Eigene Stärken herausfinden

Landsberg: Wie die Schule bei der Wahl des Ausbildungsplatzes hilft

Ordner mit Bewerbung und Berufswahl
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Wie geht es nach der Schule weiter? Auch Lehrer helfen den Schülern bei der Berufswahl.

Landsberg - „Die Lehrerschaft im Mittelpunkt“ hätte dieses Mal das Schwerpunktthema der Ausbildungsmesse gelautet. Damit sollte der große Einfluss der Schule auf die Berufswahl unterstrichen werden. Im Gespräch mit dem Kreisboten erzählt Christine Meier-Pomp, Wirtschafts- und Beratungslehrerin an der Johann-Winklhofer-Realschule (JWR) in Landsberg, welche Angebote den Schülern dabei helfen, den für sie richtigen Weg zu finden.

Frau Meier-Pomp, wie unterstützt die JWR Schüler bei der Berufsorientierung?

Wir haben sehr vielfältige Angebote, auch dank einer engen Kooperation mit dem Landsberger Unternehmen iwis motosystem. Dessen Gründer Johann Winklhofer ist ja der Namensgeber unserer Schule. Unsere 6. Klassen stellen in der Ausbildungswerkstatt unter Anleitung selbst kleine Werkstücke her. Das macht die naturwissenschaftlich-technischen Fächer greifbarer und hilft bei der Entscheidung für die Wahlpflichtfächer. Auch in der 9. Klasse können Schüler im Rahmen der Projekttage bei iwis motorsystem verschiedene technische Ausbildungsberufe kennenlernen.

Ein wichtiger Beitrag ist das Betriebspraktikum in der 9. Klasse. Die Schüler werden dafür eine Woche vom Unterricht freigestellt. Und wir regen dazu an, auf jeden Fall weitere Praktika zu machen. Im Vorfeld gibt es einen Informationsabend, zu dem wir ehemalige Schüler einladen. Dadurch, dass sie von ihrer Ausbildung berichten, wird das Thema für Schüler und Eltern konkreter und anschaulicher. Manchmal tun sich Berufsfelder auf, an die die Schüler vorher noch gar nicht gedacht haben.

Außerdem besuchen wir im Rahmen von Betriebserkundungen Landsberger Unternehmen und laden auch Referenten zu uns ein. Ausbilder und Personalchefs machen mit unseren Schülern Bewerbungstrainings, bei denen ihre Bewerbungsschreiben besprochen werden und Freiwillige vor der Klasse ein Bewerbungsgespräch führen.

In Zusammenarbeit mit der IHK stellen Azubis ihre Berufe vor. Das kommt sehr gut an, denn die Azubis erreichen die Schüler auf einer anderen Ebene und ein Austausch auf Augenhöhe ist möglich.

Darüber hinaus ist einmal im Monat eine Berufsberaterin der Arbeitsagentur bei uns. Es gibt die Möglichkeit zu Einzelgesprächen, für die man 15 Minuten vom Unterricht befreit wird.

Sicherlich gehört auch bei Ihnen der Besuch der Ausbildungsmesse zum festen Jahresprogramm. Haben Sie dieses Jahr den Wegfall der Messe durch eigene Angebote teilweise kompensieren können?

Die Ausbildungsmesse fehlt uns schon sehr. Dass die Schüler dort ohne große Hemmschwelle mit Ausbildern und Azubis der Betriebe unmittelbar ins Gespräch kommen können und man sich gegenseitig kennenlernt, ist durch nichts zu ersetzen. Es gibt jetzt digitale Listen der Aussteller, über die sich die Schüler auf die Internetseiten der einzelnen Firmen klicken können. Aber das ist halt nicht das gleiche.

Wir werden dieses Jahr verstärkt Ausbilder zu uns einladen – durch den Wegfall der Messe gewinnen solche Veranstaltungen noch einmal an Gewicht. Was wir das ganze Jahr über tun, ist, auf Ausbildungsangebote, Webinare und virtuelle Azubitage der Unternehmen hinzuweisen und diese in unserem Intranet „Schulmanager“ einzustellen.

Wie groß ist Ihrer Einschätzung nach der Einfluss der Lehrer auf die Entscheidung der Jugendlichen, wie es nach der Schule weitergeht?

Wir haben auf jeden Fall Einfluss – schon allein deshalb, weil wir von einer anderen Warte kommen und zusätzliche Anregungen geben können. Wichtig ist es, die Schüler dabei zu unterstützen, ihre eigenen Stärken herauszufinden, und dabei denke ich nicht an Schulfächer! Zu Eltern sage ich oft: Spiegeln Sie Ihrem Kind, was es gut kann. Es mag zum Beispiel anstrengend sein, ein Kind zu haben, das viel diskutiert – aber genau diese Redegewandtheit ist eine Stärke. Oder ein Kind, das an manche Dinge mit einer gewissen Lässigkeit herangeht – aber auch diese Gelassenheit ist eine Stärke. Schülern rate ich, ihr Umfeld zu fragen: Was meinst du, was ich gut kann? Da können erstaunliche Dinge herauskommen, die man sich aufheben kann wie in einem kleinen privaten Schatzkästchen.

Das Interview führte Ulrike Osman

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