MIt Elektrolurch und Kegeloboe

Landsberg: "Guru Guru" reist mit Publikum in die wilden 70er

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Volles Haus und beste Stimmung herrschten am Sonntagabend beim Konzert der Rocklegende Guru Guru im Stadttheater-Foyer.

Landsberg – Das Musik jung hält, ist nicht nur eine Redewendung. Sie findet ihr Abbild auch in der Realität. Zum Beispiel beim knapp 80-jährigen Mani Neumeier, 1968 Mitbegründer der legendären Rockband Guru Guru. Denn wenn er kniend mit seinen Schlag­stöcken Metalldeckel und -tabletts rhythmisch traktiert, mag sich manch weitaus Jüngerer solch Leidenschaft und Gelenke wünschen. Im Rahmen des Snowdance-Festivals hatte das s‘Maximilianeums die Ikonen des Psychodelic Rock nach Landsberg geladen. Und die Fans kamen – zahlreich und in jedem Alter.

Von der 30-Jährigen im bunten Tüllrock bis zum in Ehren ergrauten Herren oder der 63-Jährigen, die den Tipp beim Weihnachtsbrettl bekommen hat: Das Foyer ist brechend voll. Und applaudiert, als die vier Herren im besten Alter die Bühne betreten. Guru Guru, das ist Legende, das sind 52 Jahre Psychodelic Rock – inzwischen mit Stippvisiten in nahezu jede erdenkliche Musik­richtung. 1968 gründeten der Münchener Mani Neumeier, Uli Trepte und Eddy Naegeli „The Guru Guru Groove“ im studentisch-revoltischen Heidelberg. Ihr Motto „Was Besseres als den Tod finden wir allemal“ entliehen sie den Bremer Stadtmusikanten. Seither hat sich einiges geändert. Nicht die Rezeptur, aber die Zutaten: Am Sonntag steht von den Gründern nur noch Neumeier – er feiert im Dezember seinen 80sten – auf der Bühne. Seit 1972 dabei ist Roland Schaeffer am Sax oder auch dem Nadaswaram, einer indischen Kegeloboe. Bassist Peter Kühmstedt stieß 1975 zur Band. Und Gitarrist Jan Lindgvist ist mit zwei Jahren Mitgliedschaft sozusagen das Küken.

Neumeier (links) und Schaeffer mit dem Entenfänger.

Guru Guru steht aber immer noch für Experimentelles. Absurdes kennzeichnet die Auftritte, zum Beispiel Manis Lurchkopf, den er bei „Elektrolurch“ überstülpt – Monster samt Blinkfühlern und absurdem Text. Die Musik darf auch mal bei Country, Reggae oder gar Rap vorbeischauen. Neben der indischen Kegeloboe kommen dabei Instrumente wie Entenfänger im Duett zu Wort. Oder ‚Mani‘ spielt Backentrommel.

Dass da vier Vollblutmusiker auf der Bühne stehen, ist beim ersten Ton zu hören. Dass sie ihr Publikum begeistern, zeigt die Stimmung, die mit dem ersten, von Techniker Peter Duerrschmidt perfekt ausgesteuerten Ton anhebt. Vor allem links der Bühne und im ersten Rang finden sich die unermüdlichen Tänzer ein.

Guru Guru, das sind auch Erinnerungen. Sein Relilehrer habe damals über Sekten auf dem Vormarsch gewettert, erinnert sich ‚Discyant‘ Edmund Epple. „Insbesondere von der Guruguru-Ära anlässlich der Plakate zum damaligen Konzert der Band mit Aera“, erzählt er grinsend. Der Landsberger Fotograf Peter Wilson kennt die Band aus seinen 20ern in England: „Ich war damals ein großer Krautrock-Fan!“ Nicht nur über den Kanal, unter anderem nach Indien, Japan und die USA schafften es die Musiker.

Auch bei Künstler und Goldschmied Erik Urbschat brechen Erinnerungen hervor: „Guru Guru, das war, glaube ich, das erste Konzert, bei dem ich war. So mit 14, damals im Interimsjugendzentrum im Eisstadion.“ Danach habe er mit Bassgitarre angefangen, „ich wollte da mitmischen“. Armin Federl, beim s‘Maximilianeum fürs Anlocken der Acts zuständig, wurde vor 40 Jahren bei einem Konzert im Sommerkeller, damals noch Waldbühne, infiziert. „Ich erinner‘ mich noch genau, da war die Hölle los!“

Horst Althammer fing vor 50 Jahren Mani Neumeiers Schlagzeugstock. Zum Guru-Guru-Konzert am Sonntag im Stadttheater hat er ihn mitgebracht.

Einer, der nicht nur die Musik der Band mitgenommen hat, ist Horst Althammer. Der Waldkraiburger besuchte 1970 sein erstes Guru-Guru-Konzert, „damals hatte Mani noch schwarze Zotteln“. Und als der Schlagzeuger orgiastisch seine Stöcke ins Publikum warf, bekam er einen zu fassen. „Als ich dann vor Kurzem das Plakat gesehen habe, dachte ich, ‚Da musst du hin‘.“ Spricht‘s und hält den Stock stolz in der Hand, das Holz durch Neumeiers Energie komplett vermackt. Eigentlich hätte Althammer gern, dass Neumeier in der Pause damit spielt. Der signiert ihn lieber – und verschafft Althammer ein Relikt sondergleichen. „Jetzt darf er nicht mehr damit spielen. Sonst verwischt die Schrift.“

Früher seien das schon ganz andere Zeiten gewesen, erinnerst sich ‚Mani‘. „Damals war unser Sound noch ganz neu, ein Skandal.“ Der Spaß und die Lust an der Musik sind aber immer noch ausreichend vorhanden: „Weil man dabei so schön ausflippen kann.“ Was Neumeier gerne macht. Sei es mit asatisch anmutender Priestertiara und indianischem Gesang. Sei es kniend vor Topfdeckeln in wilder Schlagzeugekstase. Oder eben blinkend beim „Elektrolurch“. Frei nach Manis Devise: „Hauptsache, man wundert sich.“
Susanne Greiner

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