»Sprayen ist wie Tanzen«

Graffiti-Workshop mit Street Art-Künstler Erwa.One

Die jugendlichen Workshop-Teilnehmer beim Sprayen ihres gemeinschaftlichen Werkes.
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Die Jugendlichen beim Sprayen ihres gemeinschaftlichen Werkes. Späteres Ziel: der Bauzaun. Hinten links und rechts: Workshopleiter Erwa und Mit-Initiator Elvis.
  • VonAndrea Schmelzle
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Landsberg – Wenn schon nicht der Bauzaun, dann eben erst mal die Wand des JuZe: Insgesamt rund 30 Jugendliche nahmen vergangenes Wochenende am dreitägigen Graffiti-Workshop teil, den Kulturreferent Axel Flörke gemeinsam mit Oberstufenschüler Elvis Jüterbock ins Leben gerufen und in Kooperation mit Jugendzentrum-Leiter Matthias Faber umgesetzt hat. Geleitet wurde er vom Street Art- und Graffiti-Künstler Erwa.One. 

„Ich würde hier niemals eine dicke schwarze Linie nehmen“, berät Workshopleiter Erwa die 17-jährige Teilnehmerin Mia, die zum ersten Mal eine Spraydose in der Hand hält – jedenfalls zum Zwecke der Erzeugung eines Graffitis – und eine Säule im Außenbereich des JuZe mit einem gesprayten Auge verschönern möchte. „Für die Pupille kannst du ganz viele bunte Farben benutzen.“

„Es ist cool“, dass Erwa mitmacht und den Workshop leitet“, freut sich Elvis Jüterbock. Bekannt ist Erwa.One für seine urbanen Kunstwerke. Der Street Art-Künstler hat Kommunikationsmanagement in Paris studiert. Wie er wirklich heißt, sei nicht relevant, sagt er selbst. Auch nicht, wo er gerade lebt. Er sei einfach ein „Reisender der Städte“. Es mache ihm „mega-Spaß“, den Workshop zu leiten. „Ich finde es toll, eine solche künstlerische Ausdrucksmöglichkeit weitergeben zu können.“

In einem Theorieteil sensibilisiert er die Jugendlichen zunächst auf das Thema – mit dem Hinweis auf legale Flächen und der Vermeidung von Sachbeschädigung. Dann wird gemeinschaftlich gearbeitet: Alle zusammen sprayen „JUZE“ auf die JuZe-Wand. In einer dritten Phase dürfen alle frei üben, Ideen entwickeln und ausprobieren. Um am Ende in der Lage zu sein, den eigenen Namen auf die Wand zu sprayen. Jeder in seiner Form. Mit seiner eigenen „Verzierung“. Mit seinen eigenen Ideen, die dahinterstehen.

Elvis findet das, was im Workshop gemacht wird, „auf jeden Fall Kunst“. „Es steckt so viel Mühe darin“, meint er. Beim Graffiti müsse man immer ganz genau hinschauen, um alles zu erkennen, all die Verschlingungen in den Buchstaben. Immer wieder entdecke man etwas Neues. Auch die 16-jährige Isabel ist begeistert: „Schön ist: Man kann einfach seine Gedanken an die Wand sprayen. Das passiert ganz spontan.“ Dadurch sei jedes Graffiti individuell.

Auch, dass Graffiti-Sprayen eine sportliche Angelegenheit ist, erfahren die Jugendlichen. „Sprühen ist eigentlich wie tanzen“, sagt Erwa. Es sei wichtig, auf die Körperhaltung zu achten. Der Körper sollte Spannung, der Arm eine Einheit mit der Dose bilden. Spannung, Haltung und die Regulierung des Atems – das habe „etwas sehr Meditatives.“ Ebenso seien Schnelligkeit, Winkel und die Nähe der Wand wichtige Aspekte.

„Ich bin begeistert“, freut sich Axel Flörke, „was man aus Null alles machen kann.“ Nachdem das gemeinsam mit seinem ehemaligen Schüler Elvis entwickelte und mit einem Wettbewerb gekoppelte Projekt „Graffiti für den Bauzaun“ entlang der Großbaustelle des Quartiers „Urbanes Leben am Papierbach“ (der KREISBOTE berichtete) coronabedingt bereits im April nicht stattfinden konnte, sei die Idee für den Workshop entstanden, so Flörke. Die habe Erwa gehabt, den er kurz nach der ersten Bauzaun-Absage zufällig kennengelernt habe.

Auch Matthias Faber war spontan begeistert und stellte die Außenwände „seines“ Jugendzentrums zum Üben zur Verfügung. „Wenn nicht hier, wo dann?“, meint er. Das JuZe gebe es seit 1993 und „seitdem wird hier auch gesprüht.“ Jugendkulturarbeit sei Bildungsarbeit. Und einem Bildungsauftrag wolle man schließlich nachkommen. Für die volle Finanzierung des Workshops habe sich die VR Bank Landsberg-Ammersee bereit erklärt, sagt Flörke. Es sei dann nur noch eine Frage von Corona gewesen, bis die Umsetzung erfolgen konnte.

Jetzt war es soweit. Alle zukünftigen „Baustellen-Sprayer“ haben am Workshop teilgenommen, sind „geschult“ – und gewappnet für Graffiti-Kunstwerke am Bauzaun. Denn „eigentliches Ziel bleibt immer noch das Besprühen der Holzplatten an der ULP-Großbaustelle“, betont Flörke. Und hofft, dass das schon bald möglich ist – bevor die ersten Platten wieder abgebaut werden.

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