Jahresbilanz des BRK-Kreisverbands Landsberg

BRK Landsberg: Mehr Einsätze und mehr Ehrenamtliche

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Hofft auf den Spatenstich für das neue BRK-Sozialzentrum in der Celsiusstraße in diesem Jahr: Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner

Landkreis – Das Resümee von Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner für 2019 ist deutlich: „Es war ein gutes Jahr.“ Der BRK-Kreisverband habe eine „anständige Leistung“ erbracht. Im Ehrenamt gibt es einen satten Zuwachs von 150 Aktiven, die meisten davon bei der Wasserwacht. Bei den Fördermitgliedern ist die „magische Marke“ der 10.000 geknackt. Und mit deren Hilfe hat es auch für einen neuen (gebrauchten) Rettungswagen gereicht, den das BRK Landsberg komplett selbst finanziert hat. Der Grund für den Bedarf: gestiegene Einsatzzahlen, die durch die von den Krankenkassenträgern finanzierten regulären Rettungswagen nicht mehr aufgefangen werden können.

Der ‚Neue‘ steht im Hof. Dass er bereits im Einsatz war, sieht man. Seine Jungfernfahrt hatte er am Lumpigen Donnerstag, erst letzte Woche war er in Reisch. Der Rettungswagen sieht etwas anders aus, „ein futuristisches Design“, sagt Lehner. Der gebrauchte Neue hat innen sogar eine Lichtorgel – um für den Patienten eine beruhigende Atmosphäre zu schaffen. Neu koste so ein Wagen rund 120.000 Euro, den gebrauchten habe das BRK für 50.000 ersteigert. Er solle zur „Spitzenabdeckung bei Notfällen“ dienen, so Lehner. Das BRK Landsberg habe schlicht zu wenig Einsatzfahrzeuge. Ein Grund dafür seien die gestiegenen Ausfallzeiten der Wagen. Denn seit die Kriterien für die Erneuerung eines Rettungswagens gestiegen sind – mindestens fünf Jahre alt, mindestens 250.000 Kilometer –, fallen die Wagen öfter wegen Reparaturen aus. Ein weiterer Grund seien die gestiegenen Einsatzzahlen: 2019 waren es 14.208, 230 Einsätze mehr als 2018. Diesen Zuwachs begründet Lehner im Demografiewandel. Der Leiter des Rettungsdienstes, Christian Haberkorn, spricht auch von einer „sehr geringen Hemmschwelle, den Rettungsdienst zu rufen. Aber natürlich ist einmal zu viel besser als einmal zu wenig.“

Einen starken Anstieg verzeichnet das BRK auch beim Essen auf Rädern: Von 100 Kunden im Jahr 2018 verdoppelte sich die Zahl fast auf 180. Problematisch sei, dass man aufgrund von Hygienebestimmungen nur einen Radius von gut zehn Kilometern um die Celsiusstraße abdecken könne, so Lehner. „Dabei sind aber immer mehr Menschen nicht mehr so mobil.“

Mehr Asylsuchende

Aufgrund der aktuellen Krise in Syrien und den zu erwartenden Asylsuchenden sei man froh, dass man den Bereich Flüchtlingsarbeit gepflegt habe, sagt Lehner. Wobei hier auch Spendengelder zum Tragen kämen, „der Bereich ist nicht komplett refinanziert“. Für die zu erwartenden Asylsuchenden sei man gerüstet, auch aufgrund der Ehrenamtlichen im Sanitätsdienst.

Eine akute Notsituation könne auch aufgrund des Coronavirus eintreten. So wurde am Dienstag vergangener Woche die Alarmstufe 1 für alle Einheiten des Katastrophenschutzes ausgerufen. Man habe auch hier genug Zelte und Betten, beruhigt Lehner.

Kindergärten

Der wichtigste Aspekt im hauptamtlichen Bereich liegt für das BRK Landsberg nicht beim Rettungsdienst, sondern im Kindergartenbereich. Vor allem freue er sich über die Vergabe der Kita-Trägerschaft in Denklingen. Insgesamt betreue der Kreisverband 700 Kinder im Alter von 0 bis 11 Jahren – auch Grundschüler. Man habe alle Personalstellen belegt, „mit den Gemeinden ist es eine gute Zusammenarbeit“, urteilt Lehner. Dieses Jahr gibt es auch ein großes Jubiläum: Der Kindergarten in Weil feiert als einer der ersten BRK-Kindergärten Bayerns sein 30-Jähriges.

Ehrenamt

Momentan hat der Kreisverband 1.437 Ehrenamtliche. Die waren 2019 vor allem am Ruethenfest-Wochenende gefragt, an dem zeitgleich das Kaltenberger Ritterturnier stattfand – „immer eine logistische Herausforderung“, betont Lehner. Unterwegs seien rund 120 Helfer gewesen, weshalb man auch einen Zuwachs von über 1.000 Einsatzstunden verzeichne. Auch in den Kleiderläden und beim Blutspendedienst sei ehrenamtlicher Einsatz gefragt. Eine Kleiderschwemme habe man immer noch, erzählt Lehner. Einiges nehme man nicht mehr an, darunter auch Billigtextilien, da deren Haltbarkeit äußerst beschränkt sei.

Die größte ehrenamtliche Gemeinschaft sei indessen die Wasserwacht: mit 16.000 Wachstunden in den neun Ortsgruppen, 4.000 Ausbildungsstunden und 19.000 Stunden für die Jugendarbeit. Zum Glück seien 2019 weniger Menschen verunglückt, berichtet Haberkorn. Insgesamt habe die Wasserwacht mit 248 aber nur minimal weniger Einsätze als 2018 gehabt.

Für 2020 stehen einige Neuerungen an. So wird es auch in Landsberg ab April einen „Helfer vor Ort“ geben. Andreas Lehner sieht hier einen Bedarf von „locker 100 Einsätzen im Jahr“. Der Helfer vor Ort solle auch in Landsberg das ‚therapiefreie Intervall‘ bis zur Ankunft des Rettungsdienstes überbrücken. Denn oft stehe der RTW im Stau oder sei bei einem anderen Einsatz unterwegs. Zeitgleich feiert der erste „Helfer vor Ort“ in Reichling sein 20-Jähriges Bestehen. Zur Belohnung gibt‘s hier ein neues Fahrzeug.

Sozialzentrum

„Wir hoffen, dass wir heuer den ersten Spatenstich für das neue Sozialzentrum in der Ehren­preisstraße setzen können“, sagt Lehner. Die Baugenehmigung ist da, die Abbrucharbeiten und auch die Rohbauarbeiten seien ausgeschrieben. Fertig werden wolle man bis Mitte 2021. Die „Tafel Landsberg“ bleibe so lange wie möglich noch beim BRK, bevor sie ins Provisorium auf den Schlossberg ziehe. Der Neubau sei dringend: „Wir brauchen neben Mitarbeiterwohnungen auch die Tagespflegeplätze“, betont Lehner. Diese teilstationäre Einrichtung mit 22 Plätzen sei ein Angebot für beispielsweise demente Menschen, die körperlich noch fit sind. Für deren Pflege rechnet Lehner mit sechs bis acht neuen Arbeitskräften.

Zwar freut sich Lehner über die Baugenehmigung seitens der Stadt für das mit 4,5 Millionen Euro bezifferte Projekt. Dennoch sei es wichtig, dass Landsberg eine soziale Infrastruktur in der Pflege herstelle. „Neue Pflegeheime sind dabei nicht die Lösung.“ Der Stadtrat müsse dabei über eine finanzielle Unterstützung auch für Kurzzeitpflegeplätze entscheiden. „Das sind die Themen der Zukunft.“

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