21 Meter sind zu viel

Landsberg: Der Lech-Philharmonie droht das Aus

+
Wie der Kulturbau im ULP aussehen soll, vor allem wie hoch er werden wird, ist noch nicht klar. Stadt und der Investor sind aber im Gespräch.

Landsberg – Die Zwistigkeiten beim Thema Kulturbau im Urbanen Leben am Papierbach (ULP) kann man auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Die Stadt muss sich entscheiden. Soll ins Erdgeschoss des Gebäudes ein hoher Konzertsaal – und damit einhergehend eine Gesamt-Gebäudehöhe von über 20 Metern? Oder braucht es doch eher einen Veranstaltungsraum mit geringerer Deckenhöhe – und einem insgesamt niedrigeren Gebäude? Beide Ergebnisse wären realisierbar. Natürlich nur mit Kompromissen auf Seiten der Stadt, der Kulturschaffenden oder des Investors und Projektentwicklers ehret + klein.

Die Entscheidung, was wie gebaut wird, liegt letztendlich bei ehret + klein, respektive bei dessen 100-prozentiger Tochter „Am Papierbach Entwicklungsgesellschaft“ (APE). Momentan ist im Erdgeschoss neben der Hotellobby der achteinhalb Meter Hohe und 450 Quadratmeter große Saal geplant. Daneben ein 70-Quadratmeter-Raum für die museumspädagogische Druckerei des Stadtmuseums sowie ein 30 Quadratmeter großer Raum für Workshops. Weitere Workshop-Räume sind im ersten Obergeschoss, zusammen mit einer Begegnungsstätte oder öffentlichem Raum. Ab dem zweiten Geschoss beginnen die Hotelzimmer.

„Wir werden den Saal multifunktional bauen“, betont Projektleiter Benjamin Johansson. Zwar plane man Aufhängepunkte für beispielsweise Bühnentechnik. Der Raum mit seinen 400 Sitz- oder bis zu 700-Stehplätzen werde aber sicher nicht teilbar sein: „Das ist technisch äußerst aufwendig.“ APE präferiere eine buntgemischte Nutzung: Tagungen, Ausstellungen, Theater oder eben auch Konzerte. „Dafür braucht man sicher eine gewisse Höhe.“ Und die liege wahrscheinlich „irgendwo dazwischen“ – also zwischen den momentan im Bebauungsplan eingeschriebenen 4,5 Metern und den von den Kulturschaffenden um Wolfgang Hauck favorisierten 8,5 Metern. Ein Gutachten der Stadt habe allerdings gezeigt, dass die momentan geplanten achteinhalb Meter nur für klassische Konzerte mit großer Besetzung notwendig wären. Ansonsten reichten beispielsweise 6,5 Meter aus.

Durch die eingeplanten Höhen – 8,5 Meter Deckenhöhe und eine daraus resultierende Gesamthöhe von 21 gegenüber den ursprünglichen 14,5 Metern im Bebauungsplan – würde eine Änderung des B-Plans notwendig. Auch die Geschossflächen haben sich durch die Umplanung vergrößert. „Eine B-Plan-Änderung kommt für uns aber nicht in Frage. Das zieht einen Rattenschwanz hinter sich her, das würde viel zu lange dauern.“ Darüber habe man auch schon offen mit der Stadtverwaltung gesprochen, die ebenfalls keine B-Plan-Änderung anstrebe. Eine Befreiung vom B-Plan sei vielleicht möglich, bei der Höhenüberschreitung aber eher unwahrscheinlich.

Vertraglich sei man lediglich zu einer Deckenhöhe von 4,5 Metern und 500 Quadratmetern Fläche verpflichtet. „Alles weitere ist ein Entgegenkommen der Stadt und den Bürgern gegenüber.“ Es sei aber nicht die Art von ehret + klein, die Wünsche der Bürger nicht zu berücksichtigen und stur die für den Investor günstigsten Pläne zu realisieren.

Natürlich könne man den Bau niedriger halten, sagt Johansson. „Aber dann muss ich mich fragen, wie ich das kompensiere.“ Mit geringerer Höhe werde auch das Hotel kleiner, weshalb man dann auch mit dem Hotelbetreiber rückverhandeln müsse, da womöglich ein Vertragsbruch vorliege. Und rückverhandeln müsse man dann eben auch mit der Stadt. Er gehe aber nicht davon aus, dass sich der Stadtrat für die 8,5 Meter aussprechen werde.

Was die Belegung des hohen Konzertsaals angehe, habe Hauck in der letzten Juni-Woche den von ehret + klein beauftragten fiktiven Jahresplan vorgelegt – also ein Plan, der nicht nur die von ehret + klein der Stadt gegenüber eingeräumten 30 Tage Nutzungsmöglichkeit pro Jahr umfasst. Diesen wolle man nun prüfen. Wie oft der Saal belegt werden müsse, damit das Konzept finanziell tragfähig sei, hänge ganz von den Veranstaltungen und den dabei resultierenden Einnahmen ab. Auch die Saalmiete hänge von den Anforderungen der Darbietenden ab. Besitzer sei momentan die APE, man entwickle derzeit aber ein Betreiberkonzept. Das könne das Hotel sein, eine extra dazu gegründete Gesellschaft von ehret + klein oder auch die Stadt.

Jetzt gehe es darum, dass die Stadt konkret sage, was sie wolle. Ende 2018 habe man mit der Stadt in großer Runde besprochen, dass der Saal höher werden solle. Nachdem man nun, basierend auf Haucks konkreten Forderungen nach einem hohen Konzertsaal, ein anderes Konzept ausgearbeitet habe, gebe es wieder Einwände. „Dass es aber immer noch keine Einigung gegeben hat, dass der Bedarf noch nicht festgelegt wurde, obwohl es 2018 schon eine Marschrichtung gab, verwundert uns“, fasst Johansson die Stimmung bei der APE zusammen.

Wolfgang Hauck

Hauck sieht die Handlungspflicht auch bei Stadt und Stadtrat, hält sie jedoch nicht für „ausreichend informiert“. Er habe bereits 2015 durch eine „qualitative und quantitative Erhebung“ in Zusammenarbeit mit der Bürgergruppe ULP den Bedarf eines Konzertsaals kommuniziert. Das habe auch die Studie von frankonzept ein Jahr später bestätigt, ebenso die Befragung von rund 30 Kulturschaffenden in der Stadt. Eine Verlegung der Konzerthalle nach Penzing halte er für unsinnig. „Es wäre sinnvoller, das Stadtmuseum und die Landesausstellung in Penzing anzusiedeln, auch logistisch und verkehrstechnisch.“

Eine Sondersitzung zum Thema Kulturbau, wie sie Kulturreferent Axel Flörke (Landsberger Mitte) vergangene Woche beantragt hat, sei keine Lösung, da viele Ausarbeitungen für den Saal im Stadtrat nicht bekannt seien. Vielmehr gelte es, Sachverständige anzuhören und anschließend die Anforderungen an den Saal aufzulisten, um eine Entscheidung treffen zu können.

Kulturbüro und OB

„Von der Stadt gibt es keinen Belegungsplan für die 30 Tage, die ehret + klein uns zur Nutzung einräumt“, sagt Kulturbüroleiterin Claudia Flörke. Den könne sie erst machen, wenn feststeht, wie der Raum letztendlich ausgestattet sein wird. Auch APE betont, dass das für die Planung jetzt nicht nötig ist.

Man habe aber sicherlich Bedarf, so Flörke. Die Musikschule habe Interesse an dem Veranstaltungsraum, auch Snowdance, ebenso könne die Stadt dort Versammlungen abhalten. Und die restlichen Tage, die die Stadt nicht nutze, „können wir an die Kulturschaffenden weitergeben, im Sinne einer Kulturförderung“.

In Landsberg fehle tatsächlich ein Raum dieser Größe, auch für Populärkultur. Frankonzept habe zudem auch einen Mangel an Ausstellungs- und Übungsräumen in Landsberg konstatiert. Wenn man Kultur in unterschiedlichstem Ausmaß haben wolle, brauche man auch einen Raum mit ungefähr sieben bis acht Metern Höhe. So ein Saal sei sicher einer Weiterentwicklung der Kultur in Landsberg zuträglich. „Aber ob er am Papierbach an der richtigen Stelle stehen würde, ist eine andere Frage.“ Welche Nutzung letztendlich gewollt ist, müsse der Stadtrat entscheiden.

Wolle man hingegen ein Tagungshotel, sei Kultur eben im Kleinformat möglich. Zum Beispiel Ausstellungen, obwohl man bei Skulpturen schon in Bezug auf die Höhe an Grenzen stoßen könne.

Auch Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl betont, dass die Stadt keine weitere Änderung des Bebauungsplans wolle: „Ob eine Änderung des Bebauungsplanes angestrebt wird, ist primär seitens des Bauherrn zu entscheiden. Die Stadt hält an dem gültigen Bebauungsplan fest.“ Eine Befreiung sei bei der geplanten Gebäudehöhe nicht möglich. Man sei aber „zur weiteren Entwicklung in Gesprächen mit ehret + klein“. Dass der Investor an dieser Stelle ein Hotel statt Atelierwohnungen errichten wolle, sei seine Entscheidung. Die Stadt könne keine Planungsaufwendungen ausgleichen, die vor der Einreichung eines Bauantrages entstünden.

Die Hoffnung einiger Kulturschaffender, dass eine Nutzung außerhalb des 30-Tage-Nutzungsrecht der Stadt durch die Stadt finanziell subventioniert werde, verneint Baumgartl nicht ausdrücklich. Aber: „Im Rahmen unserer Kulturförderung unterstützen wir die Kulturschaffenden bereits jetzt. Hier können sowohl Raummieten erstattet, wie auch Räume kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.“ Für die ihr zugestandenen 30 Tage Nutzungsmöglichkeit müsse die Stadt keine Miete zahlen..

Ob die von Axel Flörke beantragte Sondersitzung stattfindet, wird im Stadtrat am 15. Juli entschieden.
Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company
Bis dass die Socken dampfen: Ein Rundgang durch das Breite Moos 
Bis dass die Socken dampfen: Ein Rundgang durch das Breite Moos 

Kommentare