So geht Integration

Sprachpaten gesucht

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Die Landsberger Kurspaten Marie-Luise und Wolfgang Schmitz (beide rechts) beim Besuch des von ihnen finanzierten Deutschkurses für Asylbewerber an der VHS-Landsberg. Über die symbolische Übergabe einer Deutschlandkarte freuten sich (von links) Kursleiterin Coralie Gandin-Thier, VHS-Leiterin Silvia Frey-Wegele, und Oberbürgermeister Mathias Neuner.

Landsberg – Coralie Gandin-Thier hat 15 Schüler in ihrem Deutschkurs für Asylbewerber an der Volkshochschule. Vorwiegend stammen sie aus Eritrea, ein paar wenige aus Afghanistan, Syrien und Äthiopien. Der Kurs geht noch bis Juli nächsten Jahres, daran anschließend will die VHS allen Teilnehmern einen Integrationskurs ermöglichen. Finanziert wird der Sprachkurs durch eine Kurs–patenschaft, die Marie-Luise und Wolfgang Schmitz übernommen haben. Mit dieser privaten Finanzierung geht die VHS jetzt neue Wege.

„Wir wollten nach unserem erfüllten Berufsleben, das auch im Bereich Sprache stattgefunden hat, etwas weitergeben“, begründet Wolfgang Schmitz die Patenschaft. Er war Herausgeber der Fachzeitschrift „Top Hotel“ im Freizeitverlag Landsberg, Marie-Luise Schmitz gab unter anderem Deutschkurse für Ausländer an der JVA Landsberg. Eine nicht zielgerichtete Geldspende war dem Ehepaar zu unpersönlich: „Durch diese Patenschaft können wir verfolgen, wie unsere Unterstützung konkret hilft.“ Die Sprache sei der Schlüssel für gegenseitiges Verständnis und für den zukünftigen Beruf.

Bei ihrem Besuch in der VHS brachten Luise und Wolfgang zudem eine Deutschlandkarte und mehrere Wörterbücher Englisch-Arabisch mit. Ganz besonders freute sich Kursleiterin Gandin-Thier über ein Wörterbuch für Tigrinya, die Amtssprache Eritreas. Größtenteils komme sie mit Englisch zurecht, aber ab und zu müsse es auch „mit Händen und Füßen“ gehen – da sei das Wörterbuch eine große Hilfe.

Die Kursteilnehmer stellten sich jetzt ihren Besuchern vor und bewiesen ihre bereits guten Sprachkenntnisse. Aber „über ihre Berufe haben wir nicht gesprochen“, sagt Gandin-Thier, „das Thema ist für die Teilnehmer sehr unangenehm, da sie hier nicht arbeiten dürfen.“ Sie sind alle seit mehreren Monaten in Deutschland und wollen auch am anschließenden Integrationskurs, den die VHS anbieten möchte, teilnehmen.

„Allerdings wird dieser Kurs nicht für alle vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert“, gibt VHS-Leiterin Silvia Frey-Wegele zu bedenken: Für Asylbewerber, die nicht aus Iran, Irak, Syrien oder Eritrea kommen, ist seit der Gesetzesänderung im Oktober kein Sprach- oder Integrationskurs vorgesehen. Ehrenamtliche Helfer versuchen bisher, diese Lücke zu schließen.

Ein Integrationskurs sei enorm wichtig, betont die VHS-Leiterin, man solle auch den hier im Deutschkurs teilnehmenden Afghanen und Äthiopiern die Teilnahme ermöglichen: „Es ist sehr schwer, den Asylbewerbern verständlich zu machen, warum der eine darf, der andere aber nicht.“ Deshalb hofft sie auf weitere Paten, die bereit sind, die Kursgebühren oder sonstige anfallenden Kosten zu übernehmen.

In einem Vorabgespräch wird geklärt, ob die Paten klassische Sprachkurse, kulturelle Projekte oder aber auch Prüfungen fördern wollen – wie zum Beispiel die A1-Prüfung gemäß dem europäischen Referenzrahmens, die die VHS bereits im Frühjahr anbieten will. Interessierte Paten können sich direkt bei Silvia Frey-Wegele in der VHS melden.

Susanne Greiner

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