Lady Herkomers Standbeine

Landsberg: Pfeiler für den Lady-Herkomer-Steg werden gesetzt

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Tiefbaureferatsleiter Hans Huttenloher zeigt, wo der  Mittelpfeiler des Lady-Herkomer-Stegs stehen wird: da, wo jetzt der Bagger parkt.
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Ab dieser Markierung wird die Von-Kühlmann-Straße halbseitig abgerissen: für den Bau der Aussichtsplattform.
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Da wo der Bagger steht, wird der Mittelpfeiler des Lady-Herkomer-Stegs stehen.
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Da wo der Bagger steht, wird der Mittelpfeiler des Lady-Herkomer-Stegs stehen.
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Stromleitungen für die Baustelle.
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Kein Durchkommen mehr von der Karolinenbrücke in die Schwaighofsiedlung.
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Auch Fußgänger dürfen nicht mehr durch die Von-Kühlmann-Straße.
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In diese Richtung geht nichts mehr auf der Von-Kühlmann-Straße.

Landsberg – „Am Wochenende habe ich spielende Kinder auf der Plattform gesehen.“ Tiefbaureferatsleiter Hans Huttenloher ist bestürzt: Viele nehmen die Absperrungen, die die Lady-Herkomer-Steg-Baustelle umzäunen, nicht ernst und brechen sogar die verschraubte Bauzäune auf. „Der Lech fließt hier sehr schnell, und wenn bald noch die Maschinen kommen, ist das nicht mehr so leer wie jetzt.“ Denn in den kommenden vier Wochen werden die Bohrpfähle für den mittleren Brückenpfeiler und die zwei Widerlager am Ost- und Westufer gebaut. Massig Maschinen sind nötig. Und schon allein der notwendige Bohrer bringt 60 Tonnen auf die Waage.

Der wird Anfang kommender Woche per Schwertransport und Straßensperre geliefert: in Schrittge­schwindigkeit mittig über die Sandauer Brücke, auf der Lechstraße und über die Lechgarage – „Der Statiker hat uns das Go gegeben“, versichert Huttenloher. Der Transporter wiegt insgesamt satte 94 Tonnen.

Bevor die Bohrarbeiten starten, muss aber noch der Inselbadbach trockengelegt werden, erklärt der Tiefbauchef: „Die Fundamente des Widerlagers auf der Inselbadseite ragen so weit, dass wir im Bach drei Meter tief rein müssen.“ Würde man den Bach umleiten, hätte man massiv Bäume fällen müssen. Auch das geschehe Anfang nächster Woche. Ist das Widerlager fertig, darf der Bach wieder fließen. Die Fischtreppe bleibe aber währenddessen bestehen.

Für den östlichen Pfeiler der insgesamt 125 Meter langen Brücke müssen neun Bohrpfähle 15 Meter tief in der Erde gerammt werden, jeder mit einem Durchmesser von 60 Zentimeter. Für den in der Mitte braucht es nur drei. „Er steht im östlichen Drittel des Lechs“, konkretisiert Huttenloher, „da, wo jetzt der Bagger steht.“ Das habe mit der Fließgeschwindigkeit des Lechs an dieser Stelle zu tun. Eine Pilone, also ein Pfeiler nicht in den Lech, sondern in den Himmel, an dem die Brücke mit Stahlseilen befestigt werden könnte, hatte der Stadtrat aus zwei Gründen abgelehnt: Stadtbild und Vogelschutz.

Für das westliche Widerlager auf ULP-Seite sind indessen ganze 17 Bohrpfähle notwendig: Dort wird auf ein Beton-U die 125 Quadratmeter große Aussichtsplattform aufgelagert – 25 Meter lang und fünf Meter in der Breite.

Für das Beton-U muss auch die Lech-Hälfte der Von-Kühlmann-Straße weichen: Sie wird abgegraben, und zwar sechs Meter tief. Ein nicht zu verach­tender Abhang, der nicht mit einer Spundwand abgestützt werde, weiß Huttenlohers Kollege Michael Oberndörfer: „Um die Wand zu befestigen, müsste man 15 Meter lange Anker quer setzen, bis ins Nachbargrundstück vom ULP.“ Aber auch wegen der ungewissen Lage der Kanäle an dieser Stelle sei das nicht machbar. Lieber greift man zum ‚Berliner Verbau‘, erstmals beim Bau der Berliner U-Bahn 1930 angewandt: zwei gegenüberstehende Doppel-T-Träger, deren Zwischenraum mit Bohlen aufgefüllt wird. Natürlich sind auf diesem Abbruch an der Westseite auch Stromleitungen – die in die Straßenmitte versetzt werden müssen.

Die Straßensperrung

Der Bürgersteig der Von-Kühlmann-Straße ist auf der ULP-Seite höhenmäßig in die Fahrbahn integriert worden. Deshalb gibt es bereits seit dieser Woche die halbseitige – und umstrittene – Sperrung mit Einbahnregelung. Dass die Stadt sich für diese Lösung entschieden habe, liege auch am Busverkehr, erklärt Huttenloher. Eine Ampel, die den Verkehr in beide Richtungen hätte regeln können, würde zu Stau führen. „Und die Linie 3 könnte ihren Takt nicht mehr halten.“

Ein möglicher Durchgang für Fußgänger und Radfahrer sei ebenfalls nicht möglich, da es schlichtweg zu wenig Platz gebe. So sei schon allein der Bohrer drei Meter breit. Da habe man gerade mal noch einen knappen Meter ‚Gehweg‘ zwischen ULP-Bauzaun und Fahrbahn. Zudem müsse man eine Wende­möglichkeit für die Baustellenfahrzeuge mit einrechnen.Aber auch die einseitige Sperrung der Straße nimmt nicht jeder ernst. Es sind immer wieder einzelne Pkw zu beobachten, die trotz zahlreicher Schilder Richtung Schwaighofsiedlung durchbretterten.

Die Insel

Im Moment sei man gut im Zeitplan, sagt Huttenloher. Die Plattform, für die 6.000 Kubikmeter Kies und Steine verbaut wurden, also 600 Lkw-Ladungen, habe vier Wochen gedauert. Der Kies werde nach Brückenfertigstellung in den Lech „verschmissen, in Absprache mit der Fischerei“. Die großen Steine kommen raus. Zum Absichern gegen den schnellen Lechfluss sind sie jetzt notwendig: „Wir hatten Anfang Oktober eine knapp dreimal so hohe Fließgeschwindigkeit wie bei Normalpegel. Das war kein Problem.“ Frosttemperaturen im Winter würden das Biegen von Metall erschweren, auch Beton könne frieren.

Ökologisch überwacht wird das Projekt von Diplom-Landschaftsökologin Sonja Kübler. Fledermaus-Ersatzkästen für die durch Baumfällungen vernichteten sind bereits am Lech entlang angebracht. „Und auch sonst sind wir im grünen Bereich“, versichert Huttenloher.

Der Tiefbaureferatsleiter ist von dem „spektakulären Bauwerk“ Lady-Herkomer-Steg angetan – auch wenn es vielen nicht sinnvoll erscheine. In Landsberg habe es schon früher solche umstrittenen Bauten gegeben. „Aber das gehört eben auch zur Baukultur.“
Susanne Greiner

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