Über den Tellerrand denken

Landsberger Industrial Maker Space soll wachsen

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Hinter dem Industrial Maker Space am Penzinger Feld, dort, wo jetzt noch ein Erdhaufen ist, will Gründer Thomas Dittler in einem zweiten Gebäude mehr Raum für Denker bieten.
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Hinter dem Industrial Maker Space am Penzinger Feld, dort, wo jetzt noch ein Erdhaufen ist, will Gründer Thomas Dittler in einem zweiten Gebäude mehr Raum für Denker bieten.
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Masken aus dem 'Aiwanger-Vlies' mit Gummis direkt aus dem Maker Space
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Viel Raum für Ideen und Tun: Die Eingangshalle.
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Wenn man in der Werkstatthalle telefonieren will, kann man sich in das ruhigere Telefonhäuschen zurückziehen.
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Wenn man in der Werkstatthalle telefonieren will, kann man sich in das ruhigere Telefonhäuschen zurückziehen.
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CEO und Gründer Thom,as Dittler bei den E-Ladesäulen, die direkt aus dem Maker Space kommen.
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Fahrradständer mit Gummilippe im Minimal Design.

Landsberg – „Hier entstehen Produkte, die in allen Dimensionen durchdacht sind.“ CEO und Gründer des Industrial Maker Space (IMS) am Penzinger Feld Thomas Dittler ist vom Konzept „Think – Make – Demo“ überzeugt. Einige der in der Innovationswerkstatt entstandenen Produkte zeugen vor Ort von der Kreativität, die in dem großräumigen Gebäude aus jeder Pore zu tropfen scheint. Stromladesäulen auf den Parkplätzen. Fahrradständer im Minimal Design samt Gummilippe, damit nichts zerkratzt. Ein Tulpen-Sonnenschirm mit Solarpanels, der Regen durch seinen ‚Stamm‘ in die Erde führt. Momentan teilen sich bis zu 60 Einzelpersonen und sechs Firmen im Maker Space den Platz für ihre Ideen. Ein paar passen noch rein. Trotzdem will Dittler bauen: Ein zweites Gebäude mit abgetrennten, 200 Quadratmeter großen Industrielofts und gemeinsam genutzten Bereichen – direkt neben dem ‚Maker Space 1‘.

Das Grundstück, auf dem das zweite Gebäude entstehen soll – die Planung ist abgeschlossen, der Bauantrag gestellt –, hat Dittler zusammen mit dem bereits bebauten Stück 2015 der Stadt abgekauft. Der Standort ist für den Schondorfer ideal: „Nicht ab vom Schuss, eine Einbettung in das alltägliche Leben war mir wichtig.“ Das neue Gebäude soll um ein Drittel kleiner als das bisherige werden und Alternativen für Nutzer bieten, die einen ‚eigenen‘ Bereich suchen. Das Konzept im bisherigen IMS bietet natürlich auch abgetrennte Räume. Aber keine, die nur von bestimmten Personen genutzt werden dürfen. Im Neubau denke man vor allem an kleinere Unternehmer, die in der Wachstumsphase seien, sagt Dittler.

Alles an einem Ort

Die Idee zum IMS hat Dittler aus dem Silicon Valley mitgebracht, wo er seit 1988, wie auch 80.000 andere Deutsche, zeitweise lebt: „Das Silicon Valley ist das, was Florenz in der Renaissance war.“ Sein Prinzip: „Think – Make – Demo, alles an einem Ort“. Dinge solange überdenken und überarbeiten, bis sie richtig gut sind. Und sie dann auch gleich testen. Denn: „Der Nutzer steht im Vordergrund.“ So wurde auch die am Anfang der Coronakrise hergestellte Mund-Nasen-Maske aus dem guten ‚Aiwanger-Flies‘ (der KREISBOTE berichtete) weiterentwickelt und nachhaltig überarbeitet. Jetzt gibt es beim Zuschnitt kaum mehr Materialverlust. Das Ergebnis: Rollen mit jeweils 150 Masken, eine davon hängt mit Gummibändern in drei Größen auch am Eingang des IMS. Maske abreißen, Gummi einfädeln, fertig. Das erste Produkt, das im neuen Online-Shop bestellt werden kann.

Ein anderes Produkt, das im IMS entwickelt wurde und jetzt auch dort steht, sind die E-Ladesäulen an den Parkplätzen: ein Super-Charger fürs Schnell-Laden und mehrere kleinere E-Ladesäulen. Das besondere bei Letzteren: Sie beruhen nicht auf dem Roaming-System. Zum Zahlen braucht man keine Ladekarte, sondern nur die normale EC- oder Kreditkarte.

Auch die Einrichtung des Gebäudes richtet sich an den Maßstäben Nachhaltigkeit, Qualität und Kosteneffizienz aus. Der anfangs erwähnte Sonnenschirm wird noch eine Steckdose bekommen, damit E-Bikes und Pedelecs dort auftanken können. Die Fahrradständer mit Gummi­lippe, designt gemäß dem goldenen Schnitt, können im Winter abgebaut werden, um Raum für Pkw-Parkplätze zu schaffen. Das Licht im IMS wird automatisch je nach Tageslichteinfall gesteuert – weshalb es keine Lichtschalter gibt. Die Lüftung reagiert auf den jeweils aktuellen CO2-Gehalt der Raumluft, bei Holzmöbeln wird auf FSC-Zertifizierung, also auf nachhaltige Waldwirtschaft geachtet. Und sowohl auf die Tische im Erdgeschoss als auch auf alle weißen Wände können Ideen notiert werden: alles beschreibbar. Direkt am Eingang hat jede Firma ihr per Zahlencode geschütztes Postfach. Nicht nur die Nutzer können wann immer sie wollen die Räume betreten, auch der Briefträger hat einen Schlüssel zum Eingang. „Eine Rezeption wird so überflüssig“, meint Dittler.

„Wir bieten hier einen professionellen Platz für Einzelpersonen, Firmen, die Innovationen testen wollen, und für Start-Ups. Insgesamt können hier bequem 100 Personen arbeiten“, fasst der CEO zusammen. Er versucht, Firmen aktiv nach Landsberg zu holen. „Das ist auch für die Stadt von Vorteil.“ Momentan ist er mit einem Start-Up im Gespräch, das Flugtaxis entwickelt. Die Mieter können ihre Ausstattung mitbringen, von der vorhandenen Technik auch in der großen Werkstatt profitieren sowie Räume für Meetings nutzen. „Es ist professioneller, wenn man sich mit einem Kunden hier trifft, anstatt im eigenen Wohnzimmer.“ Wobei Ficus und Katzen-Foto neben dem Bildschirm zuhause bleiben müssen. „Die Leute sollen hier gerade nicht Wohnzimmer-Atmosphäre haben. Das ist natürlich nicht für alle ideal“, räumt Dittler ein.

Es gebe unterschiedlichste Richtungen, auch im sozialen Bereich werde hier gearbeitet. Um ideal von der Arbeits-Atmosphäre zu profitieren, sei es wichtig, auf Leute zuzugehen. „Und man sollte sein Wissen gerne mit anderen teilen.“
Susanne Greiner

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