OB-Test im Stadttheater

Landsberg: Vier Kandidaten unter der OB-Lupe

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Amtsinhaber Mathias Neuner (links) stellte sich wie die drei weiteren OB-Kandidaten Moritz Hartmann, Felix Bredschneijder und Doris Baumgartl (von links) den Fragen des Publikums und der Moderatorin Bianca Jetzlsperger.

Landsberg – Das Interesse der Landsberger an ihren OB-Kandidaten ist riesig. Davon zeugte das rappelvolle Stadttheater am Abend der ersten Podiumsdiskussion zwischen Amtsinhaber Mathias Neuner (CSU) und seinen Herausforderern Doris Baumgartl (UBV), Felix Bredschneijder (SPD) und Moritz Hartmann (Grüne). Organisiert wurde die Veranstaltung von einer politischen Gruppierung ohne eigenen OB-Kandidaten, der Landsberger Mitte (LM). Der Andrang war so groß, dass viele Besucher keinen Platz mehr fanden und die fast zweieinhalbstündige Diskussion im Stehen verfolgten.

Die Fragen, die Bianca Jetzlsperger reihum an die Kontrahenten stellte, kamen von der LM und aus vielen E-Mails von Bürgern. Zündstoff gab es gleich zu Beginn, als die Moderatorin wissen wollte, was die Herausforderer für Mathias Neuners bisher größten Fehler halten.

Während Hartmann die zu langsame Umsetzung von Stadtratsentscheidungen anführte („viele Beschlüsse fallen einstimmig, aber dann passiert nichts“), stiegen Baumgartl und Bredschneijder direkt auf das Thema Urbanes Leben am Papierbach (ULP) ein. Der größte Fehler sei, „dass wir das Vorkaufsrecht bei der Pflugfabrik nicht ausgeübt haben“, sagte Baumgartl. Bredschneijder kritisierte die aktuelle Entwicklung des Projekts. Die „Versprechungen des Investors“ würden sich nicht bewahrheiten. „Der Kulturbau sieht völlig anders aus. Wir wissen bis heute nicht, was dort entsteht.“

Neuner konterte, der Investor halte sich an den Bebauungsplan. Im übrigen hätte die Stadt das Projekt mit einem Gesamtvolumen von mehreren Hundert Millionen Euro nicht stemmen können. „Da hätten wir uns extrem verhoben.“ Hartmanns Kritik an der Umsetzung von Beschlüssen konnte der OB dagegen nachvollziehen (was an diesem Abend noch häufiger geschehen sollte). „Manches könnte schneller gehen, aber die Verwaltung ist halt auch nur Mensch.“

Das Thema Verkehr treibt offensichtlich Bürger und Politik gleichermaßen um. Hier schieden sich die Geister am Thema Südumgehung – Neuner, Hartmann und Bredschneijder halten sie für ebenso unmöglich wie unnötig. Baumgartl will zwar keinen Straßenbau durch Wildpark oder Krachenbergschlucht, wünscht sich aber alternative Vorschläge im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans – wenn auch unklar ist, wie diese aussehen könnten.

Bredschneijder will in neue Baugebiete Einkaufsmöglichkeiten und weitere Infrastruktur integrieren, um Verkehr zu vermeiden. Alle Bewerber wollen den ÖPNV verbessern, Baumgartl den Stadtbus probehalber für ein Jahr kostenlos anbieten. Einig war man sich auch in Sachen Schaffung neuer Radwege, inklusive des Bergauf-Radwegs an der Neuen Bergstraße. Hartmann wünscht sich außerdem eine Stärkung des Fußverkehrs.

Mehr bezahlbaren Wohnraum wollen ebenfalls alle – aber wie? Dass die Stadt bauen – und die Wohnungen in eigener Hand behalten - soll, forderten Hartmann und Bredschneijder. Baumgartl wünscht sich eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft, was Neuner ablehnt, da staatliche Förderung nur an Kommunen direkt fließe. Ob dem wirklich so ist – dazu läuft derzeit eine Anfrage an den Landtag.

Dass die Stadt am Wiesengrund bauen soll – wie im Stadtrat immer wieder gefordert – sieht inzwischen auch Neuner so. „Ich werde das angehen, wenn ich wieder ins Amt kommen sollte.“ Im Stadtrat hatte die CSU bis vor kurzem dafür plädiert, das Gelände an die staatliche Wohnungsbaugesellschaft BayernHeim zu verkaufen.

Die mehr oder weniger deutliche Zustimmung der Bewerber fand auch der Vorschlag von LM-Stadtrat Wolfgang Weisensee, dass die Sparkasse Landsberg-Dießen ihre Rücklagen in Wohnungsbau investieren solle.

Das Thema Klima und Umwelt muss nach Ansicht Felix Bredschneijders Chefsache sein, während Neuner im Falle seiner Wiederwahl analog zum Kulturbürgermeister einen „Klima- und Umweltschutzbürgermeister“ installieren möchte. Moritz Hartmann sieht in Bebauungsplänen einen guten Hebel für Klimaschutzmaßnahmen. Hier könne die Stadt zum Beispiel zentrale Heizsysteme und PV-Anlagen „auf möglichst vielen Dächern“ vorschreiben. Doris Baumgartl will „von guten Projekten in anderen Orten lernen“ und setzt ansonsten auf „die Eigenverantwortung der Menschen“.

Zum Thema Klimaschutz gehörte auch eine Wortmeldung aus dem Publikum. Ein Anwohner der Pössinger Straße wollte vom OB wissen, was die Stadt unternehme, um eine Schlammlawine wie im vergangenen Sommer zu verhindern. Eine neu angelegte Rinne reiche dafür „nie im Leben“. Neuner sieht die Landwirte in diesem Gebiet in der Pflicht, ihre Saatfurchen so anzulegen, dass das Erdreich nicht abgeschwemmt werde. Die Wassermengen eines Starkregens könne der Oberflächenkanal aufnehmen.

Den Bürger ärgerte aber auch, dass er nun – acht Monate, nachdem sein Keller vollgelaufen war – eine „saftige Rechnung“ der Feuerwehr bekommen habe. Neuner erwiderte, der Feuerwehreinsatz müsse per Gesetz in Rechnung gestellt werden, werde aber von der Elementarversicherung übernommen. „Ansonsten haben wir auch einen Notfalltopf für einzelne Fälle.“

Für Kultur, Freizeit und Jugendarbeit wollen alle vier Bewerber sich einsetzen, und alle wollen das Sportzentrum an seinem jetzigen Standort belassen – ergänzt um eine Dreifach-Turnhalle auf der Bossewiese.

Einen provokanten Schlusspunkt setzte Bianca Jetzlsperger mit ihrer letzten Frage: Wen wünschen sich die Bewerber im Falle eines Wahlsieges als Stellvertreter? Mathias Neuner nannte CSU-Stadträtin Petra Ruffing, Moritz Hartmann „eine neue Frau“. Felix Bredschneijder würde Doris Baumgartl als Stellvertreterin begrüßen, und Baumgartl selbst „einen Mann, wegen der Parität“.
Ulrike Osman

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