Schwarznuss für die Oberbürgermeisterin

Landsberg: ein Waldbegang mit Forstamt und Stadtrat 

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Ein Baum für die neue Oberbürgermeisterin: Beim Waldbegang pflanzten OB Doris Baumgartl, Forstreferent Dr. Georg Bayer (links) und Forstamtsleiter Michael Siller (Mitte) eine Schwarznuss.
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Der Waldbegang führte heuer in den Distrikt Schnebling, in den Schlegelwald und mitten in die Stadt.
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Der Waldbegang führte heuer in den Distrikt Schnebling, in den Schlegelwald und mitten in die Stadt.
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Der Waldbegang führte heuer in den Distrikt Schnebling, in den Schlegelwald und mitten in die Stadt.
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Der Waldbegang führte heuer in den Distrikt Schnebling, in den Schlegelwald und mitten in die Stadt.

Landsberg – Es ist die wohl die entspannteste Sitzung im ganzen Jahr. Aber dennoch interessant: Die Stadtratssitzung, die im Wald stattfindet – der jährliche Waldbegang mit Informationen zu Naturschutz, Waldentwicklung, Waldwirtschaft, mit Brotzeit und abschließendem Wildessen. „Wir werden einen weiten Bogen spannen“, versprach der Leiter des städtischen Forstamtes Michael Siller. Einen weiten Bogen fuhr auch der gechartete Bus mit allen Teilnehmern: vom Distrikt „Schnebling“ bei Schwifting über den Schlegelwald südlich von Pitzling bis hin ins Landsberger Stadtzentrum. Wobei der Busfahrer einen Extra-Applaus für seine Off-Road-Künste bekam.

Schattig ist‘s im Wald, während draußen die Sonne brutzelt. „Waldklima“, freut sich Siller. Denn der Wald diene auch der Erholung, eine der Funktionen, die das städtische Forstamt sicherstellen müsse. Die anderen: Holzproduktion, Umweltbildung durch Lehrgänge für Kinder und Erwachsene, Schutz – zum Beispiel die Entfernung der lästigen Wollafter im Reischer Talweg – sowie Leistungen für Dritte wie beispielsweise die Unterstützung beim Ruethenfest. Dabei sei die Stadt Landsberg einer der größten kommunalen Waldbesitzer: 40 Prozent der Gesamtfläche sind Wald. „In Bayern belegen wir damit Platz drei.“

Eine der Hauptaufgaben sei die Aufforstung der Fichtenwälder. Denn die leiden massiv unter den steigenden Temperaturen. 2100 werde es hier kaum mehr Fichten geben, so Siller. „Für das Ökosystem ist das verheeren. Wir reagieren seit fünf Jahren nur noch auf klimabedingte Schäden.“ Das sei Katastrophenwirtschaft, keine planmäßige Waldwirtschaft mehr. Die Devise laute: Weg von der Fichte! Und hin zum Mischwald mit Buche, Eiche und Ahorn, Tanne und Douglasie.

Im Distrikt Schnebling startet Bezirksförster Ulrich Teufel samt Hund Fleck. Beim Blick nach oben zeigt sich: 100 Prozent Fichtenwald. „Aber wir haben hier bereits 20.000 Buchen gepflanzt“, sagt Teufel. Denn schon in den 80ern habe Forstamtsleiter Gerhard Gaudlitz das naturnahe Wirtschaften eingeführt. „Wir sind von 85 Prozent Fichtenbestand in den 50ern inzwischen bei 39 Prozent gelandet“, berichtet Siller.

Dennoch habe Sturm Niklas gemeinsam mit dem Borkenkäfer innerhalb der letzten fünf Jahre drei Hektar Wald abgeräumt, sagt Teufel. Der Fichtenbestand werde sich mit der Erwärmung auflösen: „Das kann in 15 Jahren sein oder morgen. Der nächste Sturm kommt bestimmt.“ Zudem sei der Boden im Schnebling nicht ideal: nur wenig Erde, darunter glazialer Schotter. Und der lasse Wasser durch, weshalb der Boden noch trockener sei als in anderen Waldbezirken. Während Fichten flach wurzeln, greifen Ahorn und Eiche tiefer.

Die jungen Buchen hat Teufel mit Bändern markiert, die nachwachsenden kleinen Fichten mit grüner Farbe. Daneben wachsen auch andere Bäume. Teufel zeigt auf junge Tannen oder auch die Vogelbeere. „Das kommt wild nach. Ein Geschenk der Natur.“

Dieser Nachwuchs überlebe aber nur dank einer rigorosen Wildschussrate. So müssten momentan pro Jahr nur rund 180 Rehe geschossen werden, sagt Siller, weil man die strenge Taktik bereits lange verfolge. Allerdings müsse man sich dafür regelmäßig vor den privaten Waldbesitzern, die die klassische Jagd betreiben, rechtfertigen. Wie viel im Stadtwald geschossen werde, berechne man anhand eines Vegetationsgutachtens, das alle drei Jahr erstellt wird. Die Hälfte des so ermittelten Wildschusses erledige man im Herbst bei Drückjagden. „Damit das Wild danach wieder Ruhe hat.“

Schwarznuss und Zahlen

Beim kurzen Zwischenstopp wird eine Schwarznuss gepflanzt, am Wegrand. Damit auch die Waldbienen was haben, über das sie sich freuen. Für die OB Doris Baumgartl, die auch beim Setzen hilft, Pate steht: Siller bittet um ein Foto pro Jahr.

Die Brotzeit findet heuer mücken- und schattenbedingt im Stadl statt – direkt neben 90.000 Festmetern Holz, die der Freistaat dort lagert, mit Dauerberegnung, damit sich das Holz wenigsten drei Jahre hält.

Zur Brotzeit gibt‘s Zahlen von Siller: 2019 habe man 19.000 Pflanzen setzen müssen und somit 4,5 Hektar aufgeforstet, eine „überschaubare“ Menge, die für die langjährige Forstarbeit im Stadtgebiet spreche. Dass so viel Holz gelagert werden müsse, auch das des Stadtforstes, liege am „grottenschlechten“ Holzpreis 2019. „Statt 100 Euro pro Festmeter, wie es vor 2015 Niklas war, sind es momentan 35 Euro“, sagt Siller. Und die Schäden wirkten sich immer noch aus, weshalb weiter geschlagen werden müsse.

Dass das Holz teilweise schadhaft sei, zeige sich auch an den Kunden der Stadt: Gleich an zweiter Stelle steht ein Unternehmen, das auf Brennholz spezialisiert ist. Aus dem geringeren Holzpreis – im Jahr 2019 ist hier ein Minus von 420.000 Euro – und der minderen Holzqualität erkläre sich teilweise auch der Verlust 2019: Er liegt bei rund einer Million Euro. Allerdings liege der Mittelwert der letzten zehn Jahre nicht weit über dem der fünf Jahre bis 2015. Denn alle vier Jahre komme eben das Ruethenfest, für das 2019 gut 420.000 Euro Aufwand anfielen. Da momentan trotz Sturm „Sabine“ noch wenig Borkenkäfer unterwegs seien, hofft Siller heuer auf ein deutlich besseres Ergebnis

„Hier haben wir sehr alten Waldbestand“, sagt Förster Ulrich Metzger. Fichten,m die teilweise 130 Jahre alt sind – wertvolles Holz. Mit 290 Hektar ist der Schlegelwald der zweitgrößte Bestand der Stadt. Wobei die lehmhaltigen Böden bisher noch für ausreichend Wasser sorgten. Dennoch: Das Hagelunwetter an Pfingsten 2019 und der Borkenkäfer haben hier zugeschlagen und zwei Drittel der Gesamtfläche geschädigt. 600 Festmeter Schadholz habe man aus dem Wald holen müssen. Und noch mehr: Circa ein Hektar Hang ist zum Lech hin abgerutscht. „Jetzt haben wir hier einen grandiosen Ausblick“, stellt Siller ironisch fest. Denn mit dem Hang rutschte auch ein Zufahrtsweg weg, in dem eine Starkstromleitung verläuft. Der Weg – und die Leitung – mussten verlegt werden, ein Unterfangen, das jetzt rund ein Jahr gedauert habe. Denn wegen eines dort brütenden seltenen Greifvogels gab es zusätzliche Auflagen, was Bauzeit und Maßnahmen angeht. Und auch der Lechhöhenweg muss auf dieser Höhe dauerhaft gesperrt werden, um dem Greifvogel eine Ausweichfläche zu bieten. In den kommenden Wochen werde man noch einen Zaun bauen, so Siller.

Arbeit in der Stadt

Vor dem Wildmahl konnten die Stadträte noch die Baumpflegearbeiten des Forstamts in der Stadt begutachten. Forstamtsmitarbeiter Joachim Schwarzer zeigte Baumschäden an einem Bergahorn in der Weiherstraße: Ein großer Baum,. sattes grünes Laub, alles bestens. Nur unten am Stamm ist ein kleines Loch zu sehen. In das allerdings ein rund 50 Zentimeter langer Stock passt, wie Schwarzer demonstriert. „Das ist Baumfäule, der Baum wird demnächst wahrscheinlich leider gefällt werden müssen.“ Eine Maßnahme, die bei Bürgern immer auf Unmut stoße, gerade wenn der Baum so gut aussehe. Aber Sicherheit gehe hier vor – und ist sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Nach fünfeinhalb Stunden geht es zum Wildbret-Essen. Alle etwas müde, aber bester Laune. Und hungrig.
Susanne Greiner

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