Doppelt so viel wie bisher geplant

Landsberg: 50 Millionen Euro für Sanierung der Beruflichen Schulen

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Die Vorplanung für die Sanierung der Beruflichen Schulen steht: Der Kreisausschuss hat sich darauf geeinigt, dass die neue Mensa samt fünf Klassenzimmern im Obergeschoss um die Turnhalle gebaut werden soll (links unten). Die Werkstätten (rechts oben)sollen durch einen freistehenden Extrabau im Norden des bisherigen Bestands erweitert werden.

Landsberg – Die gute Nachricht: Die bis 2024 im Schulent­wicklungsplan eingeplanten Finanzmittel reichen vorerst zur Generalsanierung und Erweiterung der Beruflichen Schulen Landsberg (BSL) aus. Die schlechte Nachricht: Das ist nur so, weil die Sanierung voraussichtlich nicht 2024, sondern frühestens 2028 abgeschlossen sein wird. Denn insgesamt schätzt das mit der Vorplanung beauftragte Architekturbüro Kern die Gesamtkosten des Projekts auf gut 50 Millionen Euro – und damit auf fast doppelt so viel wie ursprünglich angedacht.

„Die Kostenschätzung berücksichtigt die Kosten Stand April 2020“, betont Architektin Anna Kern. Darin sei noch keinerlei Preissteigerung berücksichtigt. „Die letztendlichen Gesamtkosten sind momentan nicht professionell einschätzbar.“

Die Vorplanung habe nach Sichtung des Bestands mit Fachplanern für Sanitär, Elektro und weiterer Gewerke stattgefunden, betont Peter Kern. Erst so habe man ein „differenziertes Bild“ bekommen. Der Handlungsbedarf sei dringend. Kern zählt zwei Schwerpunkte auf: einerseits die energetische und dem Brandschutz geschuldete Sanierung, „da liegt sehr vieles im Argen“. Andererseits die Zukunftssicherung der Schule, also deren dringend benötigter Ausbau für mehr Schüler, die Bereiche wie E-Mobilität, Industrie 4.0 oder auch das neue Fach Gestaltung belegen. Um das zu gewährleisten, soll unter anderem eine weitere Werkstatt gebaut werden.

Zudem sei zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit auch eine Anpassung an eine Ganztagsbetreuung notwendig. Weshalb eine Mensa für rund 200 Schüler plus einem abgetrennten Bereich für 50 Lehrer entstehen soll. „Es geht bei dieser Abtrennung darum, dass Lehrer in der Pause auch Dinge besprechen können, die nicht für Schüler bestimmt sind“, erläutert Schulleiter Lorenz Häckl. Denn ein Lehrerzimmer gebe es bisher nicht. Zudem wolle man dort auch die häufigen Delegationen aus dem Ausland – zum Beispiel aus China oder aus der Slowakei – empfangen und verköstigen können.

Der Bestand

Eindringende Feuchtigkeit hat in der ganzen Schule Schäden verursacht und sorgt für Schimmelbildung, beispielsweise auch in den Werkstätten.

Die Bestandsaufnahme habe zahlreiche Mängel gezeigt. Insgesamt seien viele Dach­fenster undicht, auch im Heizraum dringe Wasser ein, die Fassade der Turnhalle müsse saniert werden, die Dachabdeckung ebenso, „aber diese ist wahrscheinlich nicht zu erhalten“, so Peter Kern. Sei müsse ganz neu erstellt werden.

Der Brandschutz auf den Fluren sei unzureichend. Unter anderem gebe es offene Trassen­führungen von Kabeln oder auch Rohren. Das Tragwerk der bestehenden Werkstätten sei „desolat“ und müsse neu gemacht werden. Und auch energetisch gebe es – gelinde gesagt – Missstände: Stahlträger, die direkt durch Fenster gehen, bildeten Kältebrücken, die Dämmung sei in der ganzen Schule mangelhaft. Zudem müsse die Haustechnik komplett erneuert werden.

Zwei Bauvarianten

Für den Bau der neuen Mensa stellte das Architekturbüro zwei Varianten vor: einmal als keilförmiger solitär stehender Bau im Norden auf der „grünen Wiese“ direkt an den Mehrgenerationenpark angrenzend. Oder Variante zwei, in der die neue Mensa die alte Turnhalle ‚ummantelt‘ – der Favorit des Architekturbüros. Dabei wird die momentan bestehende und nicht genutzte Hausmeisterwohnung im östlichen Bereich des Turnhallengebäudes einbezogen. Im Obergeschoss der Mensa sind fünf weitere Unterrichtsräume geplant, mit einer „zentralen Lernlandschaft“.

Für die Werkstätten gebe es ebenfalls zwei Varianten: der Neubau des Gebäudes an der bestehenden Stelle auf der nordöstlichen Seite samt einer Erweiterung Richtung Norden. Oder der Neubau in drei Einzel­gebäuden: zwei davon im jetzigen Bereich und eines – das größte – direkt gegenüber der bestehenden Werkstattgebäude, parallel zum Weg, der den Mehrgenerationenpark abgrenzt. Auch hier favorisierte das Architekturbüro die zweite Variante.

In den drei Gebäuden sollen jeweils auch Unterrichtsräume im ersten Geschoss angesiedelt werden, mit einer ausreichend schalldämmenden Decke hin zu den darunterliegenden Werkstätten. Der Maschinenraum liege zentral, daneben seien keine Unterrichtsräume vorgesehen.

Der Kreisausschuss schloss sich der Meinung des Architekturbüros an und favorisierte einstimmig sowohl bei Mensa als auch Werkstatt die Bauvariante 2.

Acht Jahre Bauzeit

Natürlich würde man gerne alles in zwei Jahren abschließen, weiß Peter Kern. Bei gleichzeitigem Schulbetrieb sei das aber nicht möglich. Insgesamt setzt das Architekturbüro acht Jahre Bauzeit an. In der zeitlichen Abfolge habe man sich mit den Beruflichen Schulen abgestimmt, so Anna Kern. Es gebe zwei Varianten, die beide ungefähr gleich viel kosteten – gute 50 Millionen Euro. Man rechne damit, dass generell 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten förderfähig seien, informierte Hochbauamtsleiter Christian Kusch.

Man könne zuerst die Mensa bauen und zeitgleich energetisch und brandschutztechnisch sanieren – dafür setze man 26 Millionen Euro an. Mit der Mensa und den dortigen neuen Klassenzimmern habe man Ausweichräume, da die Sanierung mit wenig Einschränkungen im vollen Betrieb stattfinden soll. Und man auch möglichst wenige Container als ‚Notklassenzimmer‘ einsetzen möchte. Dafür setzt das Architekturbüro vier Jahre an.

Im zweiten Schritt – der weitere vier Jahre in Anspruch nehmen werde – erfolge der Rückbau der Werkstätten und deren Neubau (22 Millionen Euro). Die Sanierung der auch von Vereinen genutzten Turnhalle (2,4 Millionen Euro) könne danach stattfinden oder aber gleich am Anfang zeitgleich zum Mensabau.

Die zweite Zeitvariante startet mit dem Bau der dritten Werkstatt auf der Wiese (29 Millionen Euro), um hier Ausweichräume zu haben. Zeitgleich wird die Turnhalle saniert. Im zweiten Schritt erfolgt die energetische und brandschutztechnische Ertüchtigung (8,5 Millionen Euro), die beiden anderen Werkstattgebäude (13 Millionen Euro) werden schließlich in einem dritten Schritt rück- und wieder neu gebaut.

Brandschutz erst später?

Peter Kern wies auf ein Problem hin: In der zweiten zeitlichen Variante sei die energetische und brandschutztechnische Sanierung nicht im ersten Bauabschnitt, also in den ersten vier Jahren, machbar. Auch Landrat Thomas Eichinger (CSU) mahnte die Gefahr eines Brandes an: Mit Variante 1 habe man eine „schnellere rechtliche Sicherheit: Im DZG hat es schon gebrannt.“ Dennoch sprach sich der Kreisausschuss einstimmig für Zeitvariante 2 und damit für eine Verschiebung der Brandschutzsanierung in den zweiten Bauabschnitt aus. Rechtlich relevante Sanierungen könne man eventuell vorziehen, gibt Kusch als Option.

Thomas Salzberger (SPD) kritisierte die Größenausrichtung der Mensa: Man könne auch in Schichten essen, eine Planung für 200 Schüler plus 50 Lehrer erscheine ihm „sehr großzügig“. Momentan habe man 2.200 Schüler, so Schulleiter Häckl. Bedingt durch die unterschiedlichen Fachrichtungen und Schulformen seien täglich rund 1.100 Schüler im Haus, denen man ein Mittagessen ermöglichen wolle. Zusammen mit den insgesamt 140 Lehrkräften, zuzüglich jenen aus der Seminarschule, sei die Planung der Mensa für 200 Schüler und 50 Lehrer „realistisch“.
Susanne Greiner

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