Hauptkommissar Strohmeier verlässt Landsberg

Michael Strohmeier wagt den Neustart bei der Kripo

Michael Strohmeier aus Landsberg Polizeihauptkommissar
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Der Erste Polizeihauptkommissar Michael Strohmeier verlässt Landsberg und wechselt zur Kripo nach München.

Landsberg – Immer nach fünf Jahren habe sich in ihm der Wunsch geregt, etwas zu ändern, sagt Landsbergs ehemaliger Erster Polizeihauptkommissar Michael Strohmeier. „Ich bin ein neugieriger kleiner Kerl – trotz meiner 1,90.“ Seine fünf Jahre bei der Polizeiinspektion Landsberg waren – exklusive eines Jahres für den G7-Gipfel – Ende 2020 rum. Und so wechselte der inzwischen 54-Jährige von Landsberg zur Kripo nach München – und darf sich nun Erster Kriminalhauptkommissar nennen. 

Gerade hat Michael Strohmeier seinen ersten Tag als Sachgebietsleiter bei der Kriminalpolizei absolviert. Und, wie ist es? „Anspruchsvoll. Komplett anders.“ Denn während die Arbeit bei der Polizei eher den Status quo feststelle, gehe es bei der Kripo ja ums Ermitteln. „Das ist eine ganz andere Welt.“ Momentan sei er noch am Sammeln von Wissen. Viel reden, lesen: „Ich bin im reinen Wissens-Saugmodus“.

Viele andere Sparten der Polizeiarbeit kennt Strohmeier bereits. Angefangen hat er bei der Bereitschaftspolizei, „kurz nach den Dinosauriern“, schmunzelt er. 1990 war das, in Dachau. Von der Bereitschafts- ging‘s zur Verkehrs­polizei nach Fürstenfeldbruck. Und nein, langweilig sei ihm da nie gewesen. Es gehe um die Regelung des gesamten mobilen Verkehrs, um das Suchen nach Unfallursachen und nicht zuletzt auch um überregionale Straftäter, die per Autobahn flüchten. Nach neun Jahren wechselte er zur regionalen Einsatzzentrale, erst in Fürstenfeldbruck, dann in Olching, wo er den gleichen Posten wie schließlich ab 2013 in Landsberg innehatte: Verfügungsgruppenleiter und stellvertretender Dienststellenleiter.

Der Küchenplaner beim G7-Gipfel

Während seinen knapp sieben Jahren in Landsberg machte Strohmeier einen gut einjährigen Ausflug: zu den G7-Vorbereitungen in Schloss Elmau. Von März 2014 bis August 2015 tummelte er sich dafür erst in München, dann in Garmisch. Dort ging es darum, eine alte Fabrikhalle für die Polizei umzubauen: „Ich war da sozusagen in der Hausbau- und Küchenplanung“, lacht Strohmeier.

Familiär vorbedingt sei sein Beruf nicht. Der Münchener ist in seiner Familie der erste Polizist, der Vater war Kfz-Mechaniker, die Mutter Friseurin. Dass sein Sohn oder seine Tochter – beide Anfang 20, beide studieren – in seine Fußstapfen treten, sei eher unwahrscheinlich: „Da ist der Vater das abschreckende Beispiel.“

Dass er selbst Polizist werden wolle, habe er schon mit 14 Jahren gewusst, sagt Strohmeier. Ausschlaggebend sei das Wiesn-Attentat 1980 gewesen. Und die Aktivitäten der RAF. „Das hat mich bewogen zu sagen: ‚Hier muss man Flagge zeigen‘.“ Allerdings sei der Berufswunsch in den Zeiten von Wackersdorf wieder ins Schwanken gekommen: „Da war ich deutlich distanzierter.“

Den Wechsel zur Kripo hat sich Strohmeier ebenfalls bewusst ausgesucht. Er hat dadurch keinen höherer Posten. Aber sein Arbeitsweg ist kürzer: „Statt 64 Kilometern bin ich jetzt jeden Morgen nur noch zwei Kilometer unterwegs“, freut sich der Münchener. Viel wichtiger ist aber etwas anderes: Strohmeier ist ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen: „Und ich will im Herbst meiner Laufbahn noch den kriminalpolizeilichen Bereich abdecken.“

Dabei ist es nicht so, dass der Hauptkommissar privat Krimis oder Thriller verschlingen würde. Ab und zu mal einen mit historischem Drall, beispielsweise Sherlock Holmes. Zeitgenössische Thriller seien nicht so sein Geschmack. Erst recht nicht deren Verfilmungen, da werde doch viel falsch dargestellt. Seine Lektüre drehe sich hingegen oft um Themenkomplexe wie den NSU – oder eben auch, aus der Jugendzeit bedingt, um die RAF. Weshalb er den Schwerpunkt seiner jetzigen Arbeit auf Extremismus legt. Das Spektrum Reichsbürger, Staatsleugner, Menschen, deren Handlungen gegen die Grundordnung gerichtet seien, das habe ihn in letzter Zeit immer häufiger beschäftigt und begleitet – auch in Landsberg. Eine Abgrenzung zum Privaten sei da nicht immer einfach.

Respekt voreinander

Die Zeit in Landsberg sei für ihn in seiner beruflichen Laufbahn bisher am schönsten gewesen: „Ich habe keinen Autobahnkilometer bereut.“ Und damit wolle er niemandem Honig ums Maul schmieren. Gefallen habe ihm einerseits seine berufliche Aufgabe: „abwechslungsreich und fordernd, auch wegen der Veranstaltungen wie beispielsweise das Ruethenfest oder dem PULS Open Air im Schloss Kaltenberg“. Natürlich gab es auch traurige Momente. Als sein Vorgesetzter Alfred Geyer 2019 starb. Oder das Baustellenunglück in Denklingen im letzten Jahr. Doch auch da habe es eine gute Zusammenarbeit mit allen gegeben, ein grundsätzliches Vertrauen. Als Aufgabe der Polizei sieht Strohmeier in solch leidvollen Momenten auch, den Menschen eine Sicherheit zu bieten. Ihnen die Sorge oder die Ungewissheit zu nehmen und so erst einen Umgang mit der Realität zu ermöglichen.

Gefallen habe ihm in Landsberg aber auch „das Völkchen, das hier lebt“. Seiner Erfahrung nach stehe hier der Mensch im Vordergrund, der Respekt voreinander – auch der Respekt vor dem Polizisten. Das, befürchtet der 54-jährige Kriminalhauptkommissar, „wird jetzt in München wohl anders sein.“
Susanne Greiner

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