Dominikus-Zimmermann-Rocaille:

Hohes Lob, tiefe Töne

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In festlichem Rahmen verlieh die Stadt Landsberg am Freitag zweimal die Dominikus-Zimmermann-Rocaille in Gold (von links): Bürgermeisterin Doris Baumgartl, Kulturreferent und Laudator Axel Flörke, die Preisträger Sigrid Knollmüller und Franz Lichtenstern sowie Laudator Johannes Overbeck.

Landsberg – Ein Loblied in den höchsten Tönen haben die beiden Laudatoren angestimmt, als am Freitagabend im historischen Rathaussaal die Dominikus Zimmermann-Rocaille in Gold an die frühere Kulturreferentin Sigrid Knollmüller und an den Musiker Franz Lichtenstern verliehen wurde. Bei der Wür­digung von Franz Lichtenstern kam das Lob in den höchsten Tönen aus dem Mund eines Orchesterkollegen, der im Orchester des Gärtnerplatztheaters für die tiefen Töne zuständig ist: nämlich vom Solo-Fagottisten Johannes Overbeck. Bei der früheren Kulturreferentin und dritten Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller (1996 bis 2014) hielt deren Nachfolger Axel Flörke die Laudatio.

Zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl, die den erkrankten OB Mathias Neuner vertrat, blickte beim Festakt darauf zurück, dass die Verleihung auf einen einstimmigen Stadtratsbe- schluss im Januar 2015 zurückgeht und inzwischen zum dritten Mal erfolgt. Erstmals sei mit Sigrid Knollmüller eine Frau unter den Persönlichkeiten, denen diese Muschel ans Revers geheftet wird.

Die Rocaille war das gestalterische Hauptmotiv der Ornamentik des heiteren Rokoko im 18. Jahrhundert; der Wies-Baumeister und Landsberger Bürgermeister Dominikus Zimm- ermann war eine prägende Gestalt dieser Epoche.

Die Neugier für ein tiefes Wissen um die Landsberger Geschichte, neue Ideen und Visionen, das nicht Nein sagen können bzw. wollen, vehementes Eintreten gegen kulturelle Ignoranz, das Engagement als Stadtführerin, Literaturreisen, das Engagement im Historischen Verein (zeitweise als Vorsitzende) und im Verschönerungsverein – das waren einige von vielen Punkten, die Laudator Axel Flörke beim kulturellen Wirken Sigrid Knollmüllers auflistete.

Weitere Stichwörter waren, dass die ehemalige Lehrerin und Stadträtin (CSU) an der Öffnung des Museumsdepots mitgewirkt habe; dafür seien in der Bürgerschaft 300000 Euro an Spenden gesammelt worden. Auch habe sie die lange Kunstnacht in Landsberg mitbelebt. Leider sei eine Wiederauflage des Poesiefestivals in der Lechstadt im Stadtrat mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt worden. Knollmüller selbst rief dazu auf, das kulturelle Leben „nicht ausschließlich dem Diktat der Ökonomie“ zu unterwerfen.

Kleinod belebt

Der professionelle Musiker Franz Lichtenstern, der aus Landsberg stammt und in München wohnt, erhielt die Rocaille für seine Verdienste um die Kammermusik, insbesondere für die Konzerte im Bibliotheksaal des Agrarbildungszentrums. Sein Orchesterkollege Johannes Overbeck vom Theater am Gärtnerplatz sprach davon, dass Lichtenstern ein echtes Kleinod „aus dem Dornröschenschlaf“ erweckt habe. Bei Konzerten in diesem Bibliothekssaal mit seinem intimen Rahmen (bis zu 100 Besucher finden Platz) kümmere sich der 42-jährige Cellist seit sechs Jahren um nahezu alles, von der Werbung über den aufwändigen Klaviertransport hinauf in den zweiten Stock bis zur Abholung der Künstler am Bahnhof und zur Pausenverkösti- gung.

Lichtenstern meinte in den Dankesworten, er wolle mit seinem Engagement der Heimatstadt „was zurückgeben“. Was zurückgegeben hat er schon zum Abschluss des Festakts, der vom Vocalensemble Landsberg mitgestaltet wurde. Im Anschluss an die Verleihung interpretierte der Cellist zusammen mit der jungen Orchesterkollegin Sophie Lücke (Kontrabass) ein temperamentvoll dargebotenes Werk von Giacchino Rossini.

Nach dem Lob in den höchsten Tönen ließen die zwei Musiker die Feier im Rathausfestsaal also im Duett mit tiefen Tönen ausklingen.

Johannes Jais

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