In eigener Sache

+
Der landsbergblog in seiner bisherigen Form (Screenshot)

Heute wendet sich der landsbergblog in eigener Sache an Sie. In zwei Tagen wird es diesen Blog nach sechs Jahren und 1.675 Beiträgen in seiner alten Form nicht mehr geben. Der Grund dafür ist die „General Data Protection Regulation“, die „Datenschutz-Grundverordnung“ der Europäischen Union, die am 24. Mai 2018 in Kraft tritt.

Zur Erklärung. Jeder Blog braucht einen Host. Dort werden die geschriebenen Texte und erstellten Bilder zum Abruf bereitgehalten. Dort findet die Aufbereitung der Inhalte für verschiedene (auch mobile) Plattformen statt. Von dort kommen Tools, zum Beispiel die Möglichkeit, neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, was Viele von Ihnen nutzen.

Unser Host, der Dienst WordPress.com (nicht zu verwechseln mit WordPress.org und der gleichnamigen Software) unterliegt dem neuen europäischen Datenschutzrecht nicht. Dummerweise aber wir.

Die Politik weiß, dass viele Dienste im Internet von amerikanischen Unternehmen angeboten werden. Google, Facebook, Amazon, WhatsApp, WordPress, Dropbox, Twitter und YouTube sind prominente Beispiele dafür. Europäische Inhalteanbieter haben sich vergleichbare Services im europäischen Raum gewünscht: Immer wieder haben sich die Gesetzgeber das auch vorgenommen: Wir brauchen „ein deutsches Google“, ein „europäisches Facebook“, hat es geheißen. Aber das ist nicht gelungen.

Europäer, die im Internet publizieren, können die Einhaltung der europäischen Normen durch amerikanische Unternehmen nicht garantieren. Genau dieser Anspruch ist aber Bestandteil der Grundverordnung. Sie unterstellt, jemand, der über WordPress, Google, YouTube oder Facebook Inhalte veröffentlicht, könnte diese Anbieter zu europäischer Normeinhaltung verpflichten.

Das wird nicht funktionieren. Wir fürchten uns daher nicht vor offiziellen Strafen der Behörden; sie wären grotesk. Wir fürchten uns vor Abmahn-Anwälten, die die neue Grundverordnung als Einnahmequelle entdeckt haben und schon mit den Hufen scharren. Der landsbergblog ist bereits einmal Opfer einer Abmahn-Abzocke geworden; ein zweites Mal wünschen wir uns das nicht.

Niemand, der Dienste amerikanischer Anbieter in Anspruch nimmt, kann die Datenschutz-Grundverordnung in ihrer neuen Form einhalten, weil er seinen Dienstleister aus Übersee dazu nicht zwingen kann. Das Thema wird noch enormen Sprengstoff entwickeln. 87 Prozent der deutschen Unternehmen, sagt DIE ZEIT, haben noch keine Ahnung davon, was auf sie zukommt.

Wir schon. Für uns gibt es daher nur eine Option: Wir schalten den auf WordPress.com basierenden landsbergblog am 24. Mai 2018 ab. Wir werden uns um eine Zwischenlösung bemühen. Und den landsbergblog dann neu aufsetzen, und zwar so, dass wir alle Parameter kontrollieren können, die der Gesetzgeber gerne kontrolliert sehen würde.

Sollte jemand von Ihnen erwähnt oder abgebildet sein und noch den ein oder anderen Artikel sichern wollen: Tun Sie’s jetzt. Der Zugriff aufs Archiv geht durch die Umstellung leider verloren.

Es ist schon ein Dilemma. Ja, wir wünschen uns eine einheitliche Rechtsordnung in der ganzen Welt. Ja, wir wünschen uns, dass internationale Konzerne nicht durch Geschäftssitze auf den Cayman-Inseln, in Irland oder in Luxemburg auf der Steuer-Klaviatur spielen können. Ja, wir wünschen uns, dass Verleumder und Lügner über Staatsgrenzen hinweg verfolgt werden können. Und, ja, wir wünschen uns dass weltweit Daten geschützt werden.

Nur: Wir und all die Anderen, die Inhalte erstellen, die außerhalb der EU vorgehalten werden, können das nicht bewirken. Das können nur Politik und Diplomatie. Die Grundverordnung macht sich die Sache zu einfach. Sie trifft die Falschen. Sie produziert Opfer. Sie ist eine Fiktion.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Streetfood verbindet!
Streetfood verbindet!
Wenn das Auto plötzlich bremst
Wenn das Auto plötzlich bremst
Diskussion nach Ende der Testphase der Dießener Fußgängerzone 
Diskussion nach Ende der Testphase der Dießener Fußgängerzone 
Schmuck und Werkzeug für 200.000 Euro geklaut
Schmuck und Werkzeug für 200.000 Euro geklaut

Kommentare