"Landsberg war mein Herzenswunsch"

Seit Monaten ist bekannt, dass Stadtpfarrer Thomas Rauch Angang September als neuer Dompfarrer und Stadtdekan nach Augsburg wechseln wird. Großes Rätselraten gab es seither um seinen Nachfolger. Dieses Geheimnis ist nun endlich gelüftet: Neuer Stadtpfarrer wird der 34-jährige Michael Zeitler aus Starnberg, bislang Benefiziat in der Pfarreiengemeinschaft Buchloe.

Rauch selbst verkündete die Nachricht am Sonntag wäh­rend des Gottesdienstes in der Heilig-Kreuz-Kirche. „Ich kann ihn mir hier gut vorstellen“, sagte er nach der Messe. „Wir werden mit ihm einen sehr guten Stadtpfarrer haben. Ich habe ihn kennen gelernt und er ist wirklich mit Schwung und Vorfreude dabei.“ Rauch ist sich sicher, dass der Stabwechsel im September gelingen werde. „Viele wissen, dass mir die Pfarrei hier sehr wichtig ist. Mit Michael Zeitler weiß ich sie in besten Händen.“ Entschieden hatte der Landsberger Stadtrat, der seit dem Mittelalter das Besetzungsrecht hat und an den Michael Zeitler seine Bewerbung zu richten hatte. „Die Stelle war im Amtsblatt des Bistums ausgeschrieben“, sagte Zeitler im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Nach Rücksprache mit dem Bistum, einem ausführlichen Gespräch mit Rauch und einer zweiwö­chigen Bedenkzeit schickte Zeit­ler, der in München geboren und in Starnberg aufgewachsen ist, sein Gesuch an den Stadtrat. Es folgte ein Vorgespräch mit Bürgermeister Norbert Kreuzer und Justiziarin Petra Mayr-Endhart sowie die Vor­- stellung im Stadtrat. Und dieser sprach sich in der anschließenden Beratung für den 34-Jährigen aus. Inzwischen ist Zeitler von Bischof Walter Mixa offiziell ernannt worden und hat das Dekret erhalten. Gestärkter Rücken „Landsberg war mein großer Herzenswunsch“, betont Zeitler. Es sei umso schöner, wenn man nicht nur vom Bistum geschickt, sondern vor Ort ausgewählt werde. „Ich kann mit gestärktem Rücken nach Lands­- berg kommen.“ Auch Bürgermeister Kreuzer sieht in Zeitler einen würdigen Nachfolger für Rauch: „Ich denke er ist der Richtige. Wir waren nach der Stadtratsitzung noch mit ihm im ‚Mohren’ etwas trinken. Da hat man gemerkt hat, dass er sehr menschlich ist.“ Für Zeitler ist Landsberg nach Neu-Ulm und zuletzt Buchloe die dritte Station nach seiner Priesterweihe 2006. Dass ihn sein Weg einmal dorthin führen würde, war zunächst nicht absehbar. Denn nach seinem Abitur 1996 in Starnberg hatte Zeitler zunächst ein Jura-Studium in Passau begonnen, „eigentlich nur, weil ich dafür die Zulassung geschafft habe.“ Doch recht schnell kristallisierte sich heraus, dass ihn die katholische Theologie mehr interessierte. Zeitler wechselte nach München. Während des Theologiestudiums „wurde mir immer mehr klar, dass es in Richtung Priesteramt geht.“ Schon in seiner Kindheit in Starnberg sei er fasziniert vom Leben des Pfarrers gewesen und habe sich das auch für sich vorstellen können. So zog er ’98 ins Priesterseminar und studierte an der Uni Augsburg, wo er 2003 mit Diplom abschloss. Das „Freijahr“ nach dem Vordiplom verbrachte Zeitler an der Universität Salamanca in Spanien. „Ich wollte unbedingt noch eine Fremd­- sprache lernen“, denn er sei auf einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium ge­wesen. „Meine Eltern haben damals gedacht ‚Arzt oder Pfarrer wird der Bua eh’ nicht’“, schmunzelt Zeitler, der noch eine drei Jahre ältere Schwester hat. Den zweijährigen Pastoralkurs, sozusagen das Praktikum, absolvierte er zunächst in der Pfarrei Christi Himmelfahrt in Schongau, unterbrach ihn aber nach einem Jahr für eine viermonatige Pilgerreise zu Fuß von Starnberg auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. „Für mich war das eine Ruhezeit, um mir vor der Diakonweihe, bei der wir uns für das Zölibat entscheiden, noch einmal über alles klar zu werden.“ Nach der Diakonweihe 2005 setzte Zeitler den Pastoralkurs in Neu-Ulm fort und blieb dort nach seiner Priesterweihe 2006 noch für zwei Jahre. 2008 trat er schließlich seine Stelle als Benefiziat, sozusagen als Kaplan und zweiter Pfarrer mit eigenem Haushalt, in der Pfarreienge­mein­schaft Buchloe an. Zu Christus führen Die Landsberger Pfarrei Mariä Himmelfahrt wird der künftige Stadtpfarrer erst in der kom­men­den Woche bei einem Treffen mit den Verantwortlichen näher in Augenschein nehmen. „Wo künftig meine Schwerpunkte liegen werden, kann ich noch nicht sagen, dazu muss ich erst die Menschen vor Ort und ihre Anliegen kennen lernen“, so Zeitler. „Als Priester ist mein Hauptauftrag na­türlich, die Men­schen zu Christus zu füh­ren.“ Doch auch die Ökumene liege ihm sehr am Herzen. Dass Landsberg mit seinen zahlreichen kirchlichen Bauwerken von seinem Stadtpfarrer auch ein gewisses Interesse für das Bauwesen erfordert, weiß Zeitler bereits. „Aber ich habe mir sagen lassen, dass der Großteil der Baumaßnahmen schon erledigt sind.“ Er freue sich auf seine neue Aufgabe und darauf, dass die Umzüge der letzten Jah­re ein Ende hätten. „Landsberg ist endlich der Platz, wo ich Wurzeln schlagen kann.“

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