Mit der Stimme des Biests

Landsberg: Die Preisträger des 7. Snowdance Independent Film Festival 

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Das siebte Landsberger Snowdance Independent Film Festival war ein Erfolg: Zu sehen gab es 342 Filme aus 45 Ländern.Den Preis für den besten Langfilm erhielt Gregory Kirchhoff (rechts) für "Baumbacher Syndrome". Die Preise überreichte Schirmherr Max Tidof (links).
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Das siebte Landsberger Snowdance Independent Film Festival war ein Erfolg: Zu sehen gab es 342 Filme aus 45 Ländern.
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Das siebte Landsberger Snowdance Independent Film Festival war ein Erfolg: Zu sehen gab es 342 Filme aus 45 Ländern.
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Das siebte Landsberger Snowdance Independent Film Festival war ein Erfolg: Zu sehen gab es 342 Filme aus 45 Ländern.
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Das siebte Landsberger Snowdance Independent Film Festival war ein Erfolg: Zu sehen gab es 342 Filme aus 45 Ländern.
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Das siebte Landsberger Snowdance Independent Film Festival war ein Erfolg: Zu sehen gab es 342 Filme aus 45 Ländern.
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Das siebte Landsberger Snowdance Independent Film Festival war ein Erfolg: Zu sehen gab es 342 Filme aus 45 Ländern.
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Das siebte Landsberger Snowdance Independent Film Festival war ein Erfolg: Zu sehen gab es 342 Filme aus 45 Ländern.

Landsberg – Die letzte Sequenz, dann der Abspann und schließlich eine dunkle Leinwand. Während trostlos-grelles Licht die Augen blendet, kehren die Zuschauer leicht benebelt in die Realität zurück: Die Show ist aus. Heute endet das siebte Independent Film Festival. Zu sehen gab es 342 Filme aus 45 Ländern. Die Independent-Leere bis zum nächsten Jahr will Festivalmacher Tom Bohn aber füllen und den Indie-Filmern weiter unter die Arme greifen. Mit einer Kinotour durch rund 30 Städte in Deutschland.

Die Preisverleihung am Samstagabend unterhält dank Eva Mähl als Moderatorin bestens. Mähl spielt sich mit Schirmherrn Max Tidof und Festivalleiter Tom Bohn die Bälle kurzweilig zu. Und liefert als Regisseurin des Abends eine Show ohne Pannen. Zum krönenden Abschluss gibt‘s noch einen neuen Preis: den „Heiner-Lauterbach-Preis“, den Bohn gleich seinem Namensgeber überreicht – für „die beste Unterstützung der Independent-Szene“.

Die Preisträger

Wer nach einem Merkmal für Independent-Filme sucht, könnte bei „Inhalt“ fündig werden. Während Millionenproduktionen fehlenden Inhalt durch Verfolgungsjagd, Explosion und Superstar übertünchen können, sind Indie-Filme nackt. Eine zündende Idee muss her. Regisseur Gregory Kirchoff hatte die. Und hat mit seinem Film „Baumbacher Syndrome“, den Preis für den besten Langfilm abgeräumt. Das Urteil der vierköpfigen Jury: „ein schlichtes Kunstwerk, ein junges Meisterstück.“

Die ersten Minuten von „Baumbacher“ sind lapidar. Talkshow-Moderator Max Baumbacher (Tobias Moretti) versucht, vor allem seine weiblichen Gäste in die Ecke zu treiben. Saftige Details zählen. Seinen Selbstwert zieht er aus der Arbeit, von seiner Frau lebt er getrennt, den Sohn kennt er kaum. Aber plötzlich ist alles anders: Aus Max‘ Mund dröhnt nur noch das Bassdonnern des Disney-Monsters von „Die Schöne und das Biest“ . Ein Phänomen, dass weder Ärzte im Film noch der Film selbst erklären, das aber Max‘ Leben aus den Fugen hebelt. Der Moderator zieht sich in die Einsamkeit zurück. Erst als er dank der Freundschaft zu einer Frau (Elit Iscan) erkennt, dass seine Stimme nicht sein Wesen ist, kehrt deren normaler Klang zurück. Max selbst ist aber ein anderer.

Am Anfang sei die Idee gestanden, etwas mit einer verfremdeten Stimme zu machen, erzählt der 27-jährige Kirchhoff bei der Preisverleihung. Er sei Disney-Fan, inspiriert habe ihn die Stimme des Biests im Remake von „The Beauty and the Beast“. Beim Schreiben habe er sich gefragt, wie er mit Menschen umgehe. Die Antwort ist ein modernes Märchen.

Kirchhoff ist die Freude über den Preis anzuhören: „Das ist ein Traum für uns. Schön, dass es solche Festivals gibt.“ Es ist sein dritter Film – ein leises Werk, das Handlung, Aussage und Bilder zu einem fast perfekten Ganzen bündelt.

Mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm kürte die Jury „To Germany, with Love“ von der in Manila geborenen und in New York lebenden Desireena Almoradie. Ein Film über ihre beste Freundin Kathleen. Deren Bruder wurde bei einem RAF-Anschlag getötet. Nach Jahren sucht Kathleen in Deutschland Kontakt zu den Verantwortlichen. Und baut zu ihnen eine Beziehung, ja sogar Freundschaft auf.

Almoradies „kleiner großer Film“ zeige gebrochene Figuren aus nächster Nähe. Und meistere den Transfer von der Leinwand zur Realität des Zuschauers, urteilte die Jury. Sie habe ihre damals beste Freundin Kathleen nach dem Tod deren Bruders aus den Augen verloren, erzählt Almoradie. Und erst durch den Film wieder gefunden. „Wir werden in New York zusammen diesen Preis feiern.“.

Über den Preis für die beste Regie können sich Leonie Stade und Annika Blendl freuen. In „All I never wanted“ zeigen sie den Alltag einer Schauspielerin, die sich an einem Provinztheater zwischen jungen Kollegen behaupten muss. Parallel dazu ist der Model-Alltag einer 16-jährigen zu sehen. Und auch sich selbst hat das Regie-Duo in den Film gepackt: als junge Regisseurinnen eines Films, bei dem der Produzent das Sagen hat. Sich selbst zum Protagonisten zu machen und somit eigentlich alle Regeln des Filmemachens zu brechen, „kann eigentlich nur scheitern“, so das Jury-Urteil. „Außer man hat den Indie im Bauch.“

Auch dieses Jahr entpuppten sich die Kurzfilmnächte – inzwischen sind es vier! – zum Renner. Was am Anfang nicht absehbar, erzählt Bohn. Zum ersten Kurzfilm seien acht Zuschauer gekommen. „Und jetzt füllen den Theatersaal an jedem der vier Tage rund 150 Kurzfilmfans.“ Die Auswahl aus „lauter kleinen Meisterwerken“ sei „eine furchtbare Quälerei“ gewesen. Erhalten hat den Preis „Alternativen von Benjamin Kramme: ein Film über eine Mutter, deren Tochter aktives AfD-Mitglied ist. Was zum zerwürfnis der beiden führt. „Der Film bildet das ab, was gerade in Deutschland läuft“, begründet Bohn die Auszeichnung. Man wolle hier auch ein politisches Statement setzen.

Das siebte Snowdance-Festival ist rundum gelungen. Und hat beim Ball der Filmemacher einen stimmungsvollen Ausklang gefunden. Klug war sicher, die zwei Punkbands in die Säulenhalle zu verlegen, um die Zuschauerflucht im letzten Jahr zu verhindern. Dafür ist die Säulenhalle auch der perfekte Ort. Aber als Kinosaal? Sicher, eine klasse Atmosphäre. Aber der Ton ist mau und die Leinwand klein, was den Filmen viel nimmt. Klein sind auch die englischen Untertitel, ab Reihe fünf nur noch schwer lesbar. Vor allem im tiefen Liegestuhl. Für manch einen wird da manch Film zur Herausforderung. Zum Beispiel einer auf Finnisch. Vielleicht findet die Stadt ja noch eine Kino-Alternative. Und lässt der Säulenhalle die Rolle, die ihr am besten steht: ein Ort für Gespräche, für Workshops und Vorträge. Ein Ort zum Filmeschauen am Laptop. Und ein Ort zum Zur-Ruhe-Kommen. Zumindest für ein paar Minuten. Wir freuen uns auf 2021.
Susanne Greiner


Das Fazit des Schirmherren 

Landsberg – Ein Woche lang stand die Lechstadt ganz im Zeichen des unabhängigen Films. Max Tidof, diesjähriger Schirmherr des Snowdance Festivals, blickt im Gespräch mit dem KREISBOTEN zurück und lässt Stimmung, Filme und Menschen Revue passieren.

Herr Tidof, wie ist denn Ihr Fazit dieser Woche in Landsberg?

Max Tidof: „Ich war jeweils die ersten und letzten drei Tage da und habe leider die Kurzfilme verpasst, wo ich gerne reingeschaut hätte. Aber ich habe insgesamt viel gesehen und es war sehr schön. Und von den Filmen, die ich gesehen habe, war keiner dabei, wo ich mir gedacht hätte: ‚Hmm, da muss ich nicht sitzenbleiben.‘ Für Independent-Filme ist das wirklich ein gutes Zeichen.“

Gibt es Filme, die sie besonders beeindruckt haben?

Tidof: „Mich hat der Dokumentar-Gewinner sehr beeindruckt: „To Germany, with Love“. Es hat mich gefreut, dass sie den Preis bekommen haben. Ein wirklich empfehlens- und sehenswerter Film.

Sehr beeindruckt hat mich aber auch ein Film, den ich eigentlich gar nicht sehen wollte, weil mich das Thema nicht wirklich interessiert: Der finnische Film „One Half of Me“. Ein ganz, ganz toller Film.

Und „EneMe“ hat mir gefallen, weil er einfach hervorragend produziert wurde. Die haben den Film ohne jede Förderung gemacht und was die auf die Beine gestellt haben, ist erstklassig. Die hätten auch gerne den Preis gewonnen.“

Was denken Sie über den Preisträger „Baumbacher Syndrome“?

Tidof: „Der Regisseur ist 27 oder 28 Jahre alt und die haben das Ding in 15 Tagen gedreht. Das ist zwar eine vollkommen andere Geschichte, aber auch wiederum schwer beeindruckend. Ein sehr ruhige Erzählstruktur und eine ganz eigene Sprache. Für einen so jungen Regisseur ist das prächtig. Es ist dann auch immer die Frage, worauf eine Jury wert legt. Für mich waren aber die drei Filme oben genannten Filme die, die den Preis hätten bekommen können.“

Wie haben Ihnen die Tage im schönen Landsberg gefallen?

Tidof: „Sehr gut, aber ich war ja bisher nur auf der einen Seite vom Lech und die andere Seite kenne ich noch gar nicht. Es war auch schön zu sehen, wie das Festival überall angenommen wird. Egal, wo ich war, es gab in jedem Fenster einen Hinweis darauf. Man hat das Gefühl, da arbeiten alle irgendwie zusammen. Auch meine Zigarrenhändlerin hatte drei Filme gesehen, die sie allesamt toll fand. Es ist wirklich zu spüren, dass Landsberg hinter dem Festival steht und dass es den Leuten Spaß macht. Ich komme gerne noch einmal wieder.“

Herr Tidof, vielen Dank für das Gespräch und bis zum nächsten Jahr.
Dietrich Limper

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