1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Landsberg

Erster Stopp im Landtag

Erstellt:

Von: Susanne Greiner

Kommentare

Liberation Concert im bayer. Landtag 2022
Die Landsberger Ausstellung „Liberation Concert – Menschlichkeit. Würde. Hoffnung.“ hat ein neues Zuhause: im Bayerischen Landtag. Zur feierlichen Eröffnung am Freitag lud Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Mit dabei: Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. © Eckstein

Landsberg/München – „Erinnerungskultur ist eine Herzensangelegenheit der Demokratie“, ist Landtagspräsidentin Ilse Aigner überzeugt. Weshalb der Bayerische Landtag für die Ausstellung „Liberation Concert – Menschlichkeit. Würde. Hoffnung.“ genau der richtige Platz sei. Für einen Monat ist die Landsberger Ausstellung, initiiert von Karla Schönebeck, im Landesparlament des Freistaates zu sehen. Zur Eröffnung am Freitag konnte Aigner auch die Präsidentin der israelischen Kultusgemeinde Charlotte Knobloch und den Zeitzeugen Abba Naor, Vizepräsident des Internationalen Dachau Komitees, begrüßen. 

Dass Gedenken für die Deutschen komplex, hart und schmerzhaft ist, hatte Isaac Herzog bei seiner Rede im Landtag Anfang dieses Jahres gesagt. Daran erinnerte Aigner in ihrer Begrüßung. Doch Gedenken könne auch Zukunft gestalten. Oder wie Herzog es ausdrückte: „Die Vergangenheit kann man nicht überbrücken. Die Zukunft jedoch gehört uns.“ Zu dieser Gestaltung trage die Ausstellung „LIberation Concert“ bei. Sie widme sich der Hoffnung, die die Musiker der Befreiungskonzerte hatten, in einer Zeit, „in der der Tod näher war als das Leben“.

Die Ausstellung widmet sich den Biografien überlebender Musiker des Holocausts und deren Leben in den DP-Lagern – zum ersten Mal seit Langem wieder selbstbestimmt. „Ein Initial“, beschreibt Schönebeck. Der Ausdruck von „Hier sind wir, das ist unsere Kultur“, die auch im ersten Befreiungskonzert 1945 in St. Ottilien und in den folgenden hunderten Konzerten in den rund 200 DP-Lagern Bayerns ihren Ausdruck fand. Neben Dokumenten, Zeitzeugenberichten und Fotos sind in der Ausstellung auch Klangbeispiele zu hören – denn die Bedeutung der Musik 1945, so Mark Mast, Intendant und Chefdirigent der Bayerischen Philharmonie und Mitglied im Wertebündnis, könne nicht hoch genug eingeschätzt werden. „Die Musik war damals ein wesentlicher Moment der Hoffnung auf eine menschliche Zukunft.“ Und sie ermögliche heute einen anderen Zugang zum Thema Gedenken. Dem stimmte auch der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten Karl Freller zu: „Musik birgt die Chance des emotionalen Erinnerns.“ Wissen allein verändere das Handeln nicht.

Diskussion Liberation Concert Landtag 2022
Bei der Podiumsdiskussion mit dabei (v.l.) der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten Karl Freller, Mark Mast, Intendant und Chefdirigent der Bayerischen Philharmonie, Angelika Zimfer als eine der beiden Landsberger Schülerinnen, die für die Ausstellung recherchierten, Initiatorin Karla Schönebeck, Zeitzeuge Abba Naor und Moderatorin Livia J. Kerp. © Screenshot: Greiner

Auch auf den jetzt denkmalgeschützten Kratzerkeller als geschichtliches Denkmal des Landsberger DP-Lagers kam Freller zu sprechen. Er sei ein „Ort des Aufbruchs in die Freiheit, eine neue Dimension der Hoffnung“, die man sichern müsse. Zwei Landsberger Schülerinnen, Angelika Zimfer und Mirja Baier, hatten dessen Geschichte zusammen mit Schönebeck recherchiert, ein Interview mit Naor geführt und ein eigenes Ausstellungsboard zu diesem Thema erstellt. „Es war eindrücklich, an diesem Ort der Geschichte zu stehen“, beschrieb Zimfer. Wäre das Gebäude abgerissen worden, wäre damit auch ein Teil Geschichte verlorengegangen. Sie hoffe, dass mehr junge Leute sich in Gedenkprojekten engagierten. „Das darf nicht in Vergessenheit geraten.“

Die Eröffnung begleiteten die Landsberger Pianistin Leni Wasser und Musiker der Landsberger Musikschule. Die Ausstellung ist Teil des Wertebündnis-Bayern-Projekts „Liberation Concert in Bayern“, das laut Aigner „neue Ideen und neue Formen des Gedenkens vor allem für junge Menschen ermögliche. „Sie tragen keine Schuld. Aber Verantwortung für den Weg in die Zukunft.“

Auch interessant

Kommentare