Feiern und trauern vor traumhafter Kulisse

90 Jahre Landsberger Hütte – ein Unglück überschattet das Jubiläum

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Am vergangenen Wochenende feierte der DAV Landsberg 90 Jahre Landsberger Hütte
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Am vergangenen Wochenende feierte der DAV Landsberg 90 Jahre Landsberger Hütte

Landsberg – Die Sektion Landsberg des Deutschen Alpenvereins (DAV) kommt heuer aus dem Feiern nicht mehr raus. Erst 150 Jahre DAV-Dachverband, dann 130 Jahre Landsberger Sektion. Am vergangenen Wochenende stand das nächste Jubiläum an: 90 Jahre Landsberger Hütte. Und was gehört zu einer richtigen Hüttenfeier? Natürlich zünftige Musik, Bier und jede Menge Gaudi – doch gerade letzteres wurde durch einen tragischen Todesfall zur Nebensache.

Wer zur Landsberger Hütte im Tannheimer Tal will, dem stehen vier verschiedene Touren zur Verfügung, die von erfahrenen Mitgliedern des DAV geführt werden. Zwischen gut zwei und rund sechseinhalb Stunden ist man unterwegs. Wie wär‘s denn zum Beispiel mit einem Aufstieg über den Vilsalpsee? Wer allerdings nicht ganz schwindelfrei ist, sollte vielleicht lieber auf die Tour übers Neunerköpfle setzen. Mit der Seilbahn geht es vom Tal rauf auf 1.800 Meter. Wer aber denkt, die nächsten gut zweieinhalb Stunden werden ein Spaziergang, der täuscht. In stetigem bergauf und bergab geht es auf dem Höhenwanderweg entlang.

An diesem letzten sonnigen Herbstwochenende ist man freilich nicht allein unterwegs. So ziemlich jeden zieht es in die Berge. Von kleinen Stöpseln, die wahrscheinlich noch gar nicht so lange freihändig gehen können, bis betagteren Herrschaften. Von Gelegenheitsberglern, die mit Jeans und Turnschuhen unterwegs sind, bis Wandersleuten in standesgemäßer Montur. Ein herzliches ‚Servus‘ oder ein typisch tirolerisch-krächzendes ‚Griaß eich‘ lässt einen wissen, dass man sich unter seinesgleichen befindet.

Über schmale Geröllwege und breiteren Almwegen geht es dahin. Um einen herum nichts als Berge und Wiesen. Und dann erhebt sich plötzlich der Schochen mit seinen gut 2.000 Höhenmetern vor den Wanderern. Um auf die andere Seite – und damit dem Ziel der Landsberger Hütte ein Stück näher zu kommen – gilt es einen steilen und felsigen Pass zu überqueren. So manchem geht da auf halber Strecke die Puste aus. Aber der Gedanke an ein kühles Bier hilft, die letzten Kraftreserven zu aktivieren.

Im Anschluss wird der Weg wieder deutlich angenehmer. Es geht stetig bergab. Es dauert nicht mehr lange und die Landsberger Hütte taucht in der Ferne auf. Inmitten eines Berg-

kessles liegt sie ganz einsam da. Um den Anblick perfekt zu machen, glitzern der Lachensee und der Traualpsee unterhalb der Hütte bei Sonnenschein um die Wette. Der erste Gedanke: Da haben sich die DAV-ler vor 90 Jahren wirklich ein schönes Fleckerl Erde ausgesucht.

Aber man kann die Hütte nicht nur sehen. Unverkennbar ist die Musik der Alphornbläser, die von allen Seiten vom Gestein der Berge hallt und die Wanderer zu sich rufen zu scheint.

Einmal den See umrundet, geht es nochmal ein kurzes Stück nach oben und dann steht man auch schon inmitten der großzügigen Sonnenterrasse. Unzählige Menschen haben es sich hier bereits gemütlich gemacht. In riesigen Pfannen werden Schupfnudeln und Kaiserschmarrn zur Stärkung der Wanderer zubereitet.

Gegenüber der Terrasse befindet sich eine imposante Gesteinsformation. Wer ganz genau hinsieht kann sehen, dass sich an dessen Steilwänden auch etwas bewegt. Wie kleine Ameisen hangeln sich Kletterer dort entlang. Der DAV hat die zweistündige Tour auf dem Klettersteig der Lachenspitze extra für das Jubiläumswochenende organisiert. Wem aber schon vom Zuschauen ganz anders wird, der kann eine geführte Gipfeltour auf einen der umliegenden Hausberge unternehme. Und alle, die sich noch vom Aufstieg erholen müssen, bleiben eben auf der Terrasse und schunkeln im Takt der Blechbläser „Blech Royal“, die sich mittlerweile auf der Terrasse mit ihren Instrumenten eingefunden haben und für die richtige Stimmung sorgen.

Zur Feier des Tages wollte eigentlich auch Oberbürgermeister Mathias Neuner zur Landsberger Hütte kommen und eine kurze Rede halten. Doch der liegt fiebrig im Bett. Ihm entgeht nicht nur die tolle Stimmung auf der Terrasse, sondern auch das Freibier, das der DAV spendiert.

Rund 140 Gäste, in erster Linie DAV-Mitglieder, verbringen die Nacht auf der Hütte, um gemeinsam zu feiern. Damit ist „die Hütte voll“, wie der Vorsitzende der Landsberger Sektion, Georg Schappele, zufrieden feststellt.

Doch am späten Abend dann die traurige Nachricht: Ein Mitglied, das mit einer Seilschaft des DAV im Stubaital unterwegs war, ist abgestürzt und verstorben (lesen Sie dazu den nebenstehenden Bericht) Spontan gibt es eine kleine Andacht auf der Terrasse. Die Gäste verbringen anschließend den restlichen Abend zusammen in der Stube. Wenn auch mit gedämpfter Stimmung.

Bevor es am Sonntag wieder ins Tal geht, gibt es noch eine Bergmesse. Pfarrerin Jutta Krim von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Landsberg und Pfarrer Michael Zeitler von der Pfarreiengemeinschaft Mariä Himmelfahrt in Landsberg haben sich extra dafür auf der Hütte eingefunden. Die Alphorn­bläser und „Blech Royal“ begleiten den Gottesdienst vor der Alpenkulisse.

Im Anschluss wird noch bis zum frühen Nachmittag auf der Terrasse mit „Blech Royal“ zusammengesessen, bis die Gäste nach und nach den Abstieg antreten. Und dann ist es plötzlich wieder ganz leise in diesem Idyll inmitten der Tiroler Berge, das sich der Landsberger DAV dort geschaffen hat.

Der tragische Unfall der Seilmannschaft

Da rückt die 90 Jahr-Feier auf der Landsberger Hütte weit in den Hintergrund: Ein 50-jähriger Landsberger ist am Samstag bei einem tragischen Bergunfall im Stubaital tödlich verunglückt.

Am Samstag war eine fünfköpfige, erfahrene Seilschaft des Alpenvereins im Gebiet um die Mutterberger Seespitze (Stubaital) im hochalpinen Gelände unterwegs, schildert Sektionsvorsitzender Georg Schapperle. Nachdem die Gruppe den Gipfel überschritten hatte, habe sich in 3.300 Meter Höhe ein Felsblock gelöst. Der 50-jährige Familienvater sei von dem Gestein in die Tiefe gerissen worden. Nur wenige Minuten später war die Bergrettung an der Unglücksstelle, konnte aber nur noch der Tod des Alpinisten feststellen.

„Die vier weiteren Teilnehmer der Seilschaft konnten nicht mehr aus eigener Kraft absteigen und wurden von einem Helikopter geborgen“, so Schapperle. Sie, wie auch die Angehörigen des Verstorbenen, der Ehefrau und zwei Kinder hinterlässt, wurden von einem Kriseninterventionsteam des DAV betreut.

Noch am selben Tag fand Abends auf der Hütte eine kleine Andacht mit der zum Jubiläum anwesenden Landsberger Pfarrerin Jutta Krimm statt. Auch in der Bergmesse am nächsten Tag wurde des Verstorbenen gedacht.

„Es ist der erste Todesfall bei Vereinsaktivitäten und es ist der traurigste Tag in der 130-jährigen Vereinsgeschichte Landsberger Alpenvereins“, so Vorsitzender Schapperle.

Stephanie Novy

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