200 Seiten geballtes Wissen

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Dr. Werner Fees Buchecker (am Pult) vom Historischen Verein Landsberg stellt die Geschichtsblätter bei der Auftaktveranstaltung zum Baader-Jahr im Rathaus vor. Neben ihm einige der über 20 Autoren des Konvoluts.

Landkreis – Über 200 Seiten ist sie dick, die 115. Ausgabe der Landsberger Geschichtsblätter. „Wir haben sogar Beiträge abweisen müssen“, sagt Dr. Werner Fees-Buckecker vom Historischen Verein Landsberg bei der Auftaktveranstaltung zum Baader-Jahr im Rathaus. Über den Jubilar, den Lechhansl, gibt es einiges in den Geschichtsblättern zu lesen. Aber auch Herkomer, der Stadtrat und der Fliegerhorst Penzing sind Themen des Konvoluts.

Ein über das Lebensende nachsinnendes Skelett schmückt das Epitaph in der Landsberger Stadtpfarrkirche. Das passt, ist es doch das Grabdenkmal des Medicus Cyriacus Weber. Das Vorbild für die Gestaltung des Skeletts war eine Skizze, die aus dem Lehrbuch des Begründers der neuzeitlichen Anatomie, Andreas Vesalius, stammt. Den wiederum kannte wohl wahrscheinlich auch Cyriacus Weber. Kunsthistorikerin Dr. Dagmar Dietrich nimmt das zum Anlass für ihren ausführlichen und reich bebilderten Aufsatz über Vesalius, den Anatom der Renaissance.

Historische Themen sind ebenfalls zu finden: Pfarrer Thomas Pfundner handelt den Landsberger Burgfrieden im 16. Jahrhundert ab, Georg Waldemer von der Landesstelle nichtstaatliche Museen nimmt das Rochlhaus zum Anlass, dem Phänomen Doppelhaus in Südbayern nachzuspüren und Kreisrat Norbert Kreuzer schreibt über die seit 70 Jahren bestehenden hiesigen Institutionen Kreistag und Stadtrat. Ganz aktuell ist Stabsfeldwebel Herbert Wintersohls Beitrag zur Geschichte des Fliegerhorsts Penzing. Als die Geschichte des Fliegerhorstes im Rahmen der Cash-Ausstellung aufgearbeitet wurde, kam ein Dokument der Amerikaner über den Zustand des Geländes Mitte 1948 zutage: Mehrere Seiten berichten, was die Amerikaner bis dahin geleistet hatten und was noch geplant war. Dieser Bericht samt anschaulichen Fotos ist nun in den Geschichtsblättern abgedruckt – natürlich übersetzt. Nicht zuletzt findet auch Hubert von Herkomer mit einigen Bildern von Landsberg Platz in der Ausgabe: Alle Bilder zeigen Ansichten der Stadt und der Umgebung. Zu finden sind sie jedoch nur in Herkomers zweiter Heimat Bushey in England.

Zum 300. Geburtstag von Johann Baptist Baader widmen sich natürlich auch die Geschichtsblätter diesem prominenten Bürger aus Lechmühlen. Franz Bernhard Weißhaar schreibt über das Porträt des Heiligen Sintpert, das sich im Stadtmuseum befindet. Angeblich soll eine Mutter zu diesem Heiligen gebetet haben, als ein Wolf ihr Kind gestohlen hatte – worauf das Untier das Kleinkind unversehrt zurückbrachte. Der Grund dafür, dass auf dem Porträt ein Kind im Wolfsmaul abgebildet ist. Besonders interessant ist Konrad Erhards Bericht über Baaders Deckenfresko in Rott. Gemalt hatte es der Lechhansl im 18. Jahrhundert, doch 100 Jahre später erdreistete sich Pfarrer Franz Biber, die Kirche zu „devastieren“: Drei Altäre mussten dran glauben und auch das Deckengemälde wurde „übertüncht und auf blauem Grund Sternlein gemalt“. Dass heute wieder Baaders Kunst in Rott zu sehen ist, verdankt die Kirche dem resoluten Pfarrer Anton Kracker, der die Restaurierung Anfang des 20. Jahrhunderts in Angriff nahm.

Viele spannende Themen – es lohnt sich, die Landsberger Geschichtsblätter zu lesen. Kaufen kann man sie in der Geschäftsstelle des Historischen Vereins am Hauptplatz.

Susanne Greiner

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