Stadt Landsberg dazu aufgerufen, Wohnraum zu schaffen

Mehr Obdachlose durch Fehlbeleger und Nachzügler

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Die Stadt benötigt umgehend Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge. Nutzt sie in Zeiten höchster Not die Baracken und Container an der Jahnstraße?

Landkreis – Anerkannte Asylbewerber müssen die staatlichen Unterkünfte verlassen und viele von ihnen holen ihre Familien nach. Aber wo sollen die erwachsenen und jugendlichen neuen Gemeindebürger wohnen? Faktisch führt ihr Weg direkt in die Obdachlosigkeit. Darauf wies die Sachgebietsleiterin „Asyl“ des Landratsamts, Barbara Rösner, im Landsberger Stadtrat hin. Und forderte dazu auf, Wohnraum zu schaffen.

Im Landkreis gibt es derzeit 671 „Fehlbeleger“, also „Anerkannte“, die noch in staatlichen Unterkünften wohnen, 150 von ihnen in Landsberg. Dass sie in eine Wohnung umziehen müssen, hat mehrere Gründe. Der Freistaat Bayern ist für Menschen mit Bleiberecht nicht mehr zuständig; ihre Unterbringung ist Sache der Kommune, die Kostentragung Aufgabe des Jobcenters. Der Staat möchte viele Unterkünfte, die er eilig und manchmal zu teuer angemietet hat, umgehend wieder schließen. Und nach dem Abschluss des Asylverfahrens ist der Verbleib von Flüchtlingen in Industriegebieten nicht mehr zulässig.

Wohnsitzauflagen führen dazu, dass all diese Personen im Landkreis nach Wohnraum suchen. 122 der 671 haben signa­lisiert, dass sie den Nachzug ihrer Familien wünschen. Rösner multipliziert diese Zahl mit dem Faktor vier; das sei nach der Erfahrung des Landratsamts die durchschnittliche Familiengröße. Die Menge der benötigten (auch großen) Wohnungen sei also beträchtlich. Syrer, die lediglich „subsidiären Schutz“ erhalten haben, dürfen ihre Familien zwar noch nicht nachholen; wenn diese Regelung im März 2018 ablaufe und nicht verlängert werde, gebe es aber weitere 1.000 Wohnungssuchende.

Besonders dramatisch: Nachgezogene Familien könnten nicht in Gemeinschaftsunterkünften wie der Kauferinger Tennishalle untergebracht werden. Dort würden sie mit Personen zusammenleben, die den Hausfrieden stören und „zur Fremd- und Eigengefährdung neigen“, sagte Rösner. Die Konsequenz: Allein stehende Migranten müssen Wohnungen für Familiennachzügler freimachen. Dieser Vorrang für Familien führt in manchen Fällen zum völligen Unverständnis der ehrenamtlichen Betreuer, die dadurch ihre Bemühungen um Integration scheitern sehen.

Der Familiennachzug mache ihr besonders Sorge, sagte Rösner. „Wer als Flüchtling anerkannt ist, hat drei Monate Zeit, anzuzeigen, dass er begehrt, seine Familie nachzuholen.“ Anders als im klassischen Ausländerrecht finde eine Prüfung, ob denn eine Wohnung und genügend Geld zum Lebensunterhalt zur Verfügung stehe, bei Syrern nicht statt. „Die Botschaften erteilen Visa, ohne dass wir das erfahren. Der Zuzug ist daher nicht kalkulierbar.“

Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) ergänzte die Analyse: „Die Obdachlosenunterkunft wird nicht mal ansatzweise ausreichen.“ Asylbeauftragter Jost Handtrack (Grüne) bemängelte, dass an der Pfettenstraße und am Wiesengrund nichts vorangehe; „wenigstens wollen wir nach der Sommerpause über sozialen Wohnungsbau entscheiden“. Darauf setzt auch Jonas Pioch (Landsberger Mitte): „Wir hätten schon lange reagieren können“.

Inzwischen gibt es bereits Überlegungen, die noch vorhandene „Baracke“ und auch die Übergangscontainer an der Jahnstraße nicht abzureißen. Allerdings widerspricht dies den Beschlüssen des Stadtrats und den Verabredungen mit den Anwohnern. 

Werner Lauff

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