Ein Keller voller Leichen

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Die beiden lieben Tantchen mit dem vergifteten Holunderwein auf dem Tisch: Diedke Moser als Abby, Franziska Dietrich als Martha und Matthias Bartels als nervöser Theaterkritiker Mortimer (von links) in „Arsen und Spitzenhäubchen“.

Landsberg – Nicht nur eine Leiche ruht bei den Tantchen Abby und Martha im Keller: Gleich zwölf einsame ältere Herren sind dem Holunderwein der beiden Schwestern zum Opfer gefallen. Denn darin gibt’s Arsen, das die netten alten Damen mit Spitzenhäubchen ihren Auserwählten kredenzen. Die Premiere von „Arsen und Spitzenhäubchen“ der landsberger bühne am Samstag zeigte kurzweiliges Boulevardtheater mit viel schwarzem Humor. Zum Geleit und in der Pause vergnügte die 12th Street Jazz Connection die Zuschauer im ausverkauften Stadttheater.

Die Mischung ist tödlich: „Vier Teelöffel Arsen, zwei Teelöffel Strychnin und eine Prise Zyankali“ rühren Martha und Abby Brewster in ihren beliebten Holunderwein. Die Beeren dafür wachsen gleich auf dem Friedhof nebenan. Sie genießen offensichtlich ein männerloses Leben, zum Leidwesen ihres Neffen Mortimer. Der ist Theaterkritiker, „aber das Theater hat keine Zukunft“, weshalb er jedes Stück mit Worten in den Boden stampft. Er hat zwar Elaine, Pfarrerstochter, und sie will ihn heiraten. Doch wie soll das gehen, wo doch die ganze Familie verrückt zu sein scheint?

Nicht nur hält sich Bruder Teddy für Präsident Roosevelt, der im Keller des Hauses Schleusen für den Panama-Kanal gräbt. Diese Schleusen dienen zudem als Gräber für die Mordlust der Tantchen. Und dann kommt auch noch das schwarze Schaf der Familie, der dritte Bruder Jonathan ins traute Heim zurück, seinerseits ein grausamer Killer mit zwölf Menschen auf dem Kerbholz. Oder gar 13? An seiner Seite schleicht ein zwielichtiger Geselle namens Doktor Einstein – „nicht Albert, Doktor Adolf O. Einstein“. Dass zwei Polizistinnen, gerufen von Teddys lautstarkem Trompetenspiel, in dieser Situation der Familie einen Besuch abstatten, ist nicht wirklich hilfreich. Und dass eine davon jetzt und auf der Stelle Mortimer den langwierigen Plot ihres Theaterstücks erzählen will, macht das Chaos perfekt.

Die Schauspieler der landsberger bühne gehen in ihren Rollen auf. Da sind Diedke Moser und Franziska Dietrich als schrullige alte Tantchen, die liebevoll lächelnd die Herren um die Ecke bringen. Oder Gabriel Lenz alias Teddy alias President Roosevelt, der schön verrückt alle angeblichen Gelbfieberopfer im Keller lagert. Auch Matthias Bartels überzeugt: Als hektischer Theaterkritiker Mortimer Brewster, der zu Beginn des Stückes noch alle Trümpfe in der Hand zu haben scheint, versinkt er zusehends im Chaos seiner Verwandtschaft. Florian Werner, zusammen mit Götz Hofmann auch für die Regie zuständig, trumpft als Gangsterbruder: leicht hinkend und mit schleppender Stimme. Dass dies so ungemein an das Frankensteinmonster erinnert, kommt nicht von ungefähr:

Das Theaterstück „Arsenic & Old Lace“ von Joseph O. Kesselring lief ab 1941 am Broadway. Jonathans Rolle spielte dabei Boris Karloff. Der gleichnamige Film mit Cary Grant wurde ebenfalls 1941 gedreht, durfte aber solange nicht gezeigt werden, bis das Stück drei Jahre später abgespielt war. Der Filmschauspieler des Jonathan wurde so geschminkt, dass er Karloff ähnelte. Und so witzeln die Figuren im Film, Jonathan sehe aus wie Boris Karloff. In der deutschen Fassung begegnet einem Frankensteins Monster. Und auch die landsberger bühne übernimmt den Witz – etwas verändert natürlich. Elaine findet, Jonathan ähnele doch jemanden. Und die Tantchen erinnert er „an dieses Monster, du weißt schon, aus dem Film … diesen Florian Werner.“

Mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ gelingt der landsberger bühne ein klassisch inszeniertes Boulevardtheaterstück für einen vergnüglichen Abend. Und nicht das Programmheft vergessen: Liebevoll gestaltet mit Todesanzeigen giftmischender Berühmtheiten wie Agrippina bietet es Infos zum Stück und zur Besetzung.

Weitere Termine: 12., 13., 14., 20., 21., 26., 27. Januar um 20 Uhr 15. und 22. Januar um 18 Uhr.

Susanne Greiner

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