen ging, die eine Gaststätte in der Schlossergasse über ihrem auf dem Gehweg gelegenen Außenbereich errichten möchte. Auch hier ging es um das Denkmalrecht und eine Abweichung von der Altstadtsatzung, die Markisen nur über Schaufenstern und Ladeneingängen gestattet. Ausnahmen gibt es bereits. Allerdings werde jeder Fall gesondert geprüft, so Kaus.

Sonnenschirm, Markise?

Ursula Schaller (SPD) hielt Markisen an dieser Stelle für nicht geeignet, da der Gehweg hier ohnehin sehr schmal sei. Fußgänger würden das Gefühl haben, durch einen Tunnel zu laufen, fand auch Petra Ruffing. Ulrike Gömmer dagegen verwies auf das „Sammelsurium an Sonnenschirmen“, das es in der Altstadt bereits gebe und das erheblich störender sei als eine „ruhige Markise“.

Der Bauausschuss will nun einen Vorschlag von Dieter Völkel aufgreifen und vor einer der nächsten Sitzungen einen gemeinsamen Rundgang durch die Innenstadt machen, um zu sehen, ob und wo bisher bereits gegen die Altstadtsatzung verstoßen wird.

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