Katzen-Mumie und alter Schuh

Franz-Xaver-Dengler-Preis für vorbildlich sanierte Altstadthäuser

+
Diana Stoewer und Dr. Christoph Höck (2. von links) wurden von Axel Flörke (rechts) im Namen des Verschönerungsvereins Landsberg mit dem Franz-Xaver-Dengler-Preis ausgezeichnet. Ein Preis, der auch Oberbürgermeister Mathias Neuner (links) „viel Freude macht“.

Landsberg – Ein historisches Gebäude sanieren, sämtliche Denkmalschutzvorgaben beachten, die Kosten in einem vertretbaren Rahmen halten und am Ende ein Haus haben, in dem man sich im 21. Jahrhundert als Bewohner wohlfühlt – das mag zuweilen wie die Quadratur des Kreises anmuten. Doch es gibt Beispiele, die zeigen, dass genau das gelingen kann. Um sie zu würdigen, wurde 2017 vom Verschönerungsverein Landsberg der Franz Xaver Dengler Preis ins Leben gerufen. Am Freitag wurde er zum zweiten Mal vergeben.

Für die vorbildliche Sanierung ihrer Altstadthäuser wurden im Rahmen einer Feierstunde im Festsaal des Historischen Rathauses Diana Stoewer und Dr. Christoph Höck ausgezeichnet. Stoewer war ab 2015 drei Jahre lang damit beschäftigt, die ehemalige Hutmacherei in der Alten Bergstraße 405 in ein Vorzeigeobjekt zu verwandeln, Höck gelang das gleiche mit seinem Haus Nr. 57 am Klösterl.

Die alte Hutmacherei in der Alten Bergstraße 405.

Es war ein langer Weg, bis die beiden Objekte hergerichtet und von den Sünden früherer Jahrzehnte befreit waren. „Ich wollte das Haus in seinen ursprünglichen Zustand versetzen“, berichtete Diana Stoewer den zahlreich erschienenen Festgästen. Unendlich viel in Eigenleistung erbrachte Handarbeit war dazu notwendig. Das Entfernen von bis zu vier Tapetenschichten und Linoleumböden aus den 1960er Jahren war da noch die leichteste Übung. Im Keller mussten der Boden einen halben Meter tief abgegraben,eine Wand entfernt und Decken ertüchtigt werden, um aus zwei Gewölberäumen eine Einheit zu machen.

Stoewer besorgte sich historische Baumaterialien und lief sich die Hacken krumm auf der Suche nach einem Schreiner, der ihre historischen Holztüren auf Brandschutzniveau ertüchtigte. Denn sie plante eine Nutzung für das Haus, die inzwischen Wirklichkeit geworden ist: ein Café und sechs Pensionsappartments – allesamt hinreißend gelungen, wie diverse Bilder belegten. Als „Frau ohne Architekt und ohne Bauleiter“ sei sie zunächst von den Nachbarn kritisch beobachtet worden, so Stoewer. Doch inzwischen sind die Landsberger begeistert. „Sie ist eine Allround-Künstlerin“, lobte Axel Flörke, Vorsitzender des Verschönerungsvereins, die Preisträgerin.

Das Haus im Klösterl 57.

Auch Christoph Höck erntete viel Applaus für seine behutsame, naturgetreue Sanierung des Wohnhauses am Klösterl. Viele kleine Stuben, eine ehemalige Schwarzküche, Decken aus Lehm und Stroh, uralte Dielenböden und einer der ältesten Dachstühle der Stadt kennzeichnen das Gebäude. Ohne Kompromisse beim Denkmalschutz zu machen, verwandelte Höck das einst heruntergekommene Altstadthaus aus der Zeit um 1464 in ein wunderschönes Wohnhaus, in dem auch ausgetretene alte Stufen und Holz­wurmlöcher existieren dürfen.

Dass bei den Renovierungsarbeiten in der Decke eine mumifizierte Katze und ein linker Schuh auftauchten (beides im abergläubisch geprägten Mittelalter zur Hexenabwehr verwendet), verwurzelt das Haus noch mehr in der Historie als Zahlen und alte Ziegel das könnten. „Dieser Schuh ist vor 500 Jahren durch Landsberg gelaufen“, so Höck. „Das ist doch toll.“

Der mit 500 Euro dotierte Franz-Xaver-Dengler-Preis ist nach dem Stadtbaumeister benannt, der von 1945 bis 1975 im Amt war, die Nachkriegsentwicklung Landsbergs entscheidend prägte und vehement für den Erhalt des mittelalterlichen Stadtkerns kämpfte. Zu einem großen Teil ist es ihm zu verdanken, dass überzogene Modernisierungsbestrebungen und Bausünden vermieden werden konnten. Er erkannte schon zu seiner Zeit, was Oberbürgermeister Mathias Neuner bei der Preisverleihung besonders unterstrich: „Der Erhalt unseres kulturellen Erbes ist unendlich wichtig.“

Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von Esther Steinmeier (Cello) und Ayumi Janke (Klavier).
Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Bayerische Landesausstellung 2024 kommt nach Landsberg
Bayerische Landesausstellung 2024 kommt nach Landsberg
Der Feuerwehr-Kommandant will ins Uttinger Rathaus
Der Feuerwehr-Kommandant will ins Uttinger Rathaus
Kultgaststätte "Fuchs und Has" in Dettenhofen steht vor dem Aus
Kultgaststätte "Fuchs und Has" in Dettenhofen steht vor dem Aus

Kommentare