Gegen die Kälte der Welt

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Mit aller Kraft versucht die Schneekönigin (Claudia Dlugosch, Mitte) zu verhindern, dass Gerda (Steffi Maier) ihren Freund Kai (Raphael Spatz) befreit.

Landsberg – Erwachsen werden ist kein „Kinderspiel“ – Verlockungen, Gefahren und Hindernisse lauern überall und machen es schwer, den eigenen Weg zu finden. Mit der Märchenadaption „Die Schneekönigin“ nach Hans Christian Andersen, die am Freitag Premiere feierte, hat sich die landsberger bühne dieser Thematik erfolgreich gewidmet.

Der Teufel (Götz Hofmann) freut sich. Er hat einen Spiegel erfunden, der das Böse und Hässliche der Welt zeigt, schnörkellos, so, wie er sie sieht, wie er sie haben möchte. So verhilft er seiner Verbündeten, der Schneekönigin (Claudia Dlugosch), den jungen Kai (Raphael Spatz) in ihren Bann zu schlagen, sie braucht etwas Warmes, etwas zum Lieben, ein Spielzeug in ihrer kalten Einsamkeit. Doch sie haben nicht mit Gerda gerechnet (Steffi Maier), die ihren Freund Kai nicht aufgeben will und ermutigt von ihrer Großmutter (Franziska Dietrich) den gefährlichen Weg zum Palast der Schneekönigin auf sich nimmt, ungeachtet der Ablenkungen, die in Form einer Modeberaterin, einer Geschäftsfrau (beides Daniela Echterbruch) und dem lustigen Leben von Prinz und Prinzessin (Pia Thalmeir, Kevin Kretschmar) auf sie einströmen. Sie folgt ihrem Herzen, findet Kai und erinnert ihn an die Wer-te, auf die es wirklich ankommt: Treue, Zuversicht, Zusammenhalt und nicht zuletzt Liebe. Dieses Wort bricht den Bann und gleichzeitig die Macht der Schneekönigin, die schließlich einsam und kälter als je zuvor in ihrem Kristallpalast zurückbleibt.

Die Schneekönigin im Stadttheater

Regisseurin Diedke Moser hat mit ihrer eigenen Bearbeitung des Andersen-Märchens eine wunderbare Parabel auf das Erwachsen-Werden geschaffen, mit starken, poetischen Bildern, originellen Effekten und überzeugenden Schauspielern. Claudia Dlugoschs Schneekö-nigin verströmt förmlich einen Eishauch ins Publikum und schafft es doch, die ganze Tragik der einsamen Herrscherin darzustellen. Starker Gegen-part ist Götz Hofmann, ein Mephistoles, ein böser Kobold, dia- bolisch, mit einer Prise Schalk und Durchtriebenheit. Steffi Maier ist eine moderne Gerda, ein Girlie, das aber unbeirrt bis fast zum Ende ihrer Kraft auf ihren Weg bleibt und am Ziel fast verzweifelt.

Mit einem filmischen Prolog stellt Diedke Moser die unbeschwerte Kindheit von Gerda und Kai (im Film gespielt von den Kindern Philippa Reicher und Julian Lichtenstern) in krassen Gegensatz zu der eisig-glitzernden Welt der Schneeköni- gin. Untermalt wird die märchenhafte Atmosphäre von den Musikern Wolfgang Moser (Violine) und Sepp Wörsching (Akkordeon) unter anderem mit Interpretationen von Fritz Kreislers „Liebesleid“ und Pachelbels Kanon. Ein stimmiges, atmosphärisches Märchen für Menschen, die sich ein Stück Kindheit bewahren wollen.

Weitere Vorstellungen am 16., 17., 22., 23. und 24. Januar um 20 Uhr und am 18. Januar um 18 Uhr.

Patricia Eckstein

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