Abschied von Gerhard Johannes

"Seine Spuren werden hörbar bleiben"

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Vollblutmusiker Gerhard Johannes verstarb am 6. August. Am Freitag fand die Trauerfeier für „Johnny“ statt.

Landsberg – „Musik gleicht aus und die Freude, die man dabei hat, ist unvergleichlich.“ Gerhard Johannes hat für und mit der Musik gelebt. Und er hat Landsberg musikalisch geprägt: Knapp 30 Jahre ist er Leiter der Stadtkapelle, 41 Jahre lang holt er namhafte Musiker für die Rathauskonzerte in die Stadt, über 42 Jahre hinweg gibt er sein Wissen und seine Freude an der Musik an Schüler des Ignaz-Kögler-Gymnasiums weiter. In Landsberg kennt ihn fast jeder. Als Johnny. Nach einem Sturz und langem Krankenhausaufenthalt erliegt der Musiker und Pädagoge Gerhard Johannes am 6. August um 15 Uhr im Alter von 76 Jahren seinen Verletzungen.

Johnny habe jeden Tag etwas aus Bachs „Wohltemperierten Klavier“ geübt, erzählt Pfarrer Adelhelm Bals bei der Trauerfeier am Freitagvormittag in der Kirche Heilig Kreuz. Auch nach der Pensionierung verfügte der Lehrer weiterhin über einen Schlüssel zum IKG – um dort spielen zu können. „Er hat auch gerne die Ammersee-Suite von Trunk gespielt“, denn die Umgebung von Landsberg sei dem 1941 in Bamberg geborenen Franken zur Heimat geworden. „Für mich persönlich zählt vor allem der Mensch“, sagt Bals. „Er war immer wirklich anwesend, liebenswürdig, humorvoll und ehrlich.“ Auch mit Ecken und Kanten. Johannes sei ein begeisterter Minis­trant gewesen, Religion blieb ihm wichtig. Die Kirche habe er aber „oftmals im Stillen besucht“.

Bei der Trauerfeier ist sie bis auf den letzten Platz gefüllt, viele stehen. Zahlreiche Musiker sind anwesend. Franz Lichtenstern, mit dem Johnny gemeinsam bei der Landsberger Salonmusik spielte, ehrt den Kollegen mit seinem Cellospiel. Das vocalensemble unter Matthias Utz und Johannes Skudlik an der Orgel gestalten den Trauergottesdienst mit. Sie alle wissen ihn zu würdigen. Johnny war Mitbegründer der Stadtjugendkapelle und leitete 25 Jahre die Stadtkapelle, wofür er 1996 die Bürgermedaille in Silber erhält. Und 2008 wird er für sein musikalisches Engagement mit der Dominikus-Zimmermann-Rocaille in Gold geehrt.

Auch zahlreiche ehemalige IKGler sind anwesend. „Myriaden von Schülern hatten bei ihm Musikunterricht“, schreibt Edmund Epple als einer von ihnen. Johnny habe Neugierde wecken können, habe ohne „Geschmacksdiktate“ und mit viel Witz unterrichtet. Er sei von allen mit Respekt behandelt worden, weil er alle respektiert habe: „Da ist man gerne hingegangen.“ Auch Oberbürgermeister Mathias Neuner ist einer der Schüler: „Ich erinnere mich an seine fröhliche Art. Und an seine spezielle Weise, Klavier zu spielen.“ Er habe sogar die Unmusikalischen für Musik begeistern können. Auf dem Steinway-Flügel im Rathaus begleitete er zahlreiche Musiker bei den Rathauskonzerten. Und als er den Stab der künstlerischen Leitung weiterreichte, habe es beim Abschiedskonzert Bravo-Rufe und Standing Ovations gegeben, weiß Neuner. „Ich erinnere mich noch an sein strahlendes Gesicht. Seine Spuren werden hörbar bleiben.“

Johnny sei seinen Schülern immer zugetan gewesen, fasst der ehemalige Leiter des IKG Reinhold Knollmüller zusammen: „Ziel war für ihn, mit den Schülern etwas zu unternehmen, sie zu begleiten, immer mit einem lockeren Spruch auf den Lippen.“ Der Leiter des Schulorchesters habe das absolute Gehör gehabt. Weshalb bei Proben öfters mal der Satz fiel: „Halt! Du bist einen halben Ton zu hoch.“ Johnny habe das „Geschäft mit der Schulmusik“ gern gehabt – trotz aller Schwierigkeiten. Denn wenn die Schüler konzertreif spielten, machten sie Abitur. „Dann fängst du wieder von vorne an.“

Neben der 12th Street Jazz Connection gründet Johnny auch das Landsberger Salonorchester mit. Salonmusik kennt er gut. Nicht umsonst begleitet er jahrelang das Salonorchester des Bayerischen Rundfunks am Klavier, die sogenannte Direktionsstimme. Johnny habe nach Worten von Leonard Bernsteins gelebt, erzählt der ehemalige Moderator des Klassik-Wunschkonzertes im BR Herbert Hanko: „Musik machen, um den Problemen der Welt zu begegnen.“ Auf einer Rückfahrt von einem Konzert in Stuttgart erzählte ihm Johnny „eine faszinierende Sammlung von Geschichten“ – aus dem Leben eines Vollblutmusikers. „Die Fahrt hätte gerne länger dauern können.“ Dem schließen wir uns an.

Susanne Greiner

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