41-Jähriger wird ausfällig und muss in den Knast

Behördenvertreter als „Rassisten“ beschimpft

Justizia zeigte ein zweites Mal Gnade: Ein junger Mann erhielt erneut eine Bewährungsstrafe, obwohl er gegen Auflagen verstoßen hatte.
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Die ganze Härte der Justiz bekam jetzt ein Iraner zu spüren, weil er sich nicht an die Regeln hält.

Landsberg – Weil er mit seiner Unterkunft unzufrieden war, hat ein Asylbewerber Mitarbeiter des Landratsamts beschimpft. Dafür wurde er vom Amtsgericht Landsberg zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

Drei Fälle von Beleidigung, eine versuchte Nötigung und das Erschleichen von Leistungen standen in der Anklageschrift gegen den 41-jährigen Iraner. Anfang September vergangenen Jahres hatte er drei Außendienstmitarbeiter des Landrats­amts als Rassisten und Nazis tituliert, weil sie ihm kein anderes Zimmer besorgen konnten. Der Mann lebte seinerzeit in einer Asylbewerberunterkunft in Greifenberg. Unter anderem teilte er sein Zimmer mit einem Eritreer und einem Nigerianer, was ihm offenbar missfiel – und was den Staatsanwalt dazu veranlasste, ihm eine „unglaublich unschöne Doppelmoral“ zu attestieren.

Wie sich im Rahmen der Beweisaufnahme herausstellte, war der Verbalattacke im September eine lange Zeit vorausgegangen, während der der Angeklagte die Amtsvertreter mit Whatsapp- und Facebook-Nachrichten bombardiert hatte. „Ich habe eine ganze Litanei von Texten, in denen er sich beklagt“, sagte ein 54-jähriger Außendienstmitarbeiter im Zeugenstand. Der Iraner habe gedroht, sein Zimmer anzuzünden. Auch sei der gelernte Koch nicht kooperativ. „Er hält sich an keine Regel.“

Tatsächlich war der 41-Jährige unerlaubterweise nach Holland und Frankreich gefahren, von wo aus er den Asylmitarbeitern ein Foto geschickt hatte, das ihn vor dem Eiffelturm zeigte. Im Oktober 2020 reiste er nach Berlin, angeblich, um vor dem Bundestag auf seine Situation aufmerksam zu machen. Kurz darauf war er in der Münchener S-Bahn ohne Fahrschein unterwegs und wurde beim Verlassen der Station am Stachus von einer Kontrolle erwischt.

Der Iraner lebt seit 2016 in Deutschland. „Er war zuerst ein guter Kerl“, berichtete ein weiterer Landratsamtsmitarbeiter. „Er hatte in Landsberg Arbeit und einen geregelten Ablauf.“ Was den 41-Jährigen aus der Bahn geworfen hat, blieb offen. Er selbst sprach von Depressionen, wegen der er in Behandlung sei. Auch trinkt er offenbar phasenweise zu viel Alkohol.

Auf Zeichen der Einsicht und Reue wartete das Gericht vergeblich. Das Schwarzfahren erklärte der Angeklagte damit, dass er seine Fahrkarte beim Rennen von einem Bahnsteig zum anderen verloren habe. Dass er die Geldstrafe aus einer früheren Verurteilung nicht vollständig bezahlt hatte, sei ebenfalls nicht seine Schuld – sein Geld sei ihm gestohlen worden. Seinerzeit musste er den Rest der Strafe in Ersatzhaft absitzen.

Diesmal ging Richter Michael Eberle mit der Verurteilung sogar noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus und verhängte nicht die geforderten fünf, sondern sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie 120 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Nicht nur Rosinen

„Sie denken nur an sich“, hielt Eberle in der Urteilsbegründung dem 41-Jährigen vor. Dieser habe die Mitarbeiter des Landrats­amts verfolgt und beleidigt, nur, um für sich selbst etwas durchzusetzen. „Das macht diese Menschen krank“, betonte Eberle. Auch müsse der Angeklagte beginnen, sich an die Regeln zu halten, wenn er dauerhaft hier leben wolle. „Nur die Rosinen herauspicken, geht bei uns nicht.“
Ulrike Osman

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