Auf den Spuren von Kommissar Viertaler

Landsberg: Wandernd und lesend an die Tatorte 

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Rund um die Teufelsküche: Immer schon ein mythenhafter Ort und Schauplatz eines grässlichen Fundes im ersten Roman von Uschi und Klaus Pfaffeneder (4. u. 5. v. l.).

Landsberg – Das Landsberger Autorenehepaar Uschi und Klaus Pfaffenender schreibt Regionalkrimis. „Ihren“ pensionierten Kommissar Martin Viertaler, der in Landsberg lebt, lassen die beiden bereits in zwei Romanen Kriminalfälle lösen. In Form einer literarischen Wanderung haben sie am Samstag eine Gruppe Krimi-Interessierter entführt in die Welt ihrer Protagonisten, mitgenommen zu den Schauplätzen und Tatorten ihrer Romane. Es war spannend, atmosphärisch und äußerst informativ.

Stattfinden soll sie bei jedem Wetter. Mitzubringen: festes Schuhwerk, Regenbekleidung und starke Nerven. Kneifen gilt nicht. Und so treffen wir uns – neun gespannte Teilnehmer – mit den beiden Autoren am Landsberger Hauptplatz. Denn hier beginnt die Handlung ihres ersten Kriminalromans „Entwurzelte Schatten“, in dem Kommissar Viertaler den Mörder einer Frau sucht, die in der Raunacht in der Teufelsküche zu Tode kam. Mysteriös dabei: dass sie wie in einer der alten Sagen ihren Kopf verlor. Wir können uns schon denken, wohin der Weg führt: 

Übers Klösterl (hier lebt der Kommissar), am Wildschweingehege vorbei (hier joggt der Verdächtige oft) gelangen wir zur Teufelsküche. Hier geht Kommissar Viertaler stets mit seinem Hund spazieren. Und entdeckt dabei die Leiche. Plötzlich sind wir drin im Roman, plötzlich meinen wir, die Figur schon zu kennen. „Auf der Brücke hinter der Teufelsküche lag die enthauptete Frau“, sagt Klaus Pfaffeneder. Im Roman versteht sich. Hier habe es aber auch tatsächlich in den 70er Jahren einen furchtbaren Mord gegeben. Rund um diesen mythenhaften Platz mit seiner besonderen geologischen Struktur habe man früher das Böse verortet. In einem Haus unterhalb der Brücke, habe – so dachte man – der Teufel gewohnt. Während Klaus Pfa­ffeneder das erzählt, wird es immer stürmischer. „Das ‚wilde Gejägdt‘ zeigt sich schon“, schmunzelt er. Früher habe es geheißen: Wenn der Sturm bläst und der Wind pfeift, schließen sich die Seelen der Toten der ‚wilden Jagd‘ auf die Lebenden an. Wir stehen auf der Brücke und gruseln uns etwas. Aber das ist auch das Besondere: Immer wieder verbinden die Pfaffeneders das Geschehen in ihrem Roman mit sagenhaften, mystischen, aber auch realen Geschichten.

Hinter der Teufelsküche geht es oben an der Hangkante entlang wieder zurück zum Lech: Wir halten am Kraftwerk, an der Lechstaustufe 15 – einer der Schauplätze des zweiten Romans „Täter - Opfer - Schuld“, der erst in diesem Jahr erschienen ist. Darin wird am Lumpigen Donnerstag in der Stadtpfarrkirche ein polnischer Pfarrer getötet. Kommissar Viertaler entdeckt Verbindungen zur NS-Vergangenheit und wird mit der Frage konfrontiert: Wer ist Täter, wer das Opfer, wer trägt Schuld? Die Anwesenheit des Bösen ist auch hier spürbar.

„Das Grauen auf dem Sofa, mit einer Tasse Kaffee, ist das Schönste – solange man selber nicht dabei ist“, meint Krimi-Liebhaber Klaus Pfaffeneder. Nun möchte er seine Leser auch teilhaben lassen. Da Lesungen derzeit Corona-bedingt kaum möglich sind, sei die literarische Wanderung, die über die Volkshochschule gebucht werden kann, als Alternative entwickelt worden. „In Form von „Blitzlichtern“, kurzen Buchpassagen, gelesen während der Wanderung, werden den Lesern einige zentrale Schauplätze aus beiden Romanen vorgestellt“, erklärt seine Frau Uschi das Format. Am Samstag fand die Krimi-Wanderung erstmalig statt. Aber hoffentlich nicht zum letzten Mal. Denn näher dran am Geschehen ist man selten. 

Andrea Schmelzle

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