Kommentar zur Wahl in Landsberg

Richtung Stabilität

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Bunte Vielfalt - nicht nur auf den Plakatständern zur Kommunalwahl in Landsberg.

Das Ergebnis der Kommunalwahl lässt tief blicken. Beginnen wir mit den Grünen. Sie haben in der Stadt leicht und im Kreis deutlich zugelegt. Ganz anders sieht es aber bei den Wahlen der Spitzenbeamten aus. Weder im Kreis noch in der Großen Kreisstadt noch in Dießen noch in Utting erreichten die Kandidaten der Grünen die Stichwahl. Auch in München und Augsburg ist das gleiche Phänomen zu beobachten: viele Stadträte, keine Bürgermeister.

Die Wähler wollen offenbar, dass die Ideen der Grünen in den kommunalen Gremien gut vertreten sind. Sie betrauten ihre Kandidaten aber nicht damit, die Verwaltung zu führen, die Sitzungen zu moderieren und die Kommune zu repräsentieren. Bei der SPD ist es genau umgekehrt. In der Stadt Landsberg erzielte ihr OB-Kandidat Felix Bredschneijder ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis. Die Partei hingegen blieb auf einem niedrigen Niveau und erreichte erneut nur halb so viele Sitze wie die CSU. Was ohne Bredschneijder passiert wäre, lässt sich im Kreis ablesen. Dort brach die SPD auf 7,6 Prozent ein. Die SPD hatte auf die Aufstellung eines Landrats-Kandidaten verzichtet; sie war dort als Wagen ohne Zugpferd unterwegs.
Die CSU ist bei leichten Verlusten nahezu stabil geblieben. Landrat Thomas Eichinger musste nicht in die Stichwahl, weil es eine faktische Wahlempfehlung der SPD für ihn gab und der Kandidat der Grünen nicht mehr als das Stimmen-Niveau seiner Partei bei der Wahl zum Kreistag erreichte. Aber: Mit den Grünen gibt es im Kreistag nun eine große zweitstarke Fraktion und damit erstmals so etwas wie eine Opposition. Diese Rolle haben die Wähler wohl auch beabsichtigt, denn die Grünen haben aus allen Lagern außer der CSU Zugewinne erzielt. Erfreulich ist: Landsberg hat kein AfD-Problem, die Rechten erreichten auf Kreisebene nur zwei Prozent.
Bei der Wahl zum Landsberger Oberbürgermeister (m/w) war nicht überraschend, dass Doris Baumgartl (UBV) und Mathias Neuner (CSU) in die Stichwahl gekommen sind. Allerdings hatte mit der Reihenfolge kaum jemand gerechnet. Nun kommt es darauf an, wie sich die Wähler von Moritz Hartmann (Grüne) und Felix Bredschneijder (SPD) im zweiten Wahlgang entscheiden. Baumgartls diffuse Aussagen zur Südumgehung und die grundsätzliche Positionierung der (bei der Stadtratswahl stagnierenden) UBV, bei der immer wieder populistische Argumentationen durchscheinen, dürfte zu einer mehrheitlichen Orien­tierung in Richtung Mathias Neuner führen. Knapp wird es aber allemal.
Die Zusammensetzung des neuen Landsberger Stadtrats ist zwar von der Sitzverteilung her fast gleich geblieben. Allerdings gibt es eine bemerkenswerte Entwicklung: Weder der Verkehrsexperte Henrik Lüssmann noch der Ausländerbeauf­tragte Jost Handtrack wurden wiedergewählt. Grund dafür ist, dass sich die Grünen entschieden hatten, Vertreter des Jugendbeirats und von „Fridays for future“ nicht nur auf ihre Liste aufzunehmen, sondern sogar auf vordere Listenplätze zu setzen – und die Liste zog mehr als früher. Die 20- bis 24-Jährigen haben mit Hilfe sozialer Medien ihre Chance genutzt: Vier von sieben Fraktionsmitglieder der Grünen sind jung und neu.

Das Fazit: Die CSU hält sich. Die Grünen gewinnen hinzu, aber die Wähler vermissen bei ihnen Führungskompetenz. Die SPD punktet nur wegen Bredschneijder. Die kleinen Parteien und Wählergruppen stagnieren oder nehmen ab. Es geht in Richtung Stabilität.
Werner Lauff


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