Weniger Verkehr, mehr Mobilität

Die Landsberger legen die Grundlagen ihrer Verkehrsplanung fest

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Freude über 285 pointiert formulierte Bürgervorschläge: Oberbürgermeister Mathias Neuner, Stabsstellenleiterin Ulrike Degenhart, Ordnungsamtschef und Verkehrsexperte Ernst Müller und Projektleiter Ralf Stappen (von links).

Landsberg – Nun geht es Satz für Satz um die Geschäfts­grund­lage für die künftige Verkehrs- und Umweltpolitik in der Lechstadt: Bei der Bürgerkonferenz am 26. April um 18 Uhr im Historischen Rathaus haben alle Landsberger die Chance, auf die Formulierungen des sogenannten Zielentwurfs Einfluss zu nehmen, der auch den aktuell diskutierten Verkehrsentwicklungsplan prägen wird. 285 Anregungen aus dem Bürgerdialog vom 10. März sind bereits eingeflossen. Der KREISBOTE fasst heute die wesentlichen Vorschläge zu Verkehr und Mobilität (in der kommenden Woche die zum Thema Umwelt) in gestraffter Form zusammen. Die Komplettfassung des Papiers es auf landsberg2035.de.

Mobilität soll zeitgemäß, nachhaltig, bezahlbar und verlässlich bleiben. Mit etablierten Methoden und unter Berücksichtigung von Wachstum und Topographie sind diese Ziele nicht zu erreichen. Daher können wir nicht auf alte Lösungsansätze (Parkhäuser, Straßenbau) setzen. Nur durch ein radikales Umdenken werden die Verkehrsprobleme Landsbergs gelöst werden.

Wir wollen unter anderem attraktive Wohnlagen in Kombina­tion mit kurzen Wegen zu lokalen/regionalen Arbeitsplätzen schaffen, die Nahversorgung verbessern, ein interkommunales Mobilitätsmanagement einführen, um Mobilität auch über die Stadtgrenzen hinaus zu gewährleisten, ehrenamtliche und privatwirtschaftliche Pkw-Mitnahmeverkehre sowie flexible Bedienformen wie Anruf-Sammeltaxis oder Rufbusse einführen, die Nutzung digitaler Lösungen wie Apps erleichtern, die Potenziale des Radverkehrs (inklusive Pedelecs) nutzen und den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verbessern und flexibilisieren.

Bus und Rad statt Auto

Aufbau und Sicherung des ­ÖPNV sind Aufgaben der Daseinsvorsorge. Der – langfris­tig CO2-freie – öffentliche Nahverkehr soll im Verbund mit Fußgängern und Radlern eine Ergänzung und zugleich voll­wer­tige Alternative zum motorisierten Individual­verkehr darstellen. Er soll den Kurzstrecken-Individualverkehr reduzieren.

Wir werden das Bussystem so gestalten, dass es eine den verkehrlichen und wirtschaftlichen Erfordernissen entsprechende häufige, regelmäßige, pünktliche, schnelle, bequeme und sichere Mobilität bietet. Busse sollen Vorrang vor Pkw haben. Sie sollen im Takt fahren, mit optimaler Verknüpfung der Linien und des Bahnverkehrs. Sie sollen Mitnahme- und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder bieten.

Sie sollen wenn möglich kostenfrei sein, jedenfalls fahrgastfreundliche Tarife bieten. Sie können auch durch Nahver­kehrs­abgaben oder Bürgertickets finanziert werden. Das Bussystem soll durch Nutzung neuer Technologien (Informationssysteme, Apps), neuer Transportsysteme (kleinere Busse, Bus on Demand) und eine zeitliche Ausdehnung des Angebots erweitert werden. Die Barrierefreiheit soll gewährleistet sein.

Die Regionalbahn soll im Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn durch zusätzliche Haltepunkte zur Stadtbahn aufgewertet werden.

Das Fahrrad soll ein zentrales städtisches Verkehrsmittel werden. Wir wollen die Attraktivität des Radfahrens durch Herstellung von Sicherheit, Komfort und öffentlicher Akzeptanz steigern. Durch die konsequente Förderung der Infrastruktur soll der Radverkehrsanteil vor allem auf Kurzstrecken (derzeit 14 Prozent für Strecken von zwei bis drei Kilometern) mindestens verdoppelt werden.

Wir wollen ein flächendeckendes Radverkehrsnetz schaffen, das auch die Anbindung der Ortsteile berücksichtigt und über die Stadtgrenzen weiterführt. Weitere Bestandteile eines Radverkehrskonzepts sind ausreichende, sichere und komfortable Fahrradstellplätze, die Vernetzung mit dem Nahverkehr, die Mitnahme von Fahrrädern in Bussen und Bahnen, fahrradfreundliche Strukturen in der Stadt- und Bauleitplanung sowie ein Schrägaufzug vom Spitalplatz zum Jesuitenviertel.

Sicherheit geht vor. Wir wollen durch vielfältige Maßnahmen (zum Beispiel Geschwindigkeitskontrollen und Straßen­bau) Unfallschwerpunkte präventiv entschärfen. Wir wollen die Mobilität in Landsberg so gestalten, dass sie dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen, insbesondere dem von Kindern und Senioren, Rechnung trägt. Wir passen das Verkehrssystem an die Menschen an.

Wir wollen durch Geschwindigkeitsanzeigen, insbesondere in den Ortsteilen, die Aufmerksamkeit für die angemessene Geschwindigkeit erhöhen und Tempo 30 möglichst ausweiten und hierfür für Akzeptanz sorgen.

Wir wollen die Stadt Landsberg bis 2035 auf die Mobilität der Zukunft vorbereiten und unterstützen die Einführung der eMobilität, von autonomen Fahrzeugen, von Car Sharing und Ride Sharing mit der notwendigen digitalen und energetischen Infrastruktur (Ladepunkte) sowie innovativen Plattformen (5 G und Digitalisierung).

Für innovative Lösungen der Verkehrsprobleme wollen wir Landsberg bis 2035 als Modellstadt für intelligente Mobilität entwickeln. Hierzu streben wir Kooperationen mit Unternehmen, Wissenschaft und Forschung an und entwickeln Lösungen im Bereich Digitalisierung, neue Antriebe, Leichtbau und Energietechnik. Darauf richten wir unsere Wirtschaftsförderung und Ansiedlungspolitik aus.

Die weitere Fachplanung erfolgt über ein Mobilitätsmana­gement. Wir beteiligen Kinder und Jugendliche und berücksichtigen auch ihre Mobilitätsanforderungen in der Verkehrsplanung und beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

red. Bearbeitung: Werner Lauff

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