Der bunte Zaun ist ausgebremst

Landsberg: Graffiti-Aktion an der Baustelle ULP verschoben

Sprayer vor Bauzaun
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Die Sprayer um Elvis Jüterbock (2.v.l.)

Landsberg – Wieder ein Artikel, den ein ‚Eigentlich‘ prägt. Denn eigentlich waren Elvis Jüterbock vom IKG und Kulturreferent Axel Flörke zuversichtlich, dass sie nach Ostern mit der ‚Kunst am Bauzaun‘ starten können: 50 Platten entlang des Baustellenzauns Am Papierbach warten auf die Graffiti-Kunst von rund 50 Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. In der zweiten Woche der Osterferien sollte es soweit sein. Das Hygienekonzept lag vor, die Dosen waren gekauft, die Jugendlichen bereit. Aber am Freitag kam die Absage: Veranstaltungen dieser Art seien bis mindestens 18 April nicht möglich. 

„Natürlich akzeptieren wir diese Entscheidung“, sagen der Initiator der Aktion Elvis Jüterbock, Oberstufenschüler am IKG, und Kulturreferent Axel Flörke einstimmig. „Aber wir sind natürlich trotzdem enttäuscht.“

Dabei hätten sich die Jugendlichen gefreut, endlich mal mit viel Platz legal sprayen zu dürfen, erzählt Jüterbock beim digitalen Bürgerdialog des Bauherrn von ULP ehret+klein. Der Gymnasiast kennt dieses Gefühl bereits: Beim Geburtstag eines Freundes, dessen Vater in einer Abrissfirma arbeitet, durften sie in einem der Abrisskandidaten die Innenwände mit ihrer Kunst verschönern. Keine Kunst für die Ewigkeit – aber Graffiti wollte noch nie eine zweite Mona Lisa erschaffen.

Der Geburtstag regte Jüterbock zu der Idee an, den Baustellenzaun in eine ähnlich zeitlich befristete Leinwand zu verwandeln. Und da Flörke sein Lehrer war, sprach er ihn wegen der Realisierung an. „Ich habe mich dann an ehret+klein gewandt, wo die Idee auf fruchtbaren Boden stieß“, berichtet Flörke. Eine Bedingung war, dass keine professionellen Graffiti-Künstler teilnehmen. Nur ‚Laien-Sprayer‘.

Drei Platten des Bauzauns nach der (Test-)Veredelung.

Es folgte das Test-Sprühen mit einer Handvoll Jugendlicher um Jüterbock. Das Thema: „Urbanes Leben“. Und drei Platten wandelten ihr Gesicht von einem mit „Pussys“ bespraytem Gekrakel zu bunten Kunstwerken. Oder wie Flörke es formuliert: „Vorher war da nur der dreckige Bauzaun, jetzt grüßen den Passanten künstlerische Arbeiten.“ Das Ergebnis begeisterte den Bauherren – der auch die Farbe und drei Preise finanziert.

Alle Bewerber müssen Entwürfe für die zwei auf zwei Meter großen Bautafeln schicken. „Und von denen bin ich absolut begeistert“, sagt Flörke. Dass deren Ausarbeitung unterschiedlich ist, macht ihren Reiz aus. Dass bei der Aktion die Zuschauer sehen können, wie Kunst entsteht, ist für den Kulturreferenten ein weiterer Pluspunkt: „So werden Kunst und Betrachter zusammengeführt.“ Denn wie schon der Künstler Marcel Duchamp gesagt habe: „Der Betrachter macht die Kunst.“

Und was passiert mit den Arbeiten, wenn der Zaun abgebaut wird? Es gebe auf dem Baufeld B2 noch die alte Pöttinger-Lagerhalle, sagt Flörke. Dort könne man die Arbeiten vorübergehend aufstellen. Vielleicht auch versteigern, spinnt Flörke den Gedanken weiter. Und den Erlös den Künstlern im Landkreis zukommen lassen, die momentan kaum Einnahmemöglichkeiten hätten.

Der Plan für die gemeinsame Spray-Aktion sitzt, die Künstler stehen in den Startlöchern. Jetzt müssen nur noch Virus und Wetter mitspielen. Letzteres ist das kleinere Problem.
ks

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