Aus der Nähe

+
Erst anhalten, dann absteigen. Biker sind künftig auf dem Hauptplatz willkommen.

Wir wollen die Verkehrsprobleme Landsbergs durch radikales Umdenken lösen. Wir wollen Möglichkeiten der CO2-Minderung ausschöpfen. Wir wollen motorisierten Individualverkehr verringern. Wir wollen, dass aus dem Hauptplatz kein Parkplatz wird. So ähnlich steht es im Konzept "Landsberg 2035". So ähnlich wird es immer wieder im Stadtrat gesagt. Und so ähnlich hören wir es auch immer wieder von der CSU, an guten Tagen jedenfalls.

Gestern Abend hatte die CSU keinen guten Tag. Sie erwirkte einen Mehrheitsbeschluss dafür, dass zehn Motorradparkplätze auf dem Hauptplatz ausgewiesen werden. Damit gibt die Fraktion eine falsche Wegweisung. Anstatt mit guter Ausschilderung dafür zu sorgen, dass Motorradfahrer kostenfrei auf dem Infanterieplatz oder in der sonntags ebenfalls kostenfrei zur Verfügung stehenden von-Kühlmann-Straße (samt Papierfleck und Geheimparkplatz "Landratsamt") parken, macht sie den Hauptplatz zur ersten Adresse für motorisierte Zweiradfahrer, von denen einige ganz schöne Luftverpester und Lärmmacher sind.

Für die Biker ist das ideal: Von dort sind Radler (gemeint ist das Getränk), Schweinsbraten und die nette Toilette zum Greifen nah und das Bike bleibt schön im Auge. Aber schon verkehrstechnisch ist die Sache falsch. Die zehn Plätze sind nämlich schnell voll. Dass die anderen Motorradfahrer jetzt über die Schlossergasse und die Lechstraße zum Infanterieplatz vordringen, weil es ja am Hauptplatz steht ("wenn voll, bitte weiterfahren"), glaubt kein Mensch. Also ist der Hauptplatz demnächst noch mehr zugestellt. Werden die Damen und Herren der Verkehrsüberwachung Biker 10 anerkennend zunicken ("gut geparkt") und den daneben parkenden Biker 11 brutal bestrafen? Da gehört Mut dazu. Das gäbe dann wieder einen Artikel im Münchner Merkur.

Besonders gewundert hat uns, dass Stadtrat Berthold Lesch (CSU) den Parkplätzen nicht nur zugestimmt hat, sondern auch für sie plädiert hat. Ist das nicht genau DER Berthold Lesch, der neulich in einem Papier im Abschnitt "Motorisierter Individualverkehr" gefordert hat: "Zielverkehr an den Rand der Altstadt führen"? Aber vielleicht hat er einfach nicht damit gerechnet, dass wir so eine gute Archivsoftware haben. Mitantragsteller war übrigens die Landsberger Mitte; die ist wenigstens konsequent. Hans-Jürgen Schulmeister fährt Roller und Notarzt Wolfgang Weisensee hat im Sommer ganz oft Kontakt mit Bikern. Er kennt sie aus der Nähe.

Auch die UBV war dafür; deren Fraktionschef Christoph Jell wäre sogar so weit gegangen, am Sonntag das Parken der Motorräder in der Fußgängerzone in der Ludwigstraße zu erlauben. Da hätten die Besucher dann gleich mal gesehen, wo hier die VR-Bank ist.

Aber Spaß beiseite: Wer so unbedenklich von hehren Grundsätzen, früheren Beschlüssen und nach Respekt heischenden Papieren abweicht, der darf sich nicht wundern, wenn Kommentatoren schreiben: Das war wieder einer dieser Momente, an denen man sich überlegt, ob sich Engagement für die Landsberger Politik eigentlich noch lohnt.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Zwei- und Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Zwei- und Vierbeinern!
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Dießener Trachtenjugend begeistert mit ihrem Adventstheater
Dießener Trachtenjugend begeistert mit ihrem Adventstheater
Landsberger zahlt Unterhalt mit Drogen
Landsberger zahlt Unterhalt mit Drogen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion