Weniger Love-Parade, mehr Landsberg

Neuer Verein für den Gaudiwurm Landsberg

+
Mehr Schülerumzug, weniger „Love-Parade“: Der Gaudiwurm soll „back to the roots.“

Landsberg – „Wir haben ihn ja schon, wir würden ihn also aufgeben.“ Oberbürgermeister Mathias Neuner und Karl Matheis vom „Süßbräu“ sind sich einig: Der Gaudiwurm, liebgewonnene Faschingstradition und Auslöser leidenschaftlicher Diskussionen, muss bleiben. Dafür trafen sich am Montagabend knapp 20 Landsberger Bürger zu einem Meinungsaustausch im Rathaus. Die Tendenz: weg vom „Love-Parade-Charakter“, hin zu „klein, aber fein“. Dabei Spaß für Jung und Alt. Und bitte endlich wieder mit den Schulen. Um das umzusetzen, soll ein neuer Verein gegründet werden.

Schon 2014 stand der Brauch auf der Kippe. Damals rettete der Faschingsverein Landsberger Gaudiwurm unter dem Vorsitz von Nikki Amberger die Veranstaltung. Genau der Verein, der heuer überraschend ankündigte, den Umzug nicht mehr veranstalten zu wollen, und sich gerade in Auflösung befindet. Weshalb in diesem Jahr provisorisch die Stadt als Organisator einsprang. „Aber es kann nicht die Aufgabe der Stadt bleiben“, sagt Neuner. „Das muss von Seiten der Landsberger kommen. Wir helfen aber gerne logistisch“. Auch finanzielle Zuschüsse stellt der OB in Aussicht: „Ein Teil der Einnahmen aus dem Zelt wird in den Verein fließen.“

Hauptkritikpunkt sind die riesigen Wägen und die mangelnde Sicherheit in den engen Altstadtgassen: „Der Zug ist nicht zu stoppen“, beschreibt Anton Sirch vom Veranstaltungszentrum der Stadt. Allein für die Absperrung habe man heuer 85 Mann gebraucht. Ariane Wegner, Schatzmeisterin vom Gaudiwurm-Verein, berichtet, wie schwierig es sei, den Faschingsvereinen die Richtlinien der Stadt für die Wagen einzutrichtern: „Es hat sich niemand dran gehalten.“

Nicht nur der Sicherheitsaspekt spreche gegen die Wagen: „Das ist Tourismus. Die Wagenbesitzer verkaufen die Plätze“, meint Sirch. Vorbei die Zeiten, als Schulklassen eigene Projekte für den Umzug entwickelten. Als noch zahlreiche Fußgruppen Hauptteil des Umzugs waren. Jetzt stehe oft nur noch der Alkohol im Zentrum.

Beim zukünftigen Gaudiwurm könnte die Anzahl der Wägen begrenzt sein, meint Matheis. Die Fußgruppen wollten nicht zwischen den „bombastischen“ Wagen laufen, sagt Wegner: „Da verliert das Selbstgebastelte schnell an Wert.“ Gefragt sei ein Umzug, der sich mehr an Familien orientiere. Zum Beispiel mit einer Veranstaltung auf dem Hauptplatz, die auch Kinder anspricht, regt Manuela Sauter von der „Sonderbar“ an. Wobei die „Mucke“ für die Jugendlichen bleiben müsse. Eben ein Fest für alle.

Ansprechen will man auch Vereine, das Rote Kreuz, Wasserwacht, die Musikkapellen. Der Stadtrat könnte mitlaufen, zumindest teilweise. Und vor allem die Schulen. Für die sollte es Anreize wie einen Wettbewerb mit Preisverleihung geben, schlagen Lisa Maier und Daniel Wagner vor, die beiden einzigen Jüngeren in der Runde.

Zudem müsse man die Schulen finanziell unterstützen, damit sie die Gaudiwurm-Projekte umsetzen könnten. Vor allem sollte mit den Schulen gleich geredet werden, bevor man ein Konzept entwickle. Dem stimmt auch Neuner zu: „Ich werde ein Treffen mit den Schulleitern organisieren.“

Alle Anwensenden waren sich einig, dass beim nächsten Treffen der neue Verein gegründet werden muss, parallel zu den Gesprächen mit den Schulen: Die Zeit drängt. Axel Ludwig von den Lechschiffern würde sich zur Vorstandswahl stellen, „wenn die Ziele so wie besprochen verwirklicht werden: nicht nur Bespaßung, mehr kleinere Aktionen, auch im Vorfeld“.

„Die nächste Sitzung wird mehr Kontur haben“, verspricht der Oberbürgermeister. Alle Anwesenden könnten gleich als Mitglieder aufgenommen werden. „Aber ich spüre Begeisterung für das Thema.“ Zur Vereinsgründung will man öffentlich einladen. Wer mitmachen möchte, kann sich bei Anton Sirch unter Telefon 08191/128535 melden.

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach mehr als vier Jahrzehnten ist Schluss mit »Fraunhofer Saitenmusik«
Landsberg
Nach mehr als vier Jahrzehnten ist Schluss mit »Fraunhofer Saitenmusik«
Nach mehr als vier Jahrzehnten ist Schluss mit »Fraunhofer Saitenmusik«
Christian Hartge unter den Bundesbesten
Landsberg
Christian Hartge unter den Bundesbesten
Christian Hartge unter den Bundesbesten
Luftwaffe hat kein Interesse mehr am Penzinger Flugfeld
Landsberg
Luftwaffe hat kein Interesse mehr am Penzinger Flugfeld
Luftwaffe hat kein Interesse mehr am Penzinger Flugfeld
Die 60 Auserwählten
Landsberg
Die 60 Auserwählten
Die 60 Auserwählten

Kommentare