Ton, Tanz, Technik, Taumel

Performance »Maschinen – Musik – Tanz« im Café Zirnheld

Die Künstler Martin Honsalek, Ralf Sartori, Andrea Nisch und Timur Dizdar (von links) im Café Zirnheld.
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Schaufenster-Performance in Zeiten von Corona: die Künstler Martin Honsalek, Ralf Sartori, Andrea Nisch und Timur Dizdar (von links).
  • vonAndrea Schmelzle
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Landsberg – Hinter Glas: Letztes Wochenende wurde das Café Zirnheld zum Kulturschaufenster und Drehort. Im Inneren des Cafés gaben sich Maschinen, Tanz und Musik ein Stelldichein. Die Maschinen in Form kinetischer Objekte stellte der Bildhauer Timur Dizdar. Die Musik kam von Bratschist und Komponist Martin Honsalek. Malerin und Gastronomin Andrea Nisch bat Tangolehrer und Autor Ralf Sartori zum Tanz. Einzig noch anwesend im Raum: eine Kamera, die die Aktion für einen Film, der daraus enstehen soll, aufgezeichnet hat.

Für Besucher war das Café Zirnheld nicht zu betreten. Corona, immer wieder Corona. Aber Passanten konnten – auf Abstand – stehenbleiben, hören und staunen: durch die Scheibe und eine geöffnete Tür die Wirkung der Performance erspüren. Nicht zuletzt war Corona mit ein Anstoß der temporären Kunstaktion. Lockdown, geschlossene Räume, kulturelle Einschränkungen. Es habe einen „absolut künstlerischen Charakter, Kunst trotzdem zu machen“, sagt Timur Dizdar. Und sei ein Statement: „Die Kunst geht weiter.“ Dizdar arbeitet als Bildhauer unter anderem mit Kaffeemaschinen. Ihm erschien das derzeit ungenutzte Café mit seinem schönen Ambiente und den großen Fenstern als passender Ausstellungsort für seine Objekte. Der Inhaber des stadtbekannten Cafés war von der Idee begeistert und stellte den Raum zur Verfügung.

Ausgestellt waren sechs kinetische Objekte, die über eine elektronische Steuerung individuell gestartet werden können und dann gleichzeitig oder versetzt, zum Teil dampfend, in Bewegung geraten. Gedrosselte Starkstrommaschinen, „das Einzige, was sie leisten: einen ästhetischen Ausdruck zu liefern“, sagt Dizdar. Es gehe darum, Form und Bewegung zusammenzubringen.

Die „formale Komposition“ der Getriebe und Armaturen im Zusammenspiel mit der Rotation regte Martin Honsalek – der bei den Münchner Symphonikern spielt – an, zu diesen Exponaten das Stück „Taumel“ für Solo-Bratsche zu komponieren. Eine Komposition, die die Rotation, die Wiederholung, die wechselnden Geschwindigkeiten der Maschinen aufnimmt. So virtuos facettenreich wie das Wechselbad der Gefühle, in dem man sich befinde: Melancholie, Hoffnung, Aussichtslosigkeit, Zermürbung. Bewusst ende es offen, eben „taumelnd“. Sein Konzert, gespielt zwischen den bewegten Objekten, war von außen durch die geöffneten Fenster zu hören – und zu spüren.

Das verbindende Element war die Performance des Künstlerpaars Andrea Nisch und Ralf Sartori, die sich im Anschluss mit ihrem getanzten Tango auf die Exponate bezogen. „Der Tanz nimmt die Rotation und die kontrollierte Bewegung der Maschinen auf, erfolgt jedoch rein intuitiv“, so beschreibt es Sartori. Dynamik und Ruhe seien gleichermaßen anwesend.

Überraschend: Es war ein Tanz in Stille. Musik war weder für Tänzer noch Publikum zu hören. Sie wurde „durch die Bewegung in die Stille hinein visualisiert“, erklärt Sartori. Als Ergebnis gelte letztendlich das Motto „der hörbare Taumel und der sichtbare Ton“.

Die Künstler sind begeistert vom Zusammenspiel der Komponenten. Jedoch gehe es gar nicht so sehr darum, was herauskomme, so Dizdar. Nicht das Ergebnis zähle, sondern das Erlebnis. Das spürt auch der Betrachter und Zuhörer, der in den Bann gezogen wurde – durch eine faszinierende, meditative, nachdenklich machende Performance.

Mit ihrem anregenden Konzept möchten die Vier nun weiter auf Reisen gehen, andere Kulturschaufenster eröffnen, um die „traurige Tendenz zu wenden“, wie Sartori sagt. So könnten derzeit geschlossene Einrichtungen, aber auch die Kultur generell wieder in die öffentliche Wahrnehmung rücken.

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