"Landsberg kann mehr!"

CSU-OB-Kandidat Mathias Neuner (links) zeigt sich höchst überrascht, wie leicht es doch war, von Landesvater Horst Seehofer im Wahlkampf direkt unterstützt zu werden Foto: Kruse

OB-Kandidat Mathias Neuner hat sich nach eigenen Worten „selbst gewun­- dert“, wie leicht es ihm die CSU machte, hochkarätige Unterstützung im Wahlkampf zu bekommen: „Am Mittwoch ging meine e-Mail an die Staatskanzlei, am Donnerstag kam die Antwort: ich komme“, berichtete Neuner auf seiner Wahlkampfveranstaltung im Stadttheater. Und er kam, inklusive Leibwächtern, bayerischem Defiliermarsch und allem, was dazu­- gehört: CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer sprach eine gute Stunde vor rund 200 Zuhörern und fand deutliche Worte vor allem hinsichtlich der Landes- und Bundespolitik.

Ein richtiges Wahlkampfgeschenk hatte er für Neuner nicht mitgebracht, dessen Andeutungen hinsichtlich der fälligen Sanierung des Bayertores („Wenn Sie uns die bezahlen, hängen wir von Ihnen, wie von Herzog Ernst, auch ein Bild ins Rathaus.“) kommentierte Seehofer verhalten positiv: „Meine Angestellten in der Staatskanzlei haben immer Angst, wenn ich das Haus verlasse, denn dann wird es teuer. Ich kann hier keine feste Zusage machen, aber ich verspreche, mich zusammen mit Thomas Goppel nach Kräften dafür einzusetzen. Und, ja, so ein Bild im Landsberger Rathaus, das hätte ich schon gerne.“ Ansonsten stellte Seehofer vor allem die Paraderolle Bayerns im innerdeutschen und europäischen Vergleich heraus, sprach vom „Fünf-Sterne-Land“ und „Premium-Land“, erklärte dann aber auch, warum er Mathias Neuner für den geeigneten Kandidaten hält: „Er stellt die Dinge richtig dar und hat die nötige Leidenschaft, er ist der richtige Mann für dieses Amt. Man kann nicht erfolgreich Politik machen, wenn man nicht brennt. Es ist auch gut, dass er aus dem Berufsleben kommt; ich habe zu viele erlebt, die direkt von Ausbildung oder Studium in die Politik gewechselt sind.“ Für Neuners Ehefrau Renate hatte Seehofer noch den Rat: „Stellen Sie sich darauf ein: Bis jetzt sehen Sie ihn selten. Wenn er Oberbürgermeister wird, sehen Sie ihn gar nicht mehr.“ Trotz dieser Prognose strebt Neuner seiner Aussage nach das Amt mit Hingabe an: „Ich bin Landsberger, ich bin hier groß geworden, liebe diese Stadt und es wäre mir eine Ehre, ihr als OB dienen zu dürfen.“ Mit offener Kritik an Amtsinhaber Lehmann hielt sich der 45-Jährige wie bisher zurück und verlor nur einen Halbsatz über die Derivataffäre: „Der Aufklärer muss ein anderer sein.“ Allerdings machte Neuner über seine Schwerpunkte deutlich, wo er Handlungsbedarf sieht: „Wir haben eine gute Konjunktur, praktisch Vollbeschäftigung, aber 60 Millionen Schulden, da stehen wir im Vergleich relativ schlecht da. Das darf nicht sein, wir brauchen einen Wechsel, diese Schulden müssen im Interesse unserer Kinder jetzt bezahlt werden.“ Beim Thema Verkehr müsse man einen Spagat schaffen. „Die Autos müssen aus der Innenstadt raus, die Landsberger wollen sie da nicht mehr haben. Aber die Leute müssen und werden weiter Auto fahren, das ist auch per se nichts Schlechtes. Auch das muss bei den Planungen berücksichtigt werden.“ Ein weiteres großes Ziel: „Wir müssen die Energiewende vollziehen und dafür wesentlich mehr Eigenenergie erzeugen.“ Neuners Fazit: „Ich habe 25 Punkte in meinem Wahlkampfprogramm, damit wir im 25. Jahr endlich wieder einen CSU-Oberbürgermeister bekommen. Ich weiß, dass wir viel erreicht haben und gut dastehen. Ich weiß aber auch: Landsberg kann mehr.“ Markige Worte fand erwartungsgemäß CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Er zitierte zur Derivat-Affäre Franz-Josef Strauß. Dieser habe gesagt: „Eher legt ein Hund einen Wurstvorrat an, als dass ein Sozialdemokrat lernt, mit Geld umzugehen.“ Und am Beispiel Landsberg sehe man, dass das immer noch stimme. Für den bisherigen OB sei es „vielleicht ein bisschen bequem geworden, da muss eindeutig wieder Schwung rein“, meinte Dobrindt, der zuvor unfreiwillig für den Lacher des Abends gesorgt hatte: „Ich weiß nicht genau, was es bedeutet, wenn schon vor meiner Rede das Deutschlandlied gespielt wird“, begann er seinen Vortrag. Die Stadtkapelle indes hatte die Bayernhymne intoniert. Dobrindt ließ sich aber nicht lange irritieren und richtete sich zum Schluss an Mathias Neuner: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Dich ein großer Wahltag erwartet und dass Du mit einem Sieg beweisen wirst, dass Du das besser kannst als die, die zur Zeit die Verantwortung tragen.“

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Ziegelanger: Wohnungsbau mit Stolpersteinen
Der zahnlose Tiger im Nahverkehr
Der zahnlose Tiger im Nahverkehr
40 Mal direkt in die Lehre
40 Mal direkt in die Lehre

Kommentare