Wenn Material von A nach B muss

THW Landsberg: Unterwegs in geheimer Mission

+
Die ‚blaue Kolonne‘ transportiert tonnenweise lebenswichtiges Material.

Landsberg – Wenn in der Coronakrise Material wie Schutzkleidung von A nach B gebracht werden muss, ist das Technische Hilfswerk (THW) zur Stelle: Der Ortsverband Landsberg gründete sich im Februar 1954. Nach vielen Umzügen an verschiedene Standorte innerhalb der Stadt fanden die blauen Helfer schließlich 1995 in der ehemaligen Fahrzeuginstandhaltungshalle der Bundeswehr in der Ehrenpreissstraße eine dauerhafte Bleibe. Bevölkerungsschutz und Gefahrenabwehr bleiben auch in Zeiten der Corona-Pandemie die Prioritäten, wobei das THW essentielle Aufgaben wahrnimmt.

Eigentlich sei die Lage relativ ruhig, erzählt der Ortsbeauftragte und Standortleiter Elmar Helminger. Das Verkehrs­aufkommen auf den Straßen sei gering und schwere Unfälle mit Kraftfahrzeugen selten. Dadurch, dass sich Bayern bedingt durch Corona im „Pausenmodus“ befinde, müssten seine ehrenamtlich tätigen Leute nicht häufig spontan ausrücken.

Seminare, Schulungen und sonstige gemeinsame Unternehmungen sind derzeit abgesagt. Kommuniziert wird per WhatsApp oder Skype, die Räumlichkeiten im Hauptquartier sind nur spärlich besetzt. Doch mehrmals pro Woche sind die Lastwagen des THW in mehr oder weniger ‚geheimer Mission‘ als Materialtransporter unterwegs.

Markus Schwaiger sitzt auch im Krisenstab des Landratsamtes.

Markus Schwaiger ist seit 15 Jahren beim THW und fungiert seit 2018 als Fachberater. Der 37-jährige Familienvater arbeitet als IT Security Analyst bei einer großen Firma in Denklingen. Im Moment ist auch in seiner Abteilung Kurzarbeit verordnet. Mehr Zeit also, um seine Aufgaben beim THW wahrzunehmen. Er wählt seine Worte mit Bedacht: „Seit Mitte März sind wir im Auftrag des Freistaats Bayern mit der Logistik betraut. Wir fahren ein Zentrallager in der Münchener Gegend an und holen dort nahezu täglich Material ab. Wir bringen Schutzanzüge, Masken, Desinfektionsmittel und vieles andere in ein Lager in Landsberg, wo alles dem Landratsamt übergeben wird. Am Anfang waren manche Waren knapp, aber die Lage hat sich mittlerweile entspannt.“

Wo genau diese Orte in der Landeshauptstadt und Landsberg sind, ist streng vertraulich. Das Lager in München wird rund um die Uhr schwer bewacht, denn hier stapeln sich die Paletten mit den Gütern, die überall im Freistaat für Krankenhäuser und Pflegeheime lebensrettend sein können. Unter der Leitung von THW-Zugführer Sebastian Bauer sitzen jeweils Zweierteams in den Lkw. Diese Teams sind fest und werden nicht getauscht, um die Infektionsgefahr zu verringern. Vor Ort übernimmt dann das Landratsamt die Verteilung an die Endkunden.

„Alles, was momentan Mangelware ist, wird zentral durch das Staatsministerium beschafft und verteilt. Wenn Herr Söder acht Millionen Masken aus China besorgt, dann werden die unter anderem von uns transportiert“, erklärt Markus Schwaiger die logistische Aufgabe. Meistens würde das THW abends gegen 20 Uhr darüber informiert, was wann wo geladen werden müsse. Und dann rollt die blaue Kolonne im Schutz der Dunkelheit los.

Mitglied im Krisenstab

Eine weitere Tätigkeit von Markus Schwaiger besteht in der Fachberatung des Krisenstabs, der mehrmals pro Woche unter der Leitung des Landrats Thomas Eichinger zusammenkommt. Mit dabei unter anderem auch Maria Matheis, als Leiterin der Führungsgruppe Katastrophenschutz, Versorgungsarzt Dr. Markus Hüttl, das Rote Kreuz, Feuerwehr, Polizei und eben auch das THW. „Wir besprechen die neuesten Entwicklungen. Was hat sich verändert? Wo liegen die Schwerpunkte? Wir planen, wie der Katastrophenfall abgearbeitet wird. Es ist natürlich keine alltägliche Situation. Man kann zwar Übungen und Simulationen durchführen, aber die Realität sieht dann doch ein bisschen anders aus“, sagt Schwaiger. Hochwasser und Fliegerbomben seien eben andere Geschichten als der unsichtbare Feind Corona. Das THW verfügt über ein breites Spektrum an Knowhow: Schreiner, Maurer, Elektriker und ITler arbeiten Hand in Hand.

Über 350 Stunden waren die ehrenamtlichen THW-Helfer seit dem Ausbruch der Pandemie Mitte März im Einsatz. 40 Transporte wurden durchgeführt. Die LKW-Fahrer haben mehrere Tausend Kilometer auf den Straßen zurückgelegt und dabei tonnenweise lebenswichtiges Material bewegt. Über die nahe Zukunft möchte Markus Schwaiger keine Prognose abgeben, denn man könne eigentlich nur falsche Aussagen treffen.

„Wir hatten noch keine solche Pandemie in Deutschland und wir alle schauen nur in die Glaskugel“, erklärt er. „Die Bevölkerung hat sich bis jetzt toll verhalten und ich kann nur hoffen, dass wir nun durch die Lockerungen keine zweite oder dritte Welle erleben werden.“
Dietrich Limper

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kämmerer Peter Jung verlässt Landsberg
Kämmerer Peter Jung verlässt Landsberg
Landsberg: Obertongesang mit Huun Huur Tu
Landsberg: Obertongesang mit Huun Huur Tu
Kauferinger Arzt Kron mit Kind auf Berlin-Demo
Kauferinger Arzt Kron mit Kind auf Berlin-Demo
Mammut-Komplex auf Greifenberger Warmbad-Gelände
Mammut-Komplex auf Greifenberger Warmbad-Gelände

Kommentare