Weniger Auto, mehr Mobilität

Landsberg: Im Zeichen der E-Mobilität

Elektro-Auto an Ladesäule
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Die E-Mobilität soll auch in Landsberg weiter vorangebracht werden.

Landsberg – Zum Verkehrs­entwicklungsplan der Stadt Landsberg gehört auch ein E-Mobilitätskonzept. Es wurde im vergangenen Jahr vom Stadtrat in Auftrag gegeben, um neue Mobilitätsformen genauer zu beleuchten. Jetzt wurden die Ergebnisse im Bauausschuss des Stadtrates vorgestellt. Zudem werden drei weitere E-Ladesäulen in der Lechstadt aufgestellt: zwei vor dem Landratsamt und eine auf der Waitzinger Wiese.

„Sie fangen nicht bei Null an“, war die gute Nachricht, die Isabella Geis vom Frankfurter Planungsbüro q-perior den Ausschussmitgliedern verkündete. Es gibt bereits 14 öffentlich zugängliche Ladestationen im Stadtgebiet und im Vergleich zu anderen Orten überdurchschnittlich viele E-Autos. Letzteres gilt offenbar auch für den Landkreis. Kommt hier ein E-Auto auf 435 Einwohner, so liegt der entsprechende Wert im Landkreis Erding bei 732 und im Landkreis Deggendorf gar bei 1.153 Einwohnern. Insgesamt bewegt sich das elektrische Fahren aber auch im Landkreis Landsberg auf niedrigem Niveau. Der Anteil der E-Autos an den zugelassenen Pkw beträgt gerade einmal 0,35 Prozent.

Für ein mögliches Ausbau­szenario nannte Geis im Wesentlichen vier Handlungsfelder: den weiteren Ausbau der Lade-Infrastruktur im öffentlichen Raum, die Förderung des Ausbaus durch Unternehmen und Einzel­handel, eine Umstellung des städtischen Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge sowie die Förderung privater Lade-Infrastruktur. Neben einer Vielzahl an Einzelmaßnahmen riet Geis zu Anreizsystemen, um die Bürger mitzunehmen.

Einstimmig beauftragte der Bauausschuss die Stadtverwaltung, das E-Mobilitätskonzept in den Verkehrsentwicklungsplan zu integrieren und anschließend zur Entscheidung vorzulegen.

Bereits zwei Tage vor der Bauausschusssitzung hatte ULP-Investor Michael Ehret den Stadtrat über ein Mobilitätskonzept informiert, das er im neuen Wohngebiet am Papierbach realisieren will. Angedacht ist demnach eine Sharing-Flotte aus E-Autos, E-Bikes und E-Lastenrädern (E-Cargo) mit entsprechender Lade- und Verleih-Infrastruktur. Die genaue Ausgestaltung und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden in Gesprächen zwischen Stadt und Investor noch zu klären sein. Wie es in einer Pressemitteilung der Stadt heißt, habe Ehret betont, das Vorhaben Landsbergs zu unterstützen, Modellstadt für intelligente Mobilität zu werden.

Ebenfalls anwesend bei dem Termin war ein Anbieter, der in Friedrichsdorf im Taunus bereits ein Konzept für öffentliche und kommunale Nutzung von E-Autos realisiert hat. Bürgermeister Felix Bredschneijder (SPD) hatte sich kürzlich im Auftrag des Stadtrats vor Ort darüber informiert.

Ein konkreter Schritt zum Ausbau der Ladeinfrastruktur in Landsberg wurde im Bauausschuss im nächsten Tagesordnungspunkt beschlossen.

Mehr Ladesäulen

Ein Beitrag zur Ladeinfrastruktur kommt auch von anderer Seite: Vor dem Landratsamt in der Von-Kühlmann-Straße werden zwei Ladesäulen für E-Autos errichtet. Um die notwendige Stromversorgung zu gewährleisten, werden die Stadtwerke von einem bestehenden Verteilerkasten am Mutterturm eine 250 Meter lange Leitung bis vor die Kfz-Zulassungsstelle legen. Die Kosten der gesamten Baumaßnahme in Höhe von 40.000 Euro trägt der Landkreis. Doch auch die Stadt leistet einen finanziellen Beitrag. Da für die Nutzer der Ladesäulen insgesamt vier Stellplätze aus der Bewirtschaftung genommen werden, erhält die Stadt weniger Parkgebühren. Insgesamt dürfte der Einnahmeausfall rund 5.400 Euro im Jahr betragen, hieß es im Sachvortrag.

Kritik kam im Bauausschuss von Seiten der CSU-Fraktion. Petra Ruffing wollte wissen, warum man an dieser Stelle keine Parkgebühr zahlen solle, während man sein Auto lädt. „In der Tiefgarage zahlt man ja auch.“ Petra Kohler-Ettner warnte vor weiteren Einnahmeausfällen, wenn die Ladeplätze für E-Autos sukzessive mehr werden.

Ordnungsamtschef Ernst Müller wies darauf hin, dass E-Fahrzeuge auf den städtischen Parkflächen ohnehin während der ersten Stunde von Gebühren ausgenommen sind. Die Stellplätze an den Ladesäulen sollten „keine privilegierten Dauerparker“ werden, sondern mit möglichst hohem Durchsatz genutzt werden. Deshalb würden die Plätze, ebenso wie alle anderen, von der Verkehrsüberwachung kontrolliert werden.

Schlussendlich beschloss eine Mehrheit von 8:5, an den Ladesäulen keine Parkgebühren zu erheben. Für das Kooperationsprojekt mit dem Landkreis zur Errichtung der Ladesäulen lautete das Abstimmungsergebnis 12:1.

Eine weitere Ladesäule haben die Stadtwerke bereits auf dem Parkplatz der Waitzinger Wiese aufgestellt. Zudem wurden die Säulen vor dem Kundencenter Erpftinger Straße und in der Lechgarage gegen neue ausgetauscht, informiert Pressesprecherin Katharina Haberling. Es gibt drei Möglichkeiten für den Ladevorgang: Ad hoc über einen QR-Code, per App/RFID-Karte eines Fahrstromanbieters oder über die App des „Ladeverbunds +“. Die Kosten für die Kilowattstunde Strom liegen zwischen 32 und 42 Cent.

Ulrike Osman

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