Kultur  geht online

Landsberg: "Kunst hält Wache" plant Online-Eröffnung

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Kunst hält Wache: Initiator Franz Hartmann (Mitte) mit den Künstlern und Mitorganisatoren Harry Sternberg (links) und Janos Fischer im Landsberger Frauenwald.

Landsberg – „Für die meisten ist das momentan das Kriegsähnlichste, was wir bisher erlebt haben.“ Der künstlerische Leiter von „KunsthältWache“ im Frauenwald Franz Hartmann spricht von den persönlichen Einschränkungen aufgrund der Coronakrise – wobei er die ergriffenen Maßnahmen nicht kritisieren will. „Das Projekt ist dadurch aber wichtiger als zuvor“, ist er überzeugt. Es spiegele das wider, was wir momentan erleben. „Es betrachtet das Jetzt an einem denkwürdigen Ort, auch auf eine fiktive, unverblümte Weise.“ Die geplante Eröffnung am 30. April ist eher unwahrscheinlich. Doch bis die Alte Wache ihre Pforten öffnen darf, hier auch hilft das Netz.

Denn ein Datum ist nicht verschiebbar: der 8. Mai, das Ende des Zweiten Weltkriegs. „Da sollen die Friedensfahnen auf jeden Fall hängen“, betont Hartmann. Jugendliche jeden Alters gestalten dafür Fahnen – 750 waren geplant –, die in der gesamten Stadt aufgehängt werden sollen. Eigentlich sollten die in den Schulen gestaltet werden, oder mit den Machern von KunsthältWache gemeinsam. „Wir hatten schon 400 Fahnen und Stifte ausgeliefert“, erzählt Hartmann. Die haben die Jugendlichen jetzt nicht bei sich zuhause. Aber egal: Die jungen Kreativen malen ihr Bild auf Papier, fotografieren es und schicken es per E-Mail an Franz: „80 Fotos sind schon da!“ Er habe auch welche in der Stadtbibliothek gesehen, „da komme ich gerade nicht dran“. Aber viele seien am Malen. Der BR habe die jungen Künstler sogar durchs Fenster gefilmt.

Das Foto druckt Hartmann dann auf Folie aus und bügelt es, im Schweiße seines Angesichts, auf die Fahnen. Eine Arbeit, die ihm aufmerksame Facebook-KunsthältWache-Zuschauer erleichtert haben: „Nachbarschaft in Coronazeiten“, schreibt Hartmann in einem Post: „Sehen in FB, wie ich mich mit meinem Bügeleisen plage. Und stellen mir diese schöne Thermopresse vor die Tür ... 1.000 Dank!!!“ Not macht ganz offensichtlich nicht nur erfinderisch, sondern auch solidarisch.

Die 30 Künstler, die an dem Projekt teilnehmen, denken ihre Arbeiten ebenfalls neu. „Sie schicken uns Videos, Ideen, wie sie an ihr Projekt unter diesen Umständen herangehen können“, erzählt Hartmann. Die jetzige Situation mache einem bewusst, was 75 Jahre Frieden, Freiheit und Wohlstand im eigenen Land bedeuteten. Und gebe den Arbeiten eine weitere Facette. Die momentan in Beirut lebende Sina Schweikle, die in ihrer Arbeit den Zustand zwischen Krieg und Frieden thematisiert, sei in Quarantäne. Das Buch „Todesursache Flucht“ der Journalistin Kristina Milz, die mit anderen an einer Installation arbeitet, sei für manchen jetzt vielleicht nachvollziehbarer. Ein Sicherheitsexperte werde in einer Arbeit vertreten sein. Und auch Konstantin Weckers Bagdad-Reise kurz vor dem Irak-Krieg, die er mit anderen in einer Installation verarbeiten wird, erhält einen weiteren Dreh.

Ein Projekt, das noch vor den Ausgangseinschränkungen fertig geplant wurde, ist „Erobert eure Räume“: Jugendliche, die sich in fünf Räumen der Alten Wache austoben dürfen. Zwei elfte Klassen des DZG werden eine Videogeschichte erzählen, eine Klasse der Waldorfschule präsentiert Klanginstallationen, eine junge Künstlerin lässt Papiertauben fliegen, auch eine achte Klasse der Mittelschule ist mit dabei. „Die fünf Räume sind also voll“, freut sich Hartmann. „Zumindest, wenn die Jugendlichen dann endlich rein dürfen.“

Insgesamt sind Hartmann und die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins „Kunst hält Wache“ von der Zusammenarbeit aller begeistert. Nachdem man bei der Stadt anfangs nur wegen der Räume angefragt habe, sei vom ersten Gespräch an klar gewesen, dass die Stadt nicht nur unterstütze, sondern mitarbeite, mitgestalte. „So können wir etwas auf die Beine stellen, was wir alleine in dieser Größenordnung nicht hätten stemmen können.“ Die Arbeit mit dem Kulturbüro sei „eine wahnsinnig gute Ergänzung.“ Auch die Sponsoren und Förderer hielten dem Projekt die Stange. Dieser Zusammenhalt helfe. „Auch dann, wenn man Schwierigkeiten wie jetzt zu bewältigen hat.“
Susanne Greiner

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